Hoffmann kritisiert, dass die schulischen Leistungen im heutigen System zu stark gewichtet würden, während die tägliche Arbeit im Betrieb bei der Bewertung kaum berücksichtigt werde. Der Ausbildungsminister verteidigt dagegen das bestehende System und verweist auf die Notwendigkeit einheitlicher und vergleichbarer Bewertungsmaßstäbe für alle Lehrlinge.
In seiner parlamentarischen Anfrage bezeichnet Marco Hoffmann das aktuelle Verhältnis zwischen Schule und Betrieb als unausgewogen. Zwar finde der größte Teil der Ausbildung im Betrieb statt, bewertet würden jedoch vor allem schulische Leistungen. „Die Zeit in der Schule macht oft nur rund 10 bis 15 Prozent der gesamten Ausbildungszeit aus. Der Rest findet im Betrieb statt, wird aber in der Bewertung kaum berücksichtigt“, so der Vivant-Abgeordnete. Aus seiner Sicht fließe die tägliche Leistung der Lehrlinge im Betrieb zu wenig in die Gesamtbewertung ein. Zudem verweist der Vivant-Abgeordnete auf Lehrlinge, die im Betrieb gute Leistungen erbringen, aber Schwierigkeiten im Unterricht haben. „Diese jungen Leute haben heute ein echtes Problem. Sie scheitern am Ende nicht an ihrem Beruf, sondern an der schulischen Bewertung“, argumentiert er. Vor diesem Hintergrund stellte er dem Minister Fragen zur Gewichtung von Theorie und Praxis, zur Rolle der Betriebe bei der Bewertung, zu den Erfolgs- und Abbruchquoten sowie zu möglichen Reformen des bestehenden Systems. DG-Minister Jérôme Franssen weist die Kritik an der Gewichtung von Theorie und Praxis zurück: Die duale Ausbildung beruhe bewusst auf zwei Lernorten, die unterschiedliche Aufgaben erfüllten. „Beide Lernorte erfüllen unterschiedliche, aber komplementäre Funktionen und das Verhältnis ist daher nicht als Gegeneinander zu verstehen“, erklärt er.
Die Bewertung erfolge nach einheitlichen Kriterien, damit alle Lehrlinge unabhängig von ihrem Ausbildungsbetrieb nach denselben Maßstäben beurteilt würden. Zugleich betont Jérôme Franssen, dass die praktische Leistung keineswegs ausgeblendet werde. Sie fließe insbesondere über die Abschlussprüfung C ein, an der neben Fachlehrern auch externe Fachpersonen beteiligt seien. Ziel des Systems sei es, „sowohl einheitliche Bewertungsmaßstäbe als auch eine angemessene Berücksichtigung der berufspraktischen Kompetenz zu gewährleisten“. Praktische Fähigkeiten fließen laut Minister erst am Ende der Ausbildung ausdrücklich in die Abschlussnote ein. Während der Lehrjahre basiert die Bewertung ausschließlich auf Allgemeinkenntnissen und fachtheoretischen Kenntnissen. In der Abschlussbewertung machen die praktischen beruflichen Fähigkeiten 40 Prozent der Gesamtnote aus, die übrigen 60 Prozent entfallen auf allgemeine und fachtheoretische Kenntnisse. Eine direkte Benotung durch die Ausbildungsbetriebe lehnt der Minister ab, da die Ausbildungsbedingungen von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich seien. Über das Bestehen einer Ausbildung entscheiden der Klassenrat des ZAWM für die schulischen Teile und eine Prüfungskommission für die praktischen Fähigkeiten. Für einen erfolgreichen Abschluss müssen beide Bereiche bestanden werden. Ausbildungsminister Jérôme Franssen weist darauf hin, dass keine Statistik darüber geführt wird, wie viele Lehrlinge die praktische Prüfung bestehen, aber an den schulischen Teilen scheitern. Die Erfolgsquoten liegen in den verschiedenen Bewertungsbereichen meist zwischen 80 und 95 Prozent. Bei den praktischen Abschlussprüfungen sank die Bestehensquote allerdings von knapp 90 Prozent im Schuljahr 2021/2022 auf 74,5 Prozent im Schuljahr 2024/2025. Gleichzeitig ging die Abbruchquote von 14,6 auf 7,7 Prozent zurück. Betriebe könnten bei Unstimmigkeiten den Austausch mit ZAWM, Lehrlingssekretär und IAWM suchen. Eine grundlegende Reform des Bewertungssystems sei derzeit nicht geplant. „Rückmeldungen, die eine systematische Kritik am aktuellen Bewertungssystem darstellen, liegen derzeit nicht vor“, erklärt der Minister in seiner schriftlichen Antwort an den Abgeordneten. Lehrpläne und Prüfungen würden jedoch regelmäßig gemeinsam mit Betrieben und Fachleuten weiterentwickelt. (sc)

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