[Live] Tag fünf des Vennbrands: Kammerausschuss beruft Sondersitzung ein

<p>Innenminister Bernard Quintin (Mitte) beantwortet Fragen im Innenausschuss.</p>
Innenminister Bernard Quintin (Mitte) beantwortet Fragen im Innenausschuss. | Foto: belga

Feuerwehrkommandant fordert mehr Personal und Ausrüstung

13.43 Uhr: Quentin Grégoire, Kommandant der Hilfeleistungszone Vesdre–Hoëgne & Plateau (VHP), fordert angesichts des Vennbrands eine Debatte über Belgiens Fähigkeit, große Krisen zu bewältigen. Der Brand solle Anlass für eine sachliche Diskussion und nicht für politische Polemik sein.

Grégoire schlägt eine gemeinsame Koordinierungsstruktur für die wallonischen Hilfeleistungszonen vor. Dadurch könnten Ausrüstung und Personal effizienter gemeinsam eingesetzt werden. Zudem brauche es mehr Berufsfeuerwehrleute und spezialisierte Mittel wie Löschhubschrauber.

Auch in die Prävention und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung müsse stärker investiert werden. „Wenn sich die Risiken verändern, müssen sich auch die Mittel für unsere zivile Sicherheit verändern“, erklärte Grégoire in den sozialen Netzwerken.

Ravel zwischen Weywertz und Sourbrodt gesperrt

13.21 Uhr: Wegen der Brandgefahr ist der Ravel-Abschnitt zwischen Weywertz und Sourbrodt gesperrt. Das Verbot gilt auf dem Gebiet der Gemeinde Weismes für Fußgänger, Radfahrer und alle anderen nicht motorisierten Nutzer.

Auch der Wertstoffhof in Sourbrodt bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Die Gemeinde bittet die Bevölkerung, unnötige Fahrten zu vermeiden und Straßen sowie Zufahrtswege für Rettungsdienste und Einsatzkräfte freizuhalten.

Kammerausschuss berät am Donnerstag über Vennbrand

13.07 Uhr: Der Innenausschuss der Kammer kommt am Donnerstag um 14 Uhr vorzeitig zu einer Sitzung über den Großbrand im Hohen Venn zusammen. Der föderale Innenminister Bernard Quintin (MR) wird dabei die Fragen der Abgeordneten beantworten, bestätigte Ausschussvorsitzender Ortwin Depoortere (Vlaams Belang) am Dienstag.

Die Sondersitzung findet auf Antrag der Oppositionsparteien Anders und PTB statt. Sie verlangen unter anderem Auskunft darüber, wie sich Belgien auf künftige Naturbrände vorbereitet und weshalb keine föderale Krisenphase ausgerufen wurde. Weitere Fragen betreffen den Zugang zum Venn trotz hoher Brandgefahr sowie die Folgen der Einsparungen beim Zivilschutz.

Zur Sprache kommen soll auch ein Bericht des des föderalen des Zentrums für die Analyse der Risiken des Klimawandels (Cerac). Dieses hatte im Februar davor gewarnt, dass Naturbrände infolge des menschengemachten Klimawandels in Belgien häufiger werden und sich in zehn bis 15 Jahren zu einem „großen Klimarisiko“ entwickeln könnten.

WWF: Vennbrand ist „Alarmsignal des Klimawandels“

12.25 Uhr: Der Großbrand im Hohen Venn ist nach Ansicht der World Wide Fund for Nature (WWF) ein „wichtiges Alarmsignal angesichts des Klimawandels“. Rund 3.000 Hektar Naturgebiet wurden zerstört, darunter wertvolle Moorflächen. Die international tätige Natur- und Umweltschutzorganisation fordert, deren Wiederherstellung zur „absoluten Priorität“ zu machen.

Torfmoose speichern große Mengen Wasser und Kohlenstoff und wirken wie ein natürlicher Schwamm. Brennt ein geschädigtes Moor, verliert es diese Schutzfunktion und setzt zuvor gebundenes CO2 frei. „Es wird mindestens Jahrzehnte dauern, bis sich dieses Ökosystem erholt“, warnt WWF-Biologe Corentin Rousseau. Die Asche könne die Regeneration zusätzlich erschweren, weil sie das natürliche Gleichgewicht der nährstoffarmen Böden verändere.

