Belgien bleibt damit vorerst Schlusslicht in der Eurozone. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission stabilisiert sich das Defizit kurzfristig vor allem durch Sparmaßnahmen und zusätzliche Einnahmen, die auf föderaler und regionaler Ebene beschlossen wurden. Höhere Ausgaben für Verteidigung und steigende Zinskosten würden teilweise durch Einsparungen bei Sozialleistungen, Subventionen und Personalkosten im öffentlichen Dienst ausgeglichen. Auch Reformen bei den Renten sowie Maßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt wirkten dämpfend auf die Ausgaben. Trotzdem weist Belgien weiterhin das höchste Haushaltsdefizit im Euroraum auf. Frankreich folgt mit prognostizierten 5,1 Prozent im laufenden Jahr.
Für 2027 erwartet die EU-Kommission wegen steigender Ausgaben erneut eine Verschlechterung. Dann dürfte Frankreich mit 5,7 Prozent allerdings vor Belgien liegen; die Slowakei würde ein ähnliches Defizitniveau erreichen. Auch die Staatsverschuldung soll weiter steigen – von 107,9 Prozent des BIP im vergangenen Jahr auf 110,5 Prozent in diesem Jahr und 112,8 Prozent im Jahr 2027. Beim Wirtschaftswachstum rechnet die Europäische Kommission für Belgien mit 0,7 Prozent in diesem Jahr und 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Für die Eurozone insgesamt werden 0,9 beziehungsweise 1,2 Prozent erwartet. Die Wachstumsprognosen wurden nach unten korrigiert – unter anderem wegen höherer Energiepreise infolge des Nahostkonflikts, die Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit verstärken.
Nach Einschätzung der EU-Kommission wird sich die Wirtschaft auch in der Europäischen Union insgesamt schwächer entwickeln als zuletzt erwartet. Statt 1,4 Prozent Wachstum erwartet Brüssel nur noch 1,1 Prozent Plus. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde die Prognose auf 0,9 Prozent herabgesetzt. Bis zum Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sei man von einem moderaten Wachstum und einem Rückgang der Inflation ausgegangen, schreibt die EU-Kommission. Durch den starken Anstieg der Energiepreise verliere die Wirtschaftstätigkeit an Schwung und die Inflation steige an. (belga/dpa/sc)

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