„Selbst in unseren schlimmsten Albträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass ein Feuer eine derart große Fläche zerstören könnte“, erklärte Collard. Die Vereinigung zählt rund 800 Mitglieder. Nach Angaben des Präsidenten sind von den 6.000 Hektar des Naturschutzgebiets etwa 3.000 Hektar verbrannt. Betroffen seien unter anderem die Fagne des Deux Séries, die Fagne de Cléfaye und das Wallonische Venn. „Das ist ein unglaubliches ökologisches Drama“, sagte Collard.
Besonders schwer wiegt die Zerstörung der Hochmoore. In manchen Bereichen könnten die Schäden irreparabel sein, da das Feuer tief in den Boden eindringen und dort noch über Monate weiter schwelen kann – möglicherweise bis in den Winter hinein.
„Das Feuer war schneller als der Koordinationsplan.“
Neben der Bestürzung äußerte Collard auch Kritik an den Behörden. Diese hätten seiner Ansicht nach nicht den Mut gehabt, die Zugänge rechtzeitig zu sperren, obwohl die Brandgefahr seit Wochen bekannt gewesen sei. „Man konnte sich denken, dass so etwas auch in Belgien passieren würde“, sagte er.
Nach dem Brand von 2011, bei dem 1.250 Hektar zerstört worden waren, sei ein Koordinationsplan ausgearbeitet worden, um schwer zugängliche Gebiete besser schützen zu können. Umgesetzt worden sei dieser jedoch bis heute nicht. „Das Feuer war schneller“, bedauerte Collard. „Wichtige Entscheidungen werden zu spät getroffen.“ Mit den Mooren verschwinde auch „11.000 Jahre Geschichte“, so der Präsident der „Vennfreunde“. Die Torfschichten im Hohen Venn haben sich seit dem Ende der letzten Eiszeit gebildet. Sie enthalten Pollen, Pflanzenreste und Mikroorganismen und gelten damit als natürliches Archiv der Umweltgeschichte. Auch die Tierwelt der Moore dürfte stark betroffen sein, insbesondere Arten, die auf diese Lebensräume spezialisiert sind. Das genaue Ausmaß der Schäden und die Folgen für die Biodiversität werden sich jedoch erst in den kommenden Jahren abschätzen lassen.
Um Katastrophen wie den Großbrand im Hohen Venn künftig zu verhindern, plädiert Philippe Lejeune, Spezialist für Waldressourcenmanagement an der Gembloux Agro-Bio Tech der Universität Lüttich, für präventive Sperrungen besonders brandgefährdeter Naturgebiete. Diese müssten mit einem Frühwarnsystem kombiniert werden, erklärte er am Montag gegenüber Belga.
Auch eine genauere Kartierung der betroffenen Gebiete sowie die stärkere Berücksichtigung meteorologischer Warnindizes könnten dazu beitragen, Brandrisiken besser vorherzusehen. Gerade die schlechte Erreichbarkeit der betroffenen Flächen stelle eines der größten Probleme für die Feuerwehr dar. Hinzu kämen besonders ungünstige Wetterbedingungen mit hohen Temperaturen, Trockenheit und Wind sowie die Beschaffenheit der Vegetation. Torf sei früher nicht umsonst als Brennstoff genutzt worden, erinnerte der Professor.
Die wallonischen Wälder seien grundsätzlich eher gut gepflegt, betonte Lejeune weiter. Das Bild reiner Fichtenwälder entspreche nicht mehr der heutigen Realität. Zudem sei mit dem Belgian Wildfire Network ein Netzwerk belgischer Experten und Akteure im Bereich Wald- und Vegetationsbrände aktiv. Auch die Feuerwehren rüsteten auf und bildeten sich unter anderem bei ausländischen Kollegen fort. Problematisch werde es jedoch, wenn mehrere Brände gleichzeitig ausbrächen, warnte Lejeune. Dabei denkt er insbesondere an das Kempenland, wo die Vegetation mit ihren leicht entzündlichen Kiefern an jene des französischen Landes erinnert.
Damit ein Feuer entsteht, brauche es zudem einen Auslöser, etwa Brandstiftung oder Unachtsamkeit. Die Lütticher Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. (belga/arco)

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