Durch das Feuer gingen auch Erfolge früherer Renaturierungsprojekte verloren, die bereits seltene Tierarten zurückgebracht hatten. Belgien muss bis zum 1. September einen Plan zur Wiederherstellung der Natur vorlegen. Dieses Instrument müsse nun konsequent genutzt werden, fordert WWF-Expertin Laurence Drèze: „Geben wir das Hohe Venn nicht auf.“

N67 zwischen Mützenich und Eupen gesperrt

12.00 Uhr: Die Straße von Mützenich nach Eupen ist ab sofort gesperrt. Die N67 soll als Brandschneise für die Feuerfront dienen, die sich derzeit in nördlicher Richtung ausbreitet.

Foto: belga

Zugleich kündigte der Ortsvorsteher von Kalterherberg für Dienstagnachmittag größere Verstärkungseinheiten der Feuerwehr an. Diese sollen auf dem Wanderparkplatz in Kalterherberg stationiert werden. Fahrzeughalter werden deshalb dringend gebeten, ihre dort abgestellten Autos bis zum frühen Nachmittag zu entfernen. Das Ordnungsamt begleitet die Räumung des Parkplatzes.

Sourbrodt: Gemeinde bittet Bewohner, Fahrten zu vermeiden

11.33 Uhr: Die Gemeinde Weismes ruft die Einwohner von Sourbrodt dazu auf, ihre Fahrten im Ort auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Die am Samstag evakuierten Bewohner durften zwar am Montagabend zurückkehren, die Einsätze der Rettungs- und Sicherheitsdienste haben jedoch weiterhin Vorrang.

Foto: belga

Die Bevölkerung soll sich besonders umsichtig verhalten, die Anweisungen der Behörden befolgen und auf offizielle Mitteilungen achten. Die Maßnahme gilt ausschließlich für das Gebiet der Gemeinde Weismes. Die Bewohner von Küchelscheid und Leykaul in der Gemeinde Bütgenbach können nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Lüttich, Hervé Jamar (MR), weiterhin nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Diese Maßnahmen ergreift Belgien gegen Naturbrände

11.10 Uhr: Belgien müsse sich zwar noch besser auf große Naturbrände vorbereiten, habe in den vergangenen Jahren aber bereits erste Maßnahmen ergriffen. Das erklärte Luc Bas, Direktor des föderalen des Zentrums für die Analyse der Risiken des Klimawandels (Cerac), in einem Radiointerview mit dem flämischen Rundfunk (VRT).

Unter anderem wurde ein informelles Netzwerk von Fachleuten aufgebaut, das die Entstehung und Ausbreitung von Naturbränden untersucht. Mithilfe von Modellen sollen Risiken und mögliche Gefahren frühzeitig erkannt werden. Ein umfangreiches Modellierungsprojekt erfasst zudem, wo sich besonders viel brennbares Material befindet, welche Gebiete leicht Feuer fangen können und wo Löschwasser sowie andere Infrastruktur zur Brandbekämpfung zur Verfügung stehen. Auch besonders gefährdete Wohngebiete sollen so identifiziert werden.

An der Hochschule PXL in Hasselt wird inzwischen eine Ausbildung zum Berater für Naturbrandbekämpfung angeboten. Die Teilnehmer sollen lernen, Brandrisiken einzuschätzen und Behörden sowie Einsatzdienste bei der Vorbeugung und Bekämpfung zu unterstützen.

Gleichzeitig werde laut Bas die Bewirtschaftung gefährdeter Naturflächen angepasst. So würden reine Nadelwälder wieder stärker mit Laubbäumen durchmischt. Dadurch sollen die Wälder widerstandsfähiger gegen Feuer werden.

Feuer breitet sich nicht weiter aus – brennt aber noch

10.41 Uhr: Der Brand im Hohen Venn hat in den vergangenen Stunden keine weitere Fläche erfasst. Gelöscht ist er dennoch nicht, erklärte Nicolas Yernaux, Sprecher des Öffentlichen Dienstes der Wallonie, am Dienstagmorgen. Das betroffene Gebiet wird weiterhin auf mehr als 3.000 Hektar geschätzt.

Die Einsatzkräfte wollen am Dienstag vor allem ihre Verteidigungslinien an der nördlichen und östlichen Feuerfront sichern. Ziel sei es, den Brand vollständig zu umschließen und dadurch unter Kontrolle zu bringen. Sorgen bereitet jedoch der auffrischende Wind. Die Flammen könnten die Sicherungslinien überspringen und auf Nadelwälder auf deutscher Seite übergreifen.

