Ryanair-Chef O’Leary erhöht Druck auf die Föderalregierung

<p>Ryanair-Chef Michael O’Leary kritisiert die belgische Flugticketsteuer.</p>
Ryanair-Chef Michael O’Leary kritisiert die belgische Flugticketsteuer. | Foto: belga

Bei einem Pressebesuch am Unternehmenssitz in Dublin erklärte Ryanair-Chef Michael O’Leary, dass die Gesellschaft ab dem kommenden Winter fünf ihrer derzeit 19 in Charleroi stationierten Flugzeuge abziehen werde. Die Folgen wären erheblich: Insgesamt 20 Flugverbindungen würden gestrichen – 15 ab Charleroi und fünf ab Zaventem. Nach Angaben der Airline entspräche dies einem Rückgang von rund zwei Millionen Passagieren pro Jahr.

Hintergrund ist die Entscheidung der Föderalregierung, die bestehende Flugticketsteuer für Flüge über 500 Kilometer ab 2026 von fünf auf zehn Euro zu verdoppeln. Der föderale Finanzminister Jan Jambon (N-VA) hatte diese Woche bekräftigt, an diesem Vorhaben festhalten zu wollen.

Ryanair sieht darin einen Wettbewerbsnachteil für belgische Flughäfen. Die geplanten Kürzungen würden laut O’Leary zudem rund 150 Arbeitsplätze betreffen. Piloten und Kabinenpersonal sollen allerdings die Möglichkeit erhalten, an andere Ryanair-Standorte zu wechseln.

Trotz der scharfen Kritik betonte O’Leary, dass Ryanair grundsätzlich weiter in Belgien wachsen wolle. Die Fluggesellschaft plant, ihre Passagierzahl europaweit von derzeit rund 208 Millionen auf 300 Millionen Reisende pro Jahr zu steigern. Ein Teil dieses Wachstums könnte nach Ansicht des Unternehmens auch auf Belgien entfallen. „Wir möchten in Charleroi und Zaventem expandieren“, sagte O’Leary. Voraussetzung sei jedoch die Abschaffung der Flugticketsteuer sowie eine Senkung der Flughafengebühren.

Nach Vorstellungen der Airline könnte die Zahl der Ryanair-Passagiere in Belgien bis 2030 um fast 50 Prozent auf 16 Millionen steigen. In diesem Fall würde die Gesellschaft sogar ihre frühere Basis am Landesflughafen in Zaventem, auch Brussels Airport genannt, wieder eröffnen und prüfe langfristig auch Verbindungen von und nach Lüttich.

Allerdings knüpft Ryanair dieses Wachstumsszenario an mehrere Bedingungen. Neben der Abschaffung der Ticketsteuer fordert die Fluggesellschaft unter anderem eine Lockerung der Vorschriften für Nachtflüge in Brüssel.

Eine vollständige Schließung der Basis in Charleroi steht nach Angaben des Unternehmens derzeit nicht zur Debatte. „Wir werden Charleroi nicht schließen“, versicherte O’Leary. Der Regionalflughafen sei eine der wichtigsten Basen des Konzerns und das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen. Langfristig sei jedoch eine deutliche Verkleinerung des Standorts denkbar.

Neben der belgischen Steuerpolitik beschäftigt Ryanair derzeit auch die Entwicklung der Treibstoffpreise. Der Krieg im Nahen Osten habe die Preise für Kerosin deutlich steigen lassen. Für die laufende Saison sieht sich die Airline durch langfristige Absicherungen noch gut geschützt. Für die Zeit danach beobachte man die Entwicklung jedoch mit Sorge.

Für Reisende gibt es zumindest kurzfristig eine gute Nachricht: Trotz steigender Kosten rechnet O’Leary in diesem Sommer nicht mit höheren Ticketpreisen. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit vieler Verbraucher müsse man die Nachfrage eher mit attraktiven Preisen stützen.

Der Ryanair-Chef zeigte sich zudem überzeugt, dass sich der europäische Luftverkehrsmarkt in den kommenden Jahren weiter konzentrieren wird. Seiner Einschätzung nach werden in fünf Jahren nur noch vier große Airline-Gruppen den Markt dominieren: Ryanair, die Lufthansa-Gruppe mit Brussels Airlines, Air France-KLM sowie die IAG-Gruppe mit British Airways und Iberia. (belga/calü)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment