Sören Waerenskjold stützte sich ausgelaugt, aber glücklich auf dem Rad ab, während seine Teamkollegen jubelnd über ihn herfielen. Danach begann für den neuen norwegischen Sprinter-Helden und die anderen starken Männer ein rauschender Abend. Erst tanzend im Bus, später singend beim Abendessen feierte das Team Uno-X Mobility den zweiten Tour-Etappensieg seiner Historie. Nach dem WM-Aus der Fußballer in den USA geht der norwegische Partysommer nun einfach in Frankreich weiter.

„Es ist unglaublich. Ein weiterer Etappensieg auf der 11. Etappe für das Team“, sagte Waerenskjolds Teamkollege Anders Johannessen. Denn tatsächlich hatte Uno-X auch im Vorjahr am elften Renntag erstmals jubeln dürfen. Damals setzte sich Jonas Abrahamsen als Ausreißer durch, am Mittwoch dann war der 1,95-Meter-Hüne Waerenskjold in einem wilden Massensprint nicht zu halten.
Es war nicht das erste Ausrufezeichen, das Uno-X bei der laufenden Frankreich-Rundfahrt setzte. Und das obwohl das Team erst in diesem Jahr zum (erstklassigen) World-Tour-Team aufgestiegen ist. Schon in der ersten Tour-Woche hatte ein Mann aus dem hohen Norden ein kleines - letztlich tragisches - Radsport-Märchen geschrieben. Torstein Träen, der 2022 den Hodenkrebs besiegt hatte, fuhr zwei Tage im Gelben Trikot des Gesamtführenden - ehe er das Rennen nach einem Sturz wegen einer Gehirnerschütterung und mehrerer Rippenbrüche aufgeben musste.
Der blendenden Stimmung im Rennstall von Teamchef und Ex-Weltmeister Thor Hushovd tat das nur kurz Abbruch. Am Tag an dem die Fußballer, die diesen magischen norwegischen Sportsommer ins Laufen gebracht hatten, ihr WM-Viertelfinalspiel gegen England (1:2 n. V) bestritten, da wurde bei der morgendlichen Teampräsentation - natürlich - gerudert. Im Stile der „Wikinger“-Fans in den USA. Große Stimmung, größere Erfolge - und das trotz vergleichsweise überschaubarer Mittel: Eine Komposition, die auch Ralph Denk imponiert. Der Mann, der in seinem eigenen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe offensichtlich mehr interne Unstimmigkeiten moderieren muss als seine norwegischen Kollegen, spricht von einem „wirklich coolen Projekt“.
„Ich freue mich sehr für die Jungs“, sagte der Red Bull–Teammanager im mannschaftseigenen Podcast: „Das sind echte Naturburschen – und genauso treten sie auch auf.“
Der Rennstall, der als Projekt eines norwegischen Mineralölkonzern finanziell inzwischen zum Mittelfeld der Tour-Teams aufgeschlossen hat, setzt dabei seit Jahren konsequent auf die Förderung skandinavischer Talente. Im 2026er-Aufgebot des Teams stammen alle 30 Fahrer aus Norwegen oder Dänemark. Was mindestens ein Mitgrund für die mannschaftliche Geschlossenheit in Frankreich sein dürfte. Mit großem Selbstvertrauen und ihrem feinen Sinn für Humor lassen sich die Skandinavier dieser Tage auch von erschwerten Bedingungen nicht aus der Ruhe bringen - wie etwa Tobias und Anders Johannessen Anfang der Woche bewiesen. Als die beiden Brüder im von der UCI zugeteilten Hotelzimmer im Zentralmassiv Spinnweben und andere eklatante Hygiene-Mängel vorfanden, wechselten die beiden „Naturburschen“ kurzerhand ihren Schlafplatz. Und nächtigten auf dem Balkon. (sid/kupo)

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