Massenprotest der „Sardinen“ gegen Rechtspopulismus in Rom

<p>Eine Demonstration der „Sardinen“ vor der Basilika San Giovanni in Laterano in Rom gegen den Rechtspopulismus.</p>
Eine Demonstration der „Sardinen“ vor der Basilika San Giovanni in Laterano in Rom gegen den Rechtspopulismus. | Foto: belga

Zehntausende Menschen sind am Samstag in Rom gegen den Rechtspopulismus auf die Straße gegangen. Die Kundgebung auf der Piazza di San Giovanni war der bisherige Höhepunkt der sogenannten „Sardinen“-Bewegung, die erst vor einem Monat in Italien im Protest gegen die Rechtspartei Lega entstanden war. Die Organisatoren gaben die Teilnehmerzahl im Anschluss mit „mehr als 100.000“ an. Die Polizei sprach laut italienischen Medien von „rund 35.000“.

„Die Idee war, den Platz zu füllen, und ich würde sagen, das Ziel ist erreicht“, sagte Mattia Santori, einer der Gründer der Bewegung. „Wir hoffen, dass die Gewalt aus der politischen Sprache verschwindet.“ Die „Sardinen“ wollten keine andere Bewegung ersetzen und niemanden von den Plätzen verdrängen, fügte er hinzu. Die Piazza di San Giovanni ist ein traditioneller Kundgebungsort der Gewerkschaften und der Linken in Italien. Am 19. Oktober kamen dort aber auch die Parteien der Rechten zu einer Großkundgebung zusammen.

<p>Mattia Santori, einer der Gründer der Bewegung, war ebenfalls auf der Demonstration.</p>
Mattia Santori, einer der Gründer der Bewegung, war ebenfalls auf der Demonstration. | Foto: belga

Viele der Demonstranten trugen Bilder und Figuren von Sardinen bei sich. Die „Sardinen“ hatten sich am 14. November als Flashmob in Bologna gebildet, als der Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, dort eine Wahlkampfkundgebung hielt. Ziel der jungen Organisatoren war es, mehr Menschen zusammenzubringen als Salvini und den größten Platz der Stadt eng gedrängt wie Sardinen zu füllen. Die Sardine wurde danach zum Symbol der Bewegung.

Sie richtet sich nach den Worten ihrer Urheber gegen Intoleranz, Nationalismus und Rechtsextremismus. Sie will keine Partei werden. Laut Santori gab es bis Samstag insgesamt 113 Kundgebungen. Am Samstag wurde auch außerhalb Italiens demonstriert. Medien zeigten Fotos von „Sardinen“ unter anderem mit dem Pariser Eiffelturm oder der Dresdner Frauenkirche im Hintergrund. „Italien ist erwacht“, schrieb der italienische EU-Kommissar Paolo Gentiloni, ein Sozialdemokrat, auf Twitter. Am Sonntag berieten rund 150 Vertreter der „Sardinen“ in Rom über ihre zukünftige Strategie. Sie kündigten weitere Demonstrationen in nächster Zukunft an.

Salvinis Lega ist in Umfragen mit gut 30 Prozent die mit Abstand stärkste Partei in Italien. Nach dem Sieg der Rechten bei der Regionalwahl in Umbrien Ende Oktober hofft der frühere Innenminister auch auf einen Erfolg in der Region Emilia-Romagna Ende Januar, einer traditionellen Hochburg der Linken. Die „Sardinen“ setzen auf einen Stimmungswandel. Für Samstag hatte Salvini kurzfristig einen „No Tax Day“ gegen Steuererhöhungen mit Kundgebungen in mehr als 20 Städten angesetzt. Er selbst forderte in Mailand baldige Neuwahlen. (dpa)

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