Manche Initiativen widmen sich ausdrücklich dem Zusammenleben der Kulturen und Religionen und der Förderung von Begegnung, auch in den Kulturvereinen und Religionsgemeinschaften der neuen Bürger. Die Arbeitsgruppe „Netzwerk Integration“ hat hierzu eine aktuelle Bestandsaufnahme verfasst und seit September in Umlauf gebracht. Im März 2014 hatte die gleiche Arbeitsgruppe einen „Vorschlag für ein Konzept“ zur Förderung von Integration und Zusammenleben verfasst. Damals hatte ein Forum mit Akteuren aus Politik und Gesellschaft, aus Schule und Beschäftigung, aus dem Sozialbereich und den Freizeitvereinen bilanziert, dass es zwar viele Einzelmaßnahmen gab, ein gemeinsames Konzept jedoch fehlte. Der „Vorschlag für ein Konzept“ hat hierzu eine erste Antwort gegeben und floss in der Folge auch in Maßnahmen der DG-Regierung ein. Der neue Text untersucht jetzt die Entwicklung in den letzten fünf Jahren und beschreibt die neuen Lösungen. Zu manchen Maßnahmen äußert er neue Empfehlungen für die weitere Durchführung.
In den letzten fünf Jahren wurden demnach viele Dinge entwickelt, die bis dahin gefehlt hatten: ein Integrationsparcours mit Bürgerkundekursen und angepassten Sprachkursen, ein Ausbau von „Info Integration“ zu einer Integrationsagentur, die Bezeichnung von Integrationsbeauftragten in manchen Gemeinden oder Maßnahmen für eine frühzeitige Integration in Beschäftigung. Richtlinien wurden Ende 2017 durch das Dekret „Integration und Zusammenleben in Vielfalt“ festgelegt und bieten seither einen klaren Rahmen. Gleichzeitig haben viele Dienstleister und ehrenamtliche Projekte ihr Angebot im Bereich „Zusammenleben der Kulturen“ weiter ausgebaut: zum Beispiel soziale Treffpunkte und ihre Sprachencafés, Patenschaftsprojekte, Kulturvereine und Religionsgemeinschaften, Sportvereine und Kulturveranstalter oder die interkulturelle Dialoggruppe der Stadt Eupen. Die Überschaubarkeit der Verhältnisse in Ostbelgien ermögliche, dass Begegnung relativ schnell stattfinden könne und tragfeste Verbindungen zwischen engagierten einheimischen und zugezogenen Personen daraus entstehen könnten, hieß es. Gleichzeitig haben sich auch die Herausforderungen weiter entwickelt. In Folge der Weltlage bringen neue Flüchtlinge andere Sprachen und Kulturen mit als die bisherigen Zuwanderer. Die Angebote beispielsweise in den Sprach- und Integrationskursen müssen immer wieder angepasst werden, um die Betroffenen über das Leben hier zu informieren. In allen Lebensbereichen besteht ein vermehrter Bedarf nach Übersetzung, um sich in der Ankunftsphase verständigen zu können.
Seit einigen Jahren kommen auch vermehrt unbegleitete Minderjährige. Neu ist, dass manche bei Erhalt des Aufenthaltsrechts in Ostbelgien bleiben, wo sie mit Schule und Freunden vertraut sind. Sie haben einen besonderen Bedarf nach Begleitung in Ausbildung und Autonomie. Der Text beschreibt die neuen Herausforderungen und schlägt Empfehlungen für Lösungen vor. Im Schlusswort werden zehn Themen genannt, denen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, damit Integration und Zusammenleben auch unter neuen Herausforderungen gelingen können. Die Zwischenbilanz befindet sich auf der www.info-integration.be. Die Autoren verstehen ihr Dokument als Grundlage für einen breiten Austausch in der ostbelgischen Gesellschaft: Sie hoffen, dass andere Akteure ihre Erfahrungen miteinbringen, dass die Empfehlungen diskutiert werden und dass daraus heraus neue Anregungen für die Politik und die Dienstleister entstehen. Rückmeldungen, Anregungen und Erfahrungswerte können bis Mitte Januar an „Info Integration“ gesendet werden. Das „Netzwerk Integration“ werde alle „ernsthaften Zuschriften“ sammeln und als Anhang zu seiner Zwischenbilanz veröffentlichen. Das Netzwerk befürworte ein neues Forum zu aktuellen Herausforderungen und Lösungen bei der Förderung von Integration und Zusammenleben. Andere Akteure planen ebenfalls ein Forum, und derzeit würden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit gemeinsam ausgelotet, hieß es. Kontaktadresse für Zuschriften bis 15.01.2020: info-integration@roteskreuz.be.
Das „Netzwerk Integration“ wurde 2008 als „Arbeitsgruppe Integration“ des „Rates für Entwicklungszusammenarbeit, Solidarität und Integration“ (RESI) gegründet und hat Beiträge zur Sensibilisierung für ein respektvolles Zusammenleben geleistet: beispielsweise durch Argumentationstraining gegen Stammtischparolen, durch Bierdeckel mit Informationen, durch interkulturelle Aufkleber und Banner „Deine Gemeinschaft“ in zehn Sprachen. Das Netzwerk hat 2011 das erste Forum in der DG zum Thema „Herausforderung Integration“ organisiert, später auch Infoveranstaltungen zum Integrationsparcous in den anderen Teilstaaten. Es hat 2014 seinen „Vorschlag für ein Konzept“ vorgelegt. Das Dokument ist weiter unter „www.resi.be“ zugänglich. Das „Netzwerk Integration“ hat sich letztes Jahr umbenannt, nachdem der RESI seine Aktivitäten eingestellt hat. (red)

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