„Es gibt inzwischen täuschend echt nachgemachte Webseiten und zahlreiche Methoden, mit denen Menschen online betrogen werden“, erklärte Beenders. Anlass zur Kritik gebe auch ein jüngstes Gerichtsurteil, das gezeigt habe, dass manche Banken weiterhin davon ausgingen, Phishing-Opfer seien selbst schuld an ihrem Schaden.
Nach Auffassung des Ministers müssten Banken Kunden deutlich stärker unterstützen. „Jedes Opfer verdient eine gründliche Untersuchung, nachdem das verlorene Geld zurückerstattet wurde. Genau das geschieht heute aber oft nicht“, sagte Beenders. Die bestehenden Verbraucherschutzregeln müssten konsequent angewendet werden.
Der Minister arbeitet derzeit an einer Gesetzesänderung, die Phishing-Opfer besser absichern und verhindern soll, dass sie im Streitfall allein gegen ihre Bank vorgehen müssen. Ferner will Beenders das Thema auch auf europäischer Ebene vorantreiben. „Diese Form der Kriminalität kennt keine Grenzen. Deshalb brauchen wir eine stärker harmonisierte Vorgehensweise in Europa.“
Kritisch äußerte sich der Minister zudem über die Zusammenarbeit vieler Banken mit Polizei und Justiz. Zwar lobte er die neue Polizei-App, die derzeit von den Polizeizonen und der Staatsanwaltschaft getestet wird und die Rückverfolgung gestohlener Gelder beschleunigen soll (siehe Hintergrund weiter unten). Gleichzeitig bemängelte er jedoch, dass Banken auf Anfragen der Ermittlungsbehörden oft nicht schnell genug reagierten.
„Zu häufig betrachten Banken betrogene Kunden nicht als Opfer“, sagte Beenders. Viele Geldinstitute würden sich schlicht weigern, entstandene Schäden zu ersetzen. Deshalb landeten immer mehr Fälle vor Gericht. Die geplante Gesetzesänderung solle klarstellen, welche Verantwortung Banken tragen und ihnen weniger Spielraum für eigene Auslegungen lassen.
Besondere Sorgen bereitet dem Föderalminister die Situation älterer Menschen. Statistiken zeigen, dass Personen über 55 Jahre die größte Opfergruppe bei Phishing-Betrügereien darstellen. Beenders fordert deshalb, dass Banken neben digitalen Angeboten wieder stärker auf persönliche Betreuung setzen.
„Es wird immer schwieriger, überhaupt noch eine Bankfiliale aufzusuchen. Gleichzeitig werden Kunden zu immer mehr digitalen Abläufen gezwungen“, erklärte er. Kriminelle nutzten diese Entwicklung gezielt aus. Banken müssten deshalb verdächtige Überweisungen schneller erkennen und blockieren sowie ihre Kunden besser begleiten.
Ab Juli soll zudem eine zentrale Telefonnummer eingerichtet werden, über die Phishing-Opfer Vorfälle unmittelbar melden können. Dadurch sollen Anzeigen schneller aufgenommen und Banken rascher informiert werden. „Die Kunden müssen schnell entschädigt werden, während die Untersuchung anschließend weiterläuft. Heute geschieht oft das Gegenteil“, kritisierte der Minister.
Neben besseren Entschädigungsregeln setzt Beenders auch auf mehr Prävention. Ziel sei es, dass Betrugsversuche früher gemeldet und Warnsignale schneller erkannt werden. „So bauen wir Schritt für Schritt einen stärkeren Schutzschild gegen Online-Betrug auf“, betonte der Minister.
Hintergrund: Was ist „Phishline“?
Phishline ist eine digitale Anwendung, die Polizeidienste bei der Bearbeitung von Phishing-Fällen unterstützt. Die App automatisiert zahlreiche Arbeitsschritte nach einer Anzeige wegen Online-Betrugs und sorgt dafür, dass Staatsanwaltschaft und Banken sofort alle relevanten Informationen erhalten.
Dadurch können verdächtige Überweisungen schneller gestoppt, Konten von Betrügern oder sogenannten „Geldeseln“ gesperrt und wichtige Beweismittel gesichert werden. Ziel ist es, die Chancen zu erhöhen, gestohlene Gelder zurückzuholen und Täter zu identifizieren.
Die Anwendung wird derzeit in mehreren Polizeizonen in Flandern getestet, darunter auch vier Polizeizonen in Limburg. Nach Angaben der Polizei fehlt bislang allerdings noch eine direkte Rückmeldung der Banken innerhalb des Systems.
Phishing bezeichnet Betrugsversuche, bei denen Kriminelle per E-Mail, SMS, Telefon oder über gefälschte Internetseiten an persönliche Daten oder Bankzugänge gelangen wollen. Oft geben sie sich dabei als Bank, Behörde oder bekanntes Unternehmen aus. (belga/calü)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren