Belgier und Deutsche feiern am alten Zollhaus in Lindscheid offene Grenzen und gelebte Freundschaft

Anlass war die Erinnerung an einen historischen Wandel in der Grenzregion zwischen Bleialf und Schönberg. Mit dem Inkrafttreten des Europäischen Binnenmarktes am 1. Januar 1993 fielen zunächst die Zollschranken für den Warenverkehr.

Die systematischen Personenkontrollen blieben allerdings noch bestehen. Erst am 26. März 1995 wurden sie im Zuge des Schengener Abkommens abgeschafft. Für die Menschen vor Ort bedeutete dies eine tiefgreifende Veränderung.

Dass Europa in Lindscheid längst gelebter Alltag ist, zeigten Zollhausbesitzer Josch Erik Benzrath und seine belgische Nachbarin Renate Schür. Gemeinsam organisierten sie in Eigenregie ein kleines belgisch-deutsches Fest unter Freunden.

Als passende Kulisse diente das alte Zollhaus, das Benzrath im Jahr 2000 erworben hatte und das auf deutschem Boden steht. Bereits einige Wochen zuvor waren an der ehemaligen Grenzlinie die Nationalflaggen beider Länder gehisst worden. Auch die Nationalhymnen Belgiens und Deutschlands wurden feierlich abgespielt. Im Wind wehende Fahnen, belgisches Bier und deutsche Bockwurst wurden so zu Symbolen einer unkomplizierten, grenzüberschreitenden Verbundenheit.

„Wir wollten zeigen, dass Europa im Kleinen, direkt vor unserer Haustür, am stärksten ist“, sagte Renate Schür sichtlich stolz. Unter den Gästen waren auch ehemalige Zöllner, die mit Anekdoten aus früheren Zeiten für Heiterkeit sorgten. Wo einst kontrolliert wurde, wird heute gemeinsam gelacht und gefeiert.

Das Fest am geschichtsträchtigen Zollhaus machte deutlich: Mehr als 30 Jahre nach dem Fall der Zollschranken sind die einstigen Grenzen im Alltag fast verschwunden. Geblieben ist ein Ort, der an die Vergangenheit erinnert – und zugleich für Frieden, Freundschaft und ein vereintes Europa steht. (red/arco)

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