Das Hohe Venn ist einfach da. Seit Freitag allerdings nicht mehr. Die Bilder von verkohlten Flächen, aufsteigendem Rauch und einer Landschaft, durch die sich die Flammen fressen, verändern die Wahrnehmung. Ein riesiges Gebiet ist betroffen. Menschen müssen ihre Häuser verlassen, andere halten vorsorglich gepackte Taschen bereit.
Dabei waren die Sorgen auf dem Weg bis vor wenigen Tagen noch ganz andere: Auf der Vennstraße ärgert man sich als Pendler über Wildwechsel, Nebel oder die Tücken der Strecke im Winter. Ringsherum liegen Ortschaften, in denen die Welt etwas verschlafen wirkt. Nun stehen Namen wie Sourbrodt, Küchelscheid oder Leykaul plötzlich in Evakuierungsplänen und Lageberichten. Was dort geschieht, ist eine ökologische Katastrophe. Die Folgen für Tiere und Pflanzen sind noch gar nicht absehbar.
Die Katastrophe zeigt aber auch eine andere Seite. Die Flammen machen weder vor Sprachgemeinschaften noch vor Staatsgrenzen halt. Die Hilfe zum Glück ebenso wenig. Feuerwehrleute aus zahlreichen Hilfeleistungszonen und den Nachbarländern kämpfen gegen die Flammen. Hubschrauber aus dem Ausland, Armee, Zivilschutz und Polizei sind im Einsatz. Landwirte fahren Wasser ins betroffene Gebiet, Bürger bieten Unterkünfte, Lebensmittel und Material an. Es zeigt sich, worauf es ankommt: Zusammenarbeit.
Zur Solidarität gehört allerdings Verantwortung. Schaulustige versuchen, möglichst nah an das Geschehen heranzukommen, andere wollen auf eigene Faust Wildtiere retten. Noch problematischer ist die Gerüchteküche. Plötzlich soll es in einem Dorf brennen, obwohl dort keine Flammen sind. Ortschaften sollen evakuiert werden, obwohl keine Anordnung vorliegt. Aus einem „Ich habe gehört“ wird nach mehrmaligem Weiterleiten vermeintlich eine Tatsache.
Gerade weil die Unsicherheit groß ist und sich die Lage ständig verändert, sind verlässliche Informationen umso wichtiger. Das GrenzEcho versucht, Entwicklungen möglichst schnell, aber vor allem sachlich und auf Grundlage bestätigter Informationen einzuordnen. Schnelligkeit ist in einer solchen Lage wichtig, Verlässlichkeit aber wichtiger. Maßgeblich bleiben die Informationen von Behörden, Krisenstäben und Einsatzkräften.
Unbequeme Fragen werden kommen müssen. Wie gut war die Region auf eine Katastrophe dieser Größenordnung vorbereitet? Reichen Ausrüstung und Löschmittel? Was lässt sich bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verbessern? Wie kann diese Naturlandschaft künftig besser geschützt werden? Auch die Frage nach Ursache und möglicher Verantwortung gehört dazu.
Aber nicht jetzt. Solange Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpfen, ist weder die Zeit für Schuldzuweisungen noch für Besserwisserei. Wenn die akute Gefahr gebannt ist, muss aufgearbeitet werden, was gut funktioniert hat und ebenso schonungslos, was künftig besser laufen muss. Im Augenblick zählt der Einsatz der Feuerwehrleute, Zivilschützer, Soldaten, Polizisten, Landwirte und freiwilligen Helfer aus der Region und weit darüber hinaus.

Kommentare
Ich verfolge gebannt Ihre Berichterstattung über den Großbrand im Hohen Venn. Ich habe Anfang der 90er Jahre fünf Jahre lang als Beigeordneter Geschäftsführer im Naturparkzentrum Botrange gearbeitet und gewohnt und diese Bilder tun mir verdammt weh.
