Die Feuerfront befindet sich nach Angaben der Stadt Monschau nur noch etwa drei Kilometer von der Grenze entfernt. Rund 5.000 Menschen in Kalterherberg und Mützenich sollen sich auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten. Gleichzeitig wird für Teile des Monschauer Stadtgebiets vor einer möglicherweise gesundheitsgefährdenden Rauchbelastung gewarnt.
Auf belgischer Seite waren nach der jüngsten offiziellen Bilanz vom Samstagabend rund 2.700 Hektar vom Feuer betroffen. Damit hat der Brand seit seinem Ausbruch am Freitag ein bislang in Belgien beispielloses Ausmaß erreicht. Die Lage bleibt nach Angaben der wallonischen Behörden besonders komplex. Das schwer zugängliche Gelände macht es den Rettungskräften unmöglich, die Flammen überall aus unmittelbarer Nähe mit den üblichen Mitteln zu bekämpfen.
Die Stadt Monschau beobachtet die Entwicklung intensiv. In der Nacht wurden die Bewohner von Kalterherberg und Mützenich aufgefordert, sich vorsorglich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen. Betroffen sind nach Angaben der Stadt rund 5.000 Menschen. Sie sollen unter anderem Notgepäck bereithalten und auch ihre Nachbarn über die Lage informieren. Eine Evakuierung ist bislang nicht angeordnet worden. Weiter geht die Stadt inzwischen für die Bewohner von Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs. Ihnen wird wegen der erwarteten starken Rauchbelastung empfohlen, ihre Häuser und Wohnungen vorübergehend zu verlassen und möglichst bei Verwandten oder Freunden unterzukommen. Ab dem Vormittag werden erhebliche Rauchbelastungen und Rauchniederschläge erwartet. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen. Die Empfehlung gilt zunächst bis Sonntagabend um 18 Uhr. Die Feuerwehr auf deutscher Seite hat bereits in der Nacht Vorsorgemaßnahmen getroffen. Feldflächen nahe der deutsch-belgischen Grenze wurden bewässert, um bei einer weiteren Annäherung des Feuers Zeit zu gewinnen. Dabei erhielt die Feuerwehr Unterstützung vom Technischen Hilfswerk. Mit einem unmittelbaren Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet rechnet die Einsatzleitung derzeit zwar nicht, die Situation werde aber kontinuierlich neu bewertet.

Auf belgischer Seite mussten am Samstag rund 600 Menschen vorsorglich ihre Häuser verlassen, etwa 500 in der Gemeinde Weismes und rund 100 in der Gemeinde Bütgenbach. Betroffen waren unter anderem Teile von Sourbrodt sowie Küchelscheid und Leykaul. Für die Evakuierten wurde in der Sporthalle von Malmedy ein Aufnahmezentrum eingerichtet. Die meisten Betroffenen fanden bei Familienangehörigen oder Bekannten eine Unterkunft. Rund 40 Menschen verbrachten nach Angaben des Roten Kreuzes die Nacht in der Malmedyer Sporthalle. Dort stehen insgesamt bis zu 600 Betten zur Verfügung. Neben Duschen, sanitären Einrichtungen und Verpflegung wird auch psychologische Unterstützung angeboten. Der Rauch des Großbrandes hatte am Samstagabend zeitweise auch das Zentrum von Malmedy eingehüllt. Die Stadt riet den Einwohnern, Fenster geschlossen zu halten, körperliche Aktivitäten im Freien auszusetzen und unnötige Wege zu vermeiden. Wenn möglich, sollen mechanische Lüftungsanlagen abgeschaltet werden. Bei starker Belastung werden FFP2-Masken empfohlen.
1771 für Fragen zum Vennbrand
Für die Bevölkerung ist inzwischen die Informationsnummer 1771 eingerichtet worden. Dort können sich Betroffene mit allgemeinen Fragen zur Lage und zum Großbrand informieren. Auskünfte werden auf Französisch und Niederländisch erteilt, hieß es. Von Deutsch war nicht die Rede. Die Behörden betonen ausdrücklich, dass die Notrufnummer 112 ausschließlich für dringende und lebensbedrohliche Notfälle freigehalten werden muss.

Die Einsatzkräfte stehen derweil vor einer gewaltigen Aufgabe. Mehr als 15 Hilfeleistungszonen aus verschiedenen Teilen Belgiens waren nach Angaben der Provinz am Samstagabend an den Löscharbeiten beteiligt. Verstärkung kommt aus Deutschland und Luxemburg. Hinzu kommen der Zivilschutz, die Föderalpolizei, die Armee sowie Mitarbeiter der Forstverwaltung DNF. Aus der Luft waren am Samstagabend zwei Hubschrauber der Föderalpolizei und zwei Maschinen aus den Niederlanden im Einsatz. Belgien hatte zuvor den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert, um weitere internationale Unterstützung zu erhalten. Die Brandbekämpfung aus der Luft ist besonders wichtig, weil zahlreiche Bereiche des Venns für schwere Fahrzeuge kaum oder gar nicht erreichbar sind. Auch die belgische Armee ist inzwischen mit vier Panther-Löschfahrzeugen vor Ort. Die Spezialfahrzeuge können große Mengen Wasser transportieren und mit ihren Wasserwerfern über große Entfernungen löschen. Eine ganz wichtige Rolle spielen weiterhin die Landwirte aus der Region. Zahlreiche Bauern sind mit Wasser- und Güllefässern unterwegs und helfen bei der Versorgung der Rettungskräfte mit Löschwasser. Teilweise werden auch Straßenränder und angrenzende Flächen nass gehalten, um ein Überspringen der Flammen zu erschweren. Die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung wird zunehmend koordiniert. Die Gemeinde Baelen sammelt Angebote von Landwirten, Unternehmern und Privatpersonen und stellt die angebotenen Mittel je nach Bedarf den Einsatzdiensten zur Verfügung.
Hilfsangebot aus Flandern
Auch auf politischer Ebene gibt es weitere Unterstützungsangebote. Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) hat DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG) über die Plattform X mitgeteilt, dass Flandern bereitstehe, bei Bedarf weitere Hilfe zur Bekämpfung des Großbrandes zu leisten. Diependaele würdigte zugleich den Einsatz der Rettungsdienste und der zahlreichen freiwilligen Helfer. König Philippe informierte sich am Samstagabend ebenfalls über die Entwicklung der Lage. Er nahm Kontakt mit der geschäftsführenden Gouverneurin der Provinz Lüttich auf und dankte den Rettungsdiensten und allen Menschen, die an der Bekämpfung des Feuers beteiligt sind. Ausdrücklich würdigte er den Einsatz der Armee, der Landwirte aus der Region und der zur Unterstützung angerückten deutschen Feuerwehrleute.
Auch für Kinder und Jugendliche hat der Großbrand Folgen. Ein Ferienlager von Kazou bei Ovifat mit 53 Kindern im Alter von neun und zehn Jahren wird am Sonntag vorzeitig beendet. Die Gruppe war bereits am Samstag vorsorglich nach Wanne bei Trois-Ponts gebracht worden. Da eine Rückkehr nach Ovifat in den kommenden Tagen ausgeschlossen ist, wurde das ursprünglich bis zum 21. August geplante Lager abgebrochen. Wie sich der Brand am Sonntag entwickelt, hängt erneut wesentlich vom Wind ab. (belga/sc/dpa)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren