Im Grunde bereits die zweite Mahnung im laufenden Jahr. Ähnlich war der Tonfall im Februar, im Vorfeld der Messe Bautibouw, wo Gouverneur Pierre Wunsch gleichfalls vor zu großzügigen Krediten und zu langen Laufzeiten gewarnt hatte.
Offenbar ohne die erhoffte Wirkung... Zahlen lügen nicht! Im ersten Trimester 2019 stieg die Zahl der Hypothekendarlehen im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres um sechseinhalb Prozent.
Priorität gilt weiterhin Kauf mit Renovierung
Kurzum: Die Nachfrage flaut nicht ab. Ebenso wenig das Angebot - was unweigerlich auf die Zinssätze drückt, die sich zuletzt quer durch Volumen und Laufzeit im Schnitt auf 1,29 Prozent eingependelt haben. Und liegen somit noch unter dem Rekordwert von 2016, als die Branche ungewohnt günstige 1,33 Prozent notierte. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende lagen die Zinssätze um das Vierfache höher.
Ähnlich ist der Trend beim Kreditvolumen, das in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Sprung von elf Prozent machte. In totalen Zahlen ein Plus von 8,3 Milliarden € (gemäß den jüngsten Zahlen der UPC, der Union Professionelle du Crédit).
Jedenfalls sieht die BNB eine mögliche mittelfristige Gefahr in einer zu starken Ausrichtung der Bankentätigkeit auf den Immobiliensektor. Pierre Wunsch: „Den Banken ist diese Situation durchaus bewusst. Sie gestehen sogar ein, dass ihre Margen unter Norm liegen. Weshalb sie dieses Manko durch ein höheres Kreditvolumen kompensieren.“
Verwendung finden die Immobilienkredite vorrangig für Ankauf mit Renovierung (plus 27,6 Prozent), gefolgt vom Erwerb eines Appartements respektive Hauses (plus 8 Prozent). Leicht rückläufig sind dagegen die Darlehen für Neubauten (minus 3,7 Prozent).
Kein Indiz für „Überhitzung“
Nach aktuellen Zahlen der BNB ist der Immobilienmarkt in Belgien um circa sechs Prozent überteuert. Eine Quote, die jedoch erfahrungsgemäß von Region zu Region teils stark variiert, wie Michael Croé von der ING betont. Auch sei eine solche Quote „noch kein Indiz für eine akute Überhitzung“. Dennoch bleibt ebenfalls in Ostbelgien die Nachfrage nach dem Eigenheim ungebrochen hoch, „gerade in den Ballungsräumen Eupen und St.Vith“, wie Bernd Paquay ergänzt. Die Folge: Die von den Banken bereit gestellten Summen sind besonders in den letzten drei Jahren beständig gestiegen - im Jahresschnitt 2018 um beachtliche neun Prozent (was sich eingangs diesen Jahres nachdrücklich bestätigt hat - siehe anbei). Heißt im Umkehrschluss, dass sich ein Haushalt für Kauf oder Bau auch höhere monatliche Ratenzahlungen „aufbürdet“. Mit Blick auf die permanent steigenden Verpflichtungen erachtet es der Kreditberater als „wünschenswert, wenn Bauherren nicht erst bei der Bank vorstellig werden, wenn sie bereits Plan und Genehmigung in Händen halten, sondern möglichst mit ausreichend zeitlichem Vorlauf“ - was für beide Seiten die Planungen einfacher mache.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren