Jeder vierte Autofahrer drängelt: Zu geringer Abstand führt jährlich zu 230 Unfällen in der Wallonie

<p>Zu dicht aufgefahren: Mehr als jeder vierte Autofahrer in der Wallonie gibt an, gelegentlich zu drängeln.</p>
Zu dicht aufgefahren: Mehr als jeder vierte Autofahrer in der Wallonie gibt an, gelegentlich zu drängeln. | Foto: picture alliance/dpa

Gerade während der Ferienzeit mit viel Verkehr auf den Autobahnen kann fehlender Abstand schnell gefährlich werden. Nach Angaben der AWSR räumen 27 Prozent der wallonischen Autofahrer ein, mitunter bewusst dicht auf das vorausfahrende Fahrzeug aufzufahren, um dessen Fahrer zum Beschleunigen oder zum Wechsel auf die rechte Spur zu bewegen.

Besonders problematisch ist dieses Verhalten auf Autobahnen. Dort kommen Unfälle aufgrund eines zu geringen Sicherheitsabstands laut AWSR fünfmal häufiger vor als auf anderen Straßen.

Insgesamt handelt es sich bei fast jedem fünften Unfall mit Toten oder Verletzten in der Wallonie um einen Auffahrunfall oder eine Kollision, an der mindestens drei Verkehrsteilnehmer beteiligt sind. Häufig spielen dabei mehrere Faktoren zusammen – neben einem zu geringen Abstand etwa Ablenkung, Müdigkeit oder überhöhte Geschwindigkeit.

Bei mindestens 14 Prozent dieser Auffahr- und Kettenunfälle gilt ein unzureichender Sicherheitsabstand ausdrücklich als Ursache. Das entspricht rund 230 Unfällen pro Jahr.

Zwei Sekunden als Faustregel

Eine konkrete Distanz zwischen zwei Autos schreibt die belgische Straßenverkehrsordnung bislang nicht vor. Fahrer müssen ihren Abstand jedoch ihrer Geschwindigkeit anpassen und so groß wählen, dass sie vor einem vorhersehbaren Hindernis rechtzeitig anhalten können. Für Lastwagen gelten außerhalb geschlossener Ortschaften strengere Vorgaben: Zwischen ihnen müssen mindestens 50 Meter liegen.

Grafik: AWSR

Für Autofahrer empfiehlt die AWSR die sogenannte Zwei-Sekunden-Regel. Zwischen dem eigenen Fahrzeug und dem Vordermann sollten mindestens zwei Sekunden liegen. Bei Tempo 120 entspricht das einer Entfernung von rund 70 Metern.

Ab Juni 2027 soll diese Zwei-Sekunden-Regel mit dem neuen belgischen Straßenverkehrsgesetz ausdrücklich für Straßen vorgeschrieben werden, auf denen mehr als 50 km/h erlaubt sind.

Ob der Abstand stimmt, lässt sich unterwegs relativ einfach überprüfen. Dafür empfiehlt die AWSR die „Zwei-Krokodile-Regel“: Sobald der Vordermann beispielsweise an einem Verkehrsschild, einer Brücke oder einem Laternenmast vorbeifährt, zählt man „ein Krokodil, zwei Krokodile“. Erreicht man denselben Punkt schon vor dem zweiten Krokodil, ist der Abstand zu klein.

Bei Regen noch mehr Abstand

Bei schlechten Straßenverhältnissen sollte der Sicherheitsabstand weiter vergrößert werden. Auf nasser Fahrbahn empfiehlt die AWSR mindestens drei Sekunden, bei Schnee oder Glätte vier Sekunden.

Besondere Vorsicht ist zudem rund um Lastwagen geboten. Aufgrund ihres Gewichts und ihrer Größe können sie bei einem plötzlichen Hindernis schlechter ausweichen oder abbremsen. Bei fast jedem zehnten Unfall mit einem Lkw spielt ein zu geringer Sicherheitsabstand eine Rolle – dreimal häufiger als bei Unfällen, an denen ausschließlich Pkw beteiligt sind.

Die AWSR rät deshalb unter anderem davon ab, nach einem Überholmanöver zu früh wieder einzuscheren oder einem Lastwagen beim Verlassen der Autobahn knapp vor die Front zu fahren. Auch der Abstand, den ein Lkw selbst zum vorausfahrenden Fahrzeug hält, sollte nicht als Lücke zum Einscheren betrachtet werden. (calü)

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