Jahrhunderte später richtete Galileo Galilei (1564–1642) sein Fernrohr zum Himmel und zeigte, dass unser Planet keineswegs der Mittelpunkt des Universums ist. Seine Beobachtungen lieferten entscheidende Hinweise darauf, dass sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht alles um die Erde dreht. Das veränderte das Selbstverständnis der Menschheit grundlegend. Plötzlich war die Erde nicht mehr das Zentrum der Schöpfung, sondern nur noch ein Planet unter vielen. Jede große astronomische Entdeckung relativierte die Stellung des Menschen und machte das Universum zugleich größer und geheimnisvoller.
Die Suche nach außerirdischem Leben ist deshalb weit mehr als ein wissenschaftliches Spezialgebiet. Sie berührt eine der grundlegendsten Fragen unserer Existenz. Denn sollte irgendwo dort draußen Leben existieren, würde das unser Bild von uns selbst verändern. Nun gibt es wieder einen Grund, den Blick nach oben zu richten: Auf dem 49 Lichtjahre entfernten Exoplaneten LHS 1140 b haben Astronomen starke Hinweise auf eine Atmosphäre gefunden. Zum ersten Mal scheinen damit drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt zu sein, die nach unserem heutigen Wissen Leben ermöglichen könnten: ein felsiger Planet, die richtige Entfernung zu seinem Stern und eine solche schützende Gashülle.
Das klingt nicht nur spektakulär, sondern ist es auch. Gleichzeitig wäre es ein Fehler, daraus vorschnell mehr zu machen. Gefunden wurde kein außerirdisches Leben. Nicht einmal Wasser. Lediglich Helium in den oberen Atmosphärenschichten. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass der Planet überhaupt über eine Atmosphäre verfügt. Zwischen dieser Entdeckung und dem Nachweis von Leben liegen vermutlich noch Jahre oder Jahrzehnte intensiver Forschung. Doch diese wissenschaftliche Nüchternheit macht den Fund so bedeutsam. Wissenschaft lebt nicht von Sensationen, sondern von überprüfbaren Schritten. Vor gut 30 Jahren wurde der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Heute untersuchen Astronomen bereits die Atmosphäre fremder Welten. Das ist ein Fortschritt, der vor wenigen Jahrzehnten noch wie Science-Fiction geklungen hätte.
Dieses Genre hat unsere Fantasie über Generationen geprägt. Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ träumte von einem friedlichen Kontakt mit Außerirdischen. In „E.T.“ wurde ein Fremder zum Freund. Andere Filme malten düstere Invasionen aus. Besonders optimistisch blickte die Serie „Star Trek“ („Raumschiff Enterprise“) in die Zukunft. Dort entwickelt der Wissenschaftler Zefram Cochrane im Jahr 2063 den Warpantrieb und löst damit den „First Contact“ zwischen der Menschheit und den Vulkaniern aus. Ob es jemals zu einem Erstkontakt kommt, weiß niemand. Vielleicht bleibt er Fiktion, vielleicht entdecken wir eines Tages zumindest Spuren einfachen Lebens auf einem fernen Planeten. Den Wert der aktuellen Entdeckung schmälert das allerdings nicht. Möglicherweise ist diese nur ein weiterer kleiner Schritt auf einer Reise in Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

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