Belgische Diplomaten von israelischen Siedlern im Westjordanland angegriffen

<p>Palästinensische Männer beten neben Olivenbäumen nach einem Angriff israelischer Siedler im Dorf Abu Falah im Westjordanland.</p>
Palästinensische Männer beten neben Olivenbäumen nach einem Angriff israelischer Siedler im Dorf Abu Falah im Westjordanland. | Foto: Leo Correa/AP/dpa

Eine Gruppe maskierter israelischer Siedler hat am Samstag nahe der palästinensischen Ortschaft Taybeh im Westjordanland eine Delegation europäischer Diplomaten angegriffen. Zu der Gruppe gehörten neben belgischen auch französische und polnische Diplomaten sowie Vertreter der katholischen Kirche. Die Delegation beteiligte sich an der Olivenernte, um symbolisch ihre Unterstützung für die palästinensische Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen.

Nach Angaben des Sprechers des belgischen Außenministers, Laurens Soenen, waren die Angreifer mit Stöcken bewaffnet. Als die Delegation versuchte, den Ort zu verlassen, wurde eine Fensterscheibe des Fahrzeugs der belgischen Generalkonsulin eingeschlagen. Anick Van Calster und ein weiterer belgischer Diplomat blieben unverletzt. Ein französischer Bürgermeister wurde dagegen bei dem Angriff verletzt. Es handelt sich um den 78-jährigen Bernard Baudoux, Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt Aulnoye-Aymeries und Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF). Auf in sozialen Netzwerken verbreiteten Aufnahmen ist zu sehen, wie er erschöpft an einem Fahrzeug sitzt. Berichten zufolge wurde er von Siedlern geschlagen und getreten. Weitere Videoaufnahmen zeigen maskierte Männer, die ein mutmaßlich belgisches Diplomatenfahrzeug umringen, aggressive Gesten gegenüber den Insassen machen und gegen eine Fensterscheibe schlagen.

Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés) verurteilte den Angriff auf der Plattform X aufs Schärfste. Er forderte die israelischen Behörden auf, die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen. Belgien werde sich weiterhin für europäische Sanktionen gegen gewalttätige israelische Siedler und deren Unterstützer einsetzen. Nach Angaben seines Sprechers erwartet Belgien eine Reaktion der israelischen Behörden auf den Vorfall. Israels Außenminister Gideon Saar verurteilte seinerseits die „schweren Gewalttaten israelischer Randalierer“. Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet, um die Angreifer zu identifizieren und vor Gericht zu bringen. Zugleich bedauerte Saar, dass der Besuch der Diplomaten nicht im Voraus mit der israelischen Armee abgestimmt worden sei. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sprach dagegen von einem „mutmaßlichen Angriff auf europäische Diplomaten“. Die bisher vorliegenden Bilder reichten nicht aus, um den vollständigen Ablauf und die individuelle Verantwortung zu klären. Der Vorfall werde weiter untersucht.

Bereits am Freitag war die US-Fotografin Heidi Levine von der „Washington Post“ bei einem Angriff israelischer Siedler nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland schwer verletzt worden. Nach Angaben der Zeitung griffen Dutzende maskierte Siedler palästinensische Dorfbewohner während der Olivenernte an, setzten Olivenhaine in Brand und warfen Steine. Levine, die eine deutlich mit „PRESS“ gekennzeichnete Schutzweste trug, wurde demnach zu Boden gestoßen und wiederholt getreten. Außerdem seien ihr Kamera und Mobiltelefon abgenommen worden. Die Fotografin erlitt laut „Washington Post“ unter anderem eine gebrochene Rippe, vier gebrochene Wirbel und zahlreiche Schnittwunden. Netanjahus Büro erklärte auch zu diesem Vorfall, die genauen Umstände seien noch unklar und würden untersucht. Nach israelischer Darstellung hätten sich bei der Auseinandersetzung rund 200 Araber und linksextreme Aktivisten sowie etwa 40 israelische Jugendliche gegenübergestanden. (belga/dpa/sc)

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