Um das zu verhindern, legen die Rettungsdienste Brandschutzstreifen an. Dabei wird der Boden bis in eine Tiefe von rund 30 Zentimetern von brennbarem Material befreit. Zudem wurden bereits Bäume gefällt, um die Feuerfronten abzusichern.

Die Löschflugzeuge und Hubschrauber können wegen der Wetterbedingungen derzeit nicht aufsteigen. Sollte sich der Himmel aufklaren, stünden insgesamt neun Maschinen bereit: ein niederländischer Chinook, zwei Hubschrauber der Föderalpolizei, zwei schwedische Löschflugzeuge sowie jeweils zwei Hubschrauber aus Deutschland und Norwegen.

Bewohner von Küchelscheid und Leykaul können noch nicht zurück

10.12 Uhr: Bewohner von Küchelscheid und Leykaul können noch nicht zurückFür die evakuierten Bewohner von Küchelscheid und Leykaul in der Gemeinde Bütgenbach ist eine Rückkehr in ihre Häuser vorerst nicht möglich. Das teilte der Gouverneur der Provinz Lüttich, Hervé Jamar (MR), in seiner jüngsten Mitteilung mit. Aus Sicherheitsgründen bleibt die Evakuierung bis auf Weiteres bestehen.

Langsame Ausbreitung rettet vielen Tieren das Leben

9.51 Uhr: Der Brand im Hohen Venn hat nach Angaben der Stiftung der Wildtierauffangzentren Creaves zahlreiche wenig mobile Tiere das Leben gekostet. Betroffen seien vor allem Amphibien, kleine Nagetiere sowie Insekten und andere kleine Tiere. Das genaue Ausmaß der Verluste werde sich vermutlich nie vollständig bestimmen lassen. Der Naturpark Hohes Venn–Eifel veröffentlichte die Mitteilung am Dienstag auf Facebook.

Die vergleichsweise langsame Ausbreitung der Flammen habe einem großen Teil der mobilen Tierwelt jedoch die Flucht ermöglicht. Bislang sei in den Creaves-Zentren kein Tier aufgenommen worden, das unmittelbar durch den Brand verletzt wurde. In den kommenden Tagen könnten aber noch geschwächte, verbrannte oder durch Rauch beeinträchtigte Tiere gefunden werden.

Die Auffangzentren stehen deshalb bereit und wurden unter anderem mit Sauerstoffsystemen ausgestattet. Nach Einschätzung der Stiftung wären die Folgen noch schwerwiegender gewesen, wenn das Feuer während der Brut- und Fortpflanzungszeit ausgebrochen wäre.

Eindrücke aus der Nacht

9.25 Uhr: Belga-Fotograf Nicolas Lambert hat die nächtlichen Löscharbeiten im Hohen Venn begleitet. Seine Bilder zeigen den kräftezehrenden Einsatz der Feuerwehr im Kampf gegen die Flammen.

Foto: belga/Nicolas Lambert

Foto: belga/Nicolas Lambert

Foto: belga/Nicolas Lambert

Foto: belga/Nicolas Lambert

Foto: belga/Nicolas Lambert

Löschflugzeuge und Hubschrauber bleiben vorerst am Boden

9.12 Uhr: Wegen der Wetterbedingungen können die zur Bekämpfung des Vennbrands eingesetzten Flugzeuge und Hubschrauber am Dienstagmorgen nicht aufsteigen. Sie sollen ihre Arbeit wieder aufnehmen, sobald ein sicherer Einsatz möglich ist, teilten die Dienste des Lütticher Provinzgouverneurs mit.

Die Luftunterstützung ist besonders in den Bereichen wichtig, die für Bodentrupps und Löschfahrzeuge nur schwer erreichbar sind. Die Stauseen von Eupen, Gileppe, Robertville und Bütgenbach bleiben für die Öffentlichkeit gesperrt, da sie der Wasseraufnahme dienen. Die Bevölkerung wird erneut aufgefordert, die Sperrungen zu beachten und das Hohe Venn nicht zu betreten.

Zwei Feuerwehrleute durch Kohlenmonoxid vergiftet

8.57 Uhr: Bei den Löscharbeiten im Hohen Venn haben zwei Feuerwehrleute eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten. Einer von ihnen wurde bereits am Montag versorgt, der zweite in der Nacht zum Dienstag. Ihr Gesundheitszustand ist nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Lüttich, Hervé Jamar (MR), stabil.

Die Einsatzkräfte setzten die Brandbekämpfung während der gesamten Nacht fort. Der brennende Torfboden setzt große Mengen an Gasen frei, darunter Kohlenmonoxid.