Ich finde den Kommentar von Christian Schmitz sehr gut und denke, wir brauchen mehr solcher grundsätzlicher Gedanken; die Diskussion über Anpassung ist aktuell dringend notwendig, aber wir müssen sie noch ergänzen um eine Diskussion über die Ursachen, dh die fossilen Emissionen. Die sechs größten Ölkonzerne Europas (Shell, BP, Repsol, TotalEnergies, Eni und Equinor) haben im ersten Quartal 2026 22 Milliarden $ Gewinn gemacht – und sie machen einfach weiter. Die Schäden haben wir hier. Wenn wir die aktuelle Situation um 10 Jahre verlängern – ich will mir gar nicht ausmalen, in was für eine Dystopie uns das „Immer-weiter-so“ führt. Wir müssen uns an die Klimakrise anpassen, aber zugleich dringend weg von den fossilen Energien.
Dietmar Mirkes, Aachen
Sehr geehrter Herr Mirkes, Sie finden den Bericht gut. Ja, Herr Schmitz weist zurecht darauf hin, dass Schuldzuweisungen nicht zielführend sind. Dennoch sollen nach Ihrer inhaltlosen Darstellung Milliardengewinne der fossilen Emissionen schuld sein. Das ist absurd. Hören Sie endlich auf den Unsinn mitzuverbreiten, das Klima könnte "geschützt" werden. Warum schützt man denn nicht den Planeten vor Sturm, Tsunamis, Fluten, Dürren, Hochwasser, Ebbe und Flut, Hungersnöten, Vulkanausbrüchen, Pandemien? Das ist Hybris. Das kann man nicht! Der Mensch war schon immer der Natur ausgeliefert, Punkt! Und erklären Sie uns, wie die Löschfahrzeuge und Hubschrauber betrieben werden sollen, wieviel des Materials der Löschausrüstung aus fossilen Grundstoffen besteht? Ihre Forderungen sind nicht zielführend, sind absurd.
Joachim Wahl, Küchelscheid
Auch die Evakuierung von Küchelscheid hat Gegenpoler Wahl offensichtlich nicht zum Umdenken gebracht. War auch nicht zu erwarten. Wie schrieb sein Gegenpol-Kumpel Scholzen noch während der ersten Tage des Vennbrands in einem einschlägigen Forum: „Waldbrände sind etwas Normales. Da müssen die Menschen sich einfach dran gewöhnen.“ (!!!) Lassen Sie also schonmal Ihre Koffer gepackt, Herr Wahl.
Herr Wahl versteht nach wie vor nicht - nein, er will es nicht verstehen - dass es sich bei dem wissenschaftlich dokumentierten Klimawandel (im Gegensatz zu Ebbe und Flut), um einen vom Menschen verursachten Prozess handelt, der auch durch den Menschen zumindest wieder gestoppt werden kann, indem die Verbrennung fossiler Energieträger und somit der Eintrag von CO2 in die Atmosphäre substantiell zurück gefahren wird.
Dies versteht mittlerweile jeder Primarschüler, aber Fakten können hier die Barriere zu reaktionärem Kopf in den Sand stecken wohl nicht überwinden.
Die Grünen bilden dich wirklich ein, sie könnten das Wetter beeinflussen.
Herr Leonard, das schlimme ist dass Eltern, Lehrer und Medien Primarschülern den ganzen Co2 Unfug eintrichtern, obschon sie selbst nicht zu verstehen scheinen was ein ppm. bedeutet. "Substantiell" den Eintrag von Co2 in die Atmosphäre zurückfahren zu wollen ist nicht nur unmöglich sondern völlig hirnrissig, vor allen Dingen wenn man die Zahlen kennt und richtig interpretiert. Es ist so als wolle man den Bodensee mit einem Güllefass leeren. Schildbürger lassen Grüssen.
Guido Scholzen, Grüne können das nicht, andere schon.....mais çà, c'est un autre débat.
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