Gesellig und locker geht es bei der Weißen Tafel in Eupen zu

In Eupen ist das Projekt „Weiße Tafel“ zu einem alljährlichen Nachbarschaftstreffen geworden.
In Eupen ist das Projekt „Weiße Tafel“ zu einem alljährlichen Nachbarschaftstreffen geworden. | Foto: Ralf Schaus

Die Idee stammt aus Frankreich, ist rund 30 Jahre alt. Populär ist sie immer noch. In Eupen ist das Projekt „Weiße Tafel“ mittlerweile zu einem Viertelfest, einem alljährlichen Nachbarschaftstrefen geworden. „Ein tolles Projekt, um gute Nachbarschaft zu pflegen und zu erhalten“, hieß es an vielen Weißen Tafeln. An anderen hatten sich Nachbarn zusammengetan, weil sie sich ein engeres Miteinander wünschen.

In den vergangenen Jahren waren Weiße Tafeln oft an lauschigen Plätzen, wie im Temsepark, zu sehen. Frauen in weißen Spitzenkleidern saßen an mit Kristallgläsern gedeckten Tischen, prosteten ganz in Weiß gekleideten Männern mit Champagner zu. Das hat sich gewandelt. Nicht mehr ganz so viel Aufwand. Das gesellige Beisammensein, das Gespräch, der Spaß steht im Vordergrund.

In neuen Wohnvierteln, mit Eigenheimen und Spielstraßen, kommt die Idee eines Picknicks in Weiß besonders gut an. „Das ist ein fester Termin, ist der Samstag, an dem alle Nachbarn gemeinsam auf der Straße sitzen“, heißt es im Heckenweg. Mehr als 30 Frauen und Männer in Weiß sitzen an der Tafel. Viele junge Familien mit Kleinkindern. Neben ihnen auch noch recht junge Omas und Opas. „Das Miteinander war schon immer sehr gut, ob es darum ging, die Kleine vom Kindergarten abholen oder die Älteren zum Sport zu bringen“, erzählen sie.

Nicht leicht zu finden war die Weiße Tafel am Werthplatz. Vor ihrem Haus wollte die Familie Leffin die Tafel aufbauen. Doch da parkten Autos. Kurz entschlossen wurde das Picknick in den Innenhof verlegt.

Nicht mehr als 15 Gäste waren gekommen. „Obwohl wir mehr als 50 Einladungen verteilt haben“, sagt Familie Leffin. „Hauptsache wir haben unseren Spaß“, versicherten die Gäste, die ihre Füße in Schüsseln mit Wasser kühlen durften. Zu einer Großveranstaltung mit mehr als 40 Gästen wurde die Weiße Tafel in der Oberen Malmedyer Straße. Groß und dennoch familiär. Laut, fröhlich, viel Lachen. „Uns trennt zwar die vielbefahrene Malmedyer Straße, aber wir lassen uns nicht trennen“, versicherten die Gäste. Die Weiße Tafel trage zur guten Nachbarschaft bei. Sogar eine gelegentliche Feindschaft unter Nachbarn kann die Weiße Tafel schlichten. Jahrelang hätten zwei ältere Damen kein Wort miteinander gesprochen. An der Weißen Tafel im vergangenen Jahr hätten sie sich miteinander versöhnt. Bis spät in die Nacht wurde an der Oberen Malmedyer Straße getafelt. Von Zuhörern umringt war der älteste Gast, der 88-jährige Josef Steils, der nicht müde wurde, Geschichtchen und Anekdoten zu erzählen.

Im Bergviertel feierte die Weiße Tafel in diesem Jahr Premiere. „Wir haben uns erinnert, dass das Bergviertel einst als Feierviertel galt“, erzählt Harald Kaiser. „Das war zu der Zeit, als es hier noch Geschäfte gab, als man stehen blieb, um ein Schwätzchen zu halten.“ Heute ist das Bergviertel ein sehr buntes, gemischtes Viertel, und ein Viertel mit vielen engagierten und aktiven Bewohnern und vielen Projekten für eine gute Nachbarschaft. Mehr Hinzugezogene hatten sich die Bergviertler als Gäste an der Weißen Tafel gewünscht.

Aber diese kamen nicht. „Wir lassen uns nicht entmutigen“, versicherte Harald Kaiser. „Im nächsten Jahr wird es bei uns wieder eine Weiße Tafel geben.“

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