Nach Angaben der Forscher eröffnet das Gerät völlig neue Möglichkeiten bei der Diagnose und Erforschung von Krankheiten wie Parkinson, ALS und Demenz. Auch psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie könnten künftig besser untersucht werden.
Der entscheidende Fortschritt liegt in der Bildqualität: Die Auflösung des NeuroExplorer ist bis zu 20-mal höher als jene herkömmlicher PET-Scanner. Dadurch können Mediziner erstmals Hirnprozesse bei lebenden Patienten beobachten, die bislang nur nach dem Tod untersucht werden konnten. Mithilfe leicht radioaktiver Tracer werden biologische Abläufe und chemische Veränderungen im Gehirn sichtbar gemacht.
„Der Unterschied ist vergleichbar mit dem Moment, in dem ein kurzsichtiger Mensch zum ersten Mal eine Brille aufsetzt“, erklärt Professor Koen Van Laere, Leiter der Nuklearmedizin und Vorsitzender des Bereichs Bildgebung und Pathologie an der Löwener Uniklinik. „Wir erkennen nun Veränderungen in winzigen Hirnkernen und im Hirnstamm – Bereiche, die mit anderen bildgebenden Verfahren bislang nicht zugänglich waren.“
Die Wissenschaftler erhoffen sich von der neuen Technologie vor allem Fortschritte bei der Suche nach Biomarkern, also biologischen Merkmalen, die Krankheiten bereits in einem sehr frühen Stadium anzeigen. Dadurch könnten neue Medikamente und Therapien schneller entwickelt und gezielter getestet werden.
Besonders interessant ist der Scanner für die Erforschung von Parkinson und Demenz. Die Forscher können nun erstmals sehr frühe Veränderungen in den betroffenen Hirnregionen und deren Verbindungen detailliert verfolgen. Auch bei der Nervenkrankheit ALS eröffnet das Gerät neue Perspektiven. Neben kleinen Hirnstrukturen lässt sich nun auch die Schädigung des Rückenmarks direkt untersuchen.
Darüber hinaus ermöglicht der „NeuroExplorer“ einen genaueren Blick auf jene Gehirnareale, die für Motivation, Stimmung, Schlaf oder Informationsverarbeitung verantwortlich sind. Gerade in der Psychiatrie könnte dies neue Erkenntnisse liefern. So sollen etwa die neurologischen Grundlagen von Schizophrenie besser verstanden werden.
In den vergangenen Monaten wurde der Scanner bereits im Rahmen einer klinischen Vergleichsstudie getestet. Daran nahmen Patienten mit Demenz, Bewegungsstörungen, Hypophysentumoren, Kopf-Hals-Krebs und Gefäßentzündungen teil. Die ersten Ergebnisse seien laut der Uniklinik Löwen vielversprechend und zeigten einen zusätzlichen diagnostischen Nutzen – auch für neurochirurgische Eingriffe.
Die Forscher wollen die hohe Bildauflösung zudem nutzen, um besser zu verstehen, welche Veränderungen im Gehirn noch als normal gelten und ab wann sie auf eine Erkrankung hindeuten. Dazu werden auch große Gruppen gesunder Freiwilliger unterschiedlichen Alters untersucht.
Entwickelt wurde der „NeuroExplorer“ vom Unternehmen United Imaging Healthcare. Zwar wird das Gerät bereits von mehr als 30 Forschungszentren weltweit für wissenschaftliche Projekte genutzt, doch das Universitätsklinikum Löwen ist die erste Einrichtung, die den Scanner nun auch im klinischen Alltag einsetzt. (belga/calü)

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