Regen zieht am Dienstag in Richtung Hohes Venn

8.45 Uhr: Der erwartete Regen zieht am Dienstag aus Nordwesten in Richtung Hohes Venn. Nach Angaben des Königlichen Meteorologischen Instituts (KMI) mit Hauptstitz in der Brüsseler Gemeinde Uccle bleibt es zunächst grau, zeitweise fällt Regen oder Nieselregen. Am Nachmittag sind einzelne Schauer möglich.

Im Hohen Venn werden Höchsttemperaturen von etwa 17 Grad erwartet. Auch in der Nacht bleibt es meist stark bewölkt, vereinzelt kann weiterhin leichter Regen fallen.

Spa sperrt den Zugang zum Venn

8.26 Uhr: Die Stadt Spa hat den Zugang zu den auf ihrem Gebiet gelegenen Vennflächen bis einschließlich Mittwoch untersagt. Die vorsorgliche Maßnahme soll die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten und verhindern, dass Rettungskräfte durch zusätzliche Einsätze gebunden werden.

Die Sperrung betrifft unter anderem das Venn von Malchamps, den Aussichtsturm Jean Valière und die drei in Bérinzenne beginnenden Wanderrouten. Das Gebiet darf weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad oder zu Pferd betreten werden, teilte die Stadt am Dienstag über die sozialen Netzwerke mit.

Eupener Kabelwerk als Drehscheibe für die Wasserversorgung

7.55 Uhr: Während Hunderte Einsatzkräfte gegen den Vennbrand kämpfen, wird auf dem Gelände des Eupener Kabelwerks rund um die Uhr Löschwasser abgefüllt. Die wichtigste Entnahmestelle in der Unterstadt versorgt Tankwagen und Traktoren, die das Wasser anschließend ins Hohe Venn bringen.

Ein GrenzEcho-Redakteur hat die Drehscheibe der Wasserversorgung am Montag besucht und mit den Helfern vor Ort gesprochen. Wie der Einsatz am Kabelwerk abläuft und welche logistische Leistung dahintersteckt, lesen Sie HIER im ausführlichen Bericht.

Kinderkrippe in Malmedy öffnet wieder

7.26 Uhr: Kinderkrippe in Malmedy öffnet wiederNach der Verbesserung der Luftqualität kann die kommunale Kinderkrippe in Malmedy am Dienstag wieder öffnen. Auch verschiedene Aktivitäten können erneut stattfinden. Für die Bevölkerung im betroffenen Gebiet stehen weiterhin FFP2-Masken bereit.

Feuer breitet sich kaum noch aus

7.00 Uhr: Der Brand im Hohen Venn hat sich am Montag kaum weiter ausgebreitet. Die zerstörte Fläche wird weiterhin auf mehr als 3.000 Hektar geschätzt. Vollständig unter Kontrolle ist das Feuer allerdings noch nicht.

Schwierig bleibt vor allem eine für Bodentrupps nicht zugängliche Feuerfront im Osten des Gebiets. „Heute, morgen oder übermorgen hoffen wir, dass das Feuer eingedämmt ist“, erklärte der langjährige Leiter des Forstamtes Elsenborn, René Dahmen, am Montag.

Rund 500 Kräfte weiter im Einsatz

6.44 Uhr: Rund 500 Kräfte weiter im EinsatzRund 500 Menschen kämpfen gegen den Vennbrand, darunter Feuerwehrleute, Soldaten, Landwirte und deutsche Einsatzkräfte. Hinzu kommen nach Angaben von Innenminister Bernard Quintin (MR) täglich etwa 120 Beamte der lokalen und föderalen Polizei.

Quintin warnte vor einer zu frühen Entwarnung. Das Gelände sei für motorisierte Fahrzeuge teilweise nicht zugänglich, das Feuer bleibe unberechenbar. Die Nachlöscharbeiten dürften noch mehrere Wochen dauern.

Einwohner von Sourbrodt dürfen zurückkehren

6.31 Uhr: Die rund 500 am Samstag evakuierten Einwohner von Sourbrodt durften am Montag ab 21 Uhr wieder nach Hause. Nach Angaben der Gemeinde bestätigten die Rettungsdienste und zuständigen Behörden, dass eine Rückkehr unter ausreichend sicheren Bedingungen möglich sei. 14 Betroffene hatten zwei Nächte in der Notunterkunft im Sportzentrum von Malmedy verbracht. (belga/calü)

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