Energiehilfe verpufft: Kaum Unternehmen zahlen höhere Kilometerpauschale

<p>Die angekündigte Erhöhung der Kilometerpauschale für Pendler stößt bei den Unternehmen bislang auf wenig Interesse.</p>
Die angekündigte Erhöhung der Kilometerpauschale für Pendler stößt bei den Unternehmen bislang auf wenig Interesse. | Foto: belga

Ende April hatte die Regierung De Wever ein Energiepaket im Umfang von 80 Millionen Euro beschlossen. Der größte Teil davon – rund 60 Millionen Euro – war für eine vorübergehende Erhöhung der Kilometerpauschale vorgesehen. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, Beschäftigten, die mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren und keine Tankkarte besitzen, bis zu zehn Cent pro Kilometer zusätzlich zu zahlen. Über eine Steuergutschrift sollten die Arbeitgeber einen Großteil der Kosten zurückerhalten.

Doch die Maßnahme wird bislang kaum genutzt. Nach Angaben mehrerer Personal- und Lohnverwaltungsdienstleister interessieren sich nur wenige Unternehmen für die Einführung der erhöhten Kilometerentschädigung.

„Lediglich vier Prozent unserer Kunden haben uns kontaktiert, weil sie die erhöhte Kilometerpauschale einführen möchten“, erklärte Barbara Verougstraete vom HR-Dienstleister Attentia. Ähnliche Zahlen melden auch die HR-Dienstleister SD Worx und Liantis.

Die Regelung wurde erst Anfang dieser Woche offiziell im Belgischen Staatsblatt (Moniteur Belge) veröffentlicht. Unternehmen können die zusätzlichen Ausgaben für die Monate Mai, Juni und Juli noch bis Ende Oktober beim Staat geltend machen. Eine rückwirkende Auszahlung an die Beschäftigten wäre somit grundsätzlich möglich.

Ob es dazu kommt, bleibt jedoch fraglich. Die Einführung der höheren Kilometerpauschale ist freiwillig und setzt Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern voraus. Genau daran scheitert die Umsetzung laut Gewerkschaften häufig.

Bislang hat lediglich die belgische Steinbruch- und Kiesbranche die Erhöhung auf Sektorebene beschlossen. Betroffen sind dort rund 4.000 Arbeitnehmer. In zahlreichen anderen Branchen – darunter Banken, Metallindustrie, Bauwesen und die Paritätische Kommission 200 , der größte Tarifbereich Belgiens mit mehr als 400.000 Beschäftigten – lehnten die Arbeitgeber entsprechende Forderungen bislang ab.

Auch die Arbeitgeberverbände zeigen sich zurückhaltend. Sie kritisieren den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, bemängeln eine unvollständige Kostenerstattung und befürchten Schwierigkeiten, die zeitlich begrenzte Erhöhung später wieder zurückzunehmen.

Bei den Gewerkschaften sorgt die Entwicklung für wenig Überraschung. „Die Regierung hat auf den guten Willen der Arbeitgeber gesetzt“, kritisiert Bert Engelaar, Vorsitzender des sozialistischen Gewerkschaftsbundes ABVV gegenüber dem flämischen Blatt. Viele Arbeitnehmer hätten den Eindruck erhalten, die angekündigte Unterstützung werde automatisch auf ihrem Lohnzettel erscheinen. „In Wirklichkeit wurde die Verantwortung an die Unternehmen weitergereicht.“

Auch innerhalb der Regierung scheint bislang niemand genau zu wissen, wie viele Arbeitgeber die Maßnahme tatsächlich anwenden. Auf Anfrage von „Het Laatste Nieuws“ erklärte das Kabinett von Finanzminister Jan Jambon (N-VA), der Staat habe lediglich den rechtlichen Rahmen geschaffen. Welche Unternehmen davon Gebrauch machen, werde nicht erfasst. (belga/calü)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment