Afrika raus, Ozeanien raus, Südamerika raus, Asien raus – die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich ist zu Europa-Spielen mutiert. Erstmals kommen sieben von acht Viertelfinalisten bei einer Frauen-WM aus dem europäischen Verband UEFA. Allein der Weltranglisten-Erste und Titelverteidiger USA vertritt in der K.o.-Runde den Rest der Frauenfußball-Welt.
Am Dienstag verabschiedeten sich in den früheren Frauenfußball-Weltmächten China (0:2 gegen Italien) und Ex-Weltmeister Japan (1:2 gegen die Niederlande) die letzten zwei Asien-Vertreter im Achtelfinale aus dem Turnier. Zuvor waren die Brasilianerinnen mit Superstar Marta am Gastgeber Frankreich (1:2) und Kanada an Schweden (0:1) gescheitert. Auch die afrikanischen Teilnehmer Kamerun (0:3 gegen England) und Nigeria (0:3 gegen Deutschland) sowie Geheimfavorit Australien (1:4 im Elfmeterschießen gegen Norwegen) sind schon raus.
„Japans Frauenfußball ist stark genug, um auf der Weltbühne mitzuspielen“, sagte Nationaltrainerin Asako Takakura frustriert und ein wenig trotzig nach dem unglücklichen Aus der Nadeshiko gegen Europameister Niederlande in Rennes. Aber auch sie räumte ein, dass die besten Clubs der Welt in Übersee beheimatet sind. Das heißt: in den USA und in Europa. „Wir müssen uns weiter verbessern, hart arbeiten und von den europäischen Vereinen lernen“, sagte Takakura.
Südafrikas Trainerin Desiree Ellis sieht zwar eine gute Entwicklung des Frauenfußballs in ihrer Heimat, wo im August ein landesweiter Ligabetrieb startet. Aber Europa sei viel weiter. Daher hat sie auch nichts dagegen, wenn ihre Spielerinnen den Sprung nach Europa schaffen und dort dazulernen.
Die Topclubs dort seien viel weiter in ihrer Entwicklung und ihren Strukturen, sagte Ellis. Für das jamaikanische Stürmer-Talent Khadija Shaw hat sich der Traum schon erfüllt. Die 22-Jährige unterschrieb während der WM einen Vertrag beim französischen Erstligisten Girondins Bordeaux.
Die Dominanz der Europäer kommt nicht unerwartet - und schon gar nicht aus heiterem Himmel. Insbesondere weil in England, Frankreich und Spanien, aber auch in den Niederlanden und Italien seit einigen Jahren massiv in den Frauenfußball und die Talentförderung investiert wird. Und es sind längst die an große Männer-Vereine wie FC Arsenal, Manchester City, FC Barcelona, Olympique Lyon, Paris Saint-Germain, VfL Wolfsburg und Bayern München angeschlossenen Frauen, die international alle Titel wie die Champions League abräumen. Zur neuen Saison sicherte sich Real Madrid die Lizenz von Erstliga-Aufsteiger CD Tacon und steigt ins boomende Geschäft ein.
In Frankreich führt Europas Dominanz zu einem verschärften Gerangel um die Olympia-Tickets für Tokio. Die UEFA hat bei den Spielen 2020 drei Startplätze, die an die drei besten WM-Teams des Kontinents gehen. In der nächsten K.o.-Runde kommt es gleich zu drei europäischen Duellen. Um sich für Olympia zu qualifizieren, muss man nun ins Halbfinale kommen.
Sollte Frankreich gegen die USA am Freitag ausscheiden, wären die drei europäischen WM-Halbfinalisten bei Olympia dabei. Setzt sich die Équipe tricolore gegen die Amerikanerinnen durch, würden die Olympia-Tickets an die Sieger der Halbfinals und den Gewinner des Spiels um Platz drei vergeben werden. (dpa)

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