Seinen eigenen Neffen hat Uli Hoeneß längst auf der Liste, sollte die Traumreise mit Erfolgstrainer Vincent Kompany mal vorbei sein. „Ganz ehrlich“, sagte der Patron des FC Bayern in Richtung Sebastian Hoeneß, der Coach des VfB Stuttgart habe „nach unserem Trainer von mir den größten Respekt“. Und ist damit sogar ein Kandidat, eines Tages mal Nachfolger von Kompany zu werden? „Er kommt“, betonte Onkel Uli, „mindestens mal in Frage“.
Doch ganz so weit wollen sie aktuell weder beim FC Bayern, noch beim VfB Stuttgart denken – erst recht nicht vor dem Pokalfinale am Samstag (20 Uhr/ARD). Kompany, schwärmte Hoeneß im Rahmen der Meisterfeierlichkeiten zuletzt einmal mehr, sei für die Bayern schließlich ein „Glücksfall“, ein „Sechser mit Zusatzzahl“. Der Belgier könne „von mir aus noch fünf oder zehn Jahre hierbleiben“. In Stuttgart sehen sie das bei Sebastian Hoeneß ganz ähnlich.
Quasi aus der Versenkung hat Hoeneß den VfB wieder nach oben geführt. Vom Abstiegskampf in die Champions League – und nun zum zweiten Mal in Folge ins Pokalfinale. Vor dieser Leistung, meinte Uli Hoeneß, „ziehe ich wirklich den Hut. Was er in diesem Verein geleistet hat, ist bemerkenswert.“ Warum, fragte deshalb auch Herbert Hainer in der Sport Bild, sollte Hoeneß, 2020 Drittliga-Meister als Trainer der Bayern-Amateure, „nicht auch eines Tages mal Bayern München trainieren“. Gleichzeitig, ergänzte der Präsident der Münchner, werde man aber „nicht müde zu betonen“, dass Kompany „noch lange bleiben soll“.
Seinen Vertrag beim Rekordmeister und -pokalsieger hatte der ehemalige Rote Teufel erst in dieser Saison bis 2029 verlängert, Hoeneß ist beim VfB noch bis 2028 gebunden. Begehrt sind beide. Kompany zählt spätestens seit dieser Saison zur absoluten Trainerelite, Hoeneß ist auf dem besten Weg dorthin. Zuletzt hatten sogar Gerüchte um ein Interesse von Real Madrid die Runde gemacht. Verwunderlich ist all das kaum.
Sowohl der VfB als auch die Bayern sind bei ihrer Trainerentscheidung für ihr Risiko belohnt worden. Kompany, 40, und auch Hoeneß, 44, haben es trotz ihres vergleichsweise jungen Alters geschafft, ihre zuvor so unruhigen Klubs zu befrieden und zurück zum Erfolg zu führen. Den Höhenflug „seiner“ Bayern in dieser Saison, „dieses besondere Gefühl, diese Entwicklung, schreibe ich ganz klar unserem Trainer zu“, sagte Uli Hoeneß etwa über Kompany.
Doch noch hat Sebastian Hoeneß seinem Gegenüber etwas voraus: den Pokalsieg. Die bemerkenswerte Bayern-Saison wäre ohne das erste ersehnte Double seit sechs Jahren und trotz aller verdienten Lobeshymnen auf Kompany wohl nur noch halb so viel wert. Hoeneß dagegen hat beim VfB nach dem Triumph im vergangenen Jahr (4:2 gegen Arminia Bielefeld) und der erneuten Qualifikation für die Champions League viel weniger Druck. Das wäre bei den Bayern sicher anders, Onkel Uli weiß das. (sid/tf)

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