American Dream vom WM-Finale: XXL-Halbzeitshow und protzige Ringe

<p>Unter anderem Shakira (Bild), Madonna und Justin Bieber sind Teil der Halbzeitshow des WM-Finales am Sonntag in Rutherford.</p>
Unter anderem Shakira (Bild), Madonna und Justin Bieber sind Teil der Halbzeitshow des WM-Finales am Sonntag in Rutherford. | Foto: dpa

Madonna, Shakira, Justin Bieber – bei der ersten Halbzeitshow in der Geschichte von Fußball-Weltmeisterschaften kann die FIFA ihre Begeisterung für die ganz großen Namen und ihren Hang zum Gigantismus kaum im Zaum halten. Für das hochkarätige Line-up dehnt der Weltverband die bisherige Halbzeitpause im Stile einer Super-Bowl-Show aus. Und natürlich übergibt US-Präsident Donald Trump den goldenen Pokal, während die neuen Weltmeister Championship-Ringe erhalten und damit zu Spielfiguren der Amerikanisierung des WM-Finals werden.

Mehr als das Spiel zweier Nationen um die Fußball-Weltmeisterschaft geht eigentlich nicht. Das weiß auch die FIFA, die das Duell am Sonntag zwischen Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien (21.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) als den „Höhepunkt der größten Show der Welt“ bezeichnet. Und doch setzt die nominell gemeinnützige Organisation aus der Schweiz noch einen drauf. Schließlich erwartet FIFA-Boss Gianni Infantino in East Rutherford den Besuch von „Freund“ Trump, dem es vor den Toren seiner Geburtsstadt warm ums US-Herz werden soll.

Das Kräftemessen auf dem Rasen im MetLife Stadium ist zwar der sportliche „Höhepunkt“, aber erst garniert mit einer XXL-Halbzeitshow das „Allergrößte“, wie FIFA-Boss Gianni Infantino schwärmt. Dafür hat die FIFA, einst gegründet, um Fußballturniere zu veranstalten, keine Kosten und Mühen gescheut. Bei den Fans, die teilweise fünfstellige Preise für ihre Tickets bezahlt haben, soll kein Wunsch offen bleiben.

Sänger Chris Martin, der mit seiner Band Coldplay zu den erfolgreichsten Tournee-Musikern des Jahrtausends gehört, wurde als Kurator für die XXL-Halbzeitshow installiert. In der bis zu 30 Minuten währenden Pause werden den über 80.000 Fans für offiziell nur elf Minuten die A-Riege geboten: der kanadische Popstar Bieber, Pop-Ikone Madonna, WM-Dauerbrennerin Shakira, Violinist Gustavo Dudamel und die K-Pop-Band BTS.

Das Angebot stößt besonders bei einer kaufkräftigen Zielgruppe auf Zuspruch. „New-York-Urlaub und Justin-Bieber-Konzert sind endlich eingetütet“, schrieb die deutsche Influencerin Laura Schmitt, nachdem sich ihr Freund Dani Olmo mit Spanien im Halbfinale durchgesetzt hatte. Der Spielmacher wird in der Umkleide kaum etwas von der Show mitbekommen, er muss sich ausgerechnet beim wichtigsten Spiel in der Karriere eines Fußballers auf „physiologische“ Veränderungen einstellen.

„Die Halbzeitdauer von 15 Minuten hat sich nicht zufällig etabliert. Sie stellt einen guten Kompromiss zwischen einer kurzen Erholung und dem Erhalt der körperlichen Leistungsbereitschaft dar“, sagt der Kölner Sportmediziner Hans-Georg Predel im Interview mit dem SID. Eine Verlängerung auf 25 oder 30 Minuten sei „nicht unproblematisch“, betont Predel.

„Idealerweise“ mit einem „Reaktivierungsprogramm“ vor dem Wiederbeginn müssten Olmos Spanier und Lionel Messis Argentinier dann wieder in die Spur gebracht werden. Als zusätzliche Motivationsspritze könnten auch die glitzernden Championship-Ringe Anschubhilfe leisten, die die FIFA, genauso wie Trink- bzw. Werbepausen, als Novum beim Turnier eingeführt hat. Olmo hätte gegen die neuen Klunker im Stile von NBA-Meisterringen vermutlich nichts einzuwenden. Der Ex-Leipziger bejubelt seine Tore mit einer Hommage an den US-Basketballstar Damian Lillard, indem er auf eine imaginäre Uhr an seinem Handgelenk zeigt – „Dame Time“. Die Jubelgeste zur Feier eines geworfenen Dreiers gefalle ihm so sehr, dass er sie „für den Fußball übernommen“ habe, erklärte er einmal. Ein Finaltreffer Olmos samt seines Showtime-Jubels wäre somit auch ein stiller Sieg des US-Sport beim sonst pompösen WM-Finale. (sid/kupo)

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