Das CHR Verviers East Belgium (CHRV) und das Netzwerk Move haben im Februar Anne Gavray (CHR) und Isabelle François (CHC) damit beauftragt, sämtliche Krankenhauseinrichtungen des Bezirks zu treffen und die Machbarkeit eines gemeinsamen territorialen Ansatzes im Bereich der Krankenhausversorgung und des Gesundheitsbedarfs zu analysieren. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die mögliche Errichtung eines neuen allgemeinen Krankenhauses in Verviers. Rund um dieses neue Zentrum könnten künftig die komplementären Kompetenzen der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen der Region gebündelt und koordiniert werden, das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Netzwerke hervor. Die beteiligten Einrichtungen umfassen sechs Krankenhausstandorte: die Standorte Tourelle und Peltzer des Centre Hospitalier Régional de Verviers, das Centre Hospitalier Reine Astrid in Malmedy, die Klinik CHC Heusy, das St. Nikolaus Hospital Eupen sowie die Klinik St. Josef in St.Vith.
Damit arbeiten zwei historisch getrennte Krankenhausnetzwerke aus zwei unterschiedlichen Sprachgemeinschaften erstmals gemeinsam an einer territorial abgestimmten Zukunftsvision. In den vergangenen Wochen sei „in einem Geist der Verantwortung und Offenheit“ ein intensiver Dialog geführt worden. Angesichts der großen Herausforderungen, mit denen das belgische Gesundheitswesen konfrontiert ist, tauschten die Einrichtungen ihre jeweiligen Realitäten und Perspektiven aus und analysierten gemeinsam die strukturellen Herausforderungen des Gesundheitssystems.
Die ersten Ergebnisse dieser Gespräche zeigen laut den Verantwortlichen einen gemeinsamen Willen, die Möglichkeit eines koordinierten territorialen Ansatzes weiter zu prüfen. Die beteiligten Krankenhäuser würden gemeinsam Verantwortung für eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung von nahezu 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern tragen. Das Versorgungsgebiet umfasst unterschiedliche geografische, kulturelle und sprachliche Realitäten – vom Raum Verviers bis hin zu den neun Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Diese Vielfalt stelle eine besondere Stärke der Region dar und soll bei allen zukünftigen Entwicklungen ausdrücklich berücksichtigt werden.
Transformation braucht Zeit und Dialog.
Die laufenden Überlegungen beruhten auf der gemeinsamen Überzeugung, dass die Menschen im Osten der Provinz Lüttich ein Gesundheitsangebot verdienen, das sich an ihren tatsächlichen Bedürfnissen orientiert. Dies bedeutet, wohnortnahe medizinische Versorgung dort sicherzustellen, wo dies möglich ist, und gleichzeitig bestimmte spezialisierte Leistungen zu bündeln, wenn Qualitäts-, Sicherheits- und Kontinuitätsanforderungen dies notwendig machen. Die beteiligten Einrichtungen möchten damit nach eigener Aussage ein Modell der Zusammenarbeit und Komplementarität schaffen – anstelle eines Systems des Wettbewerbs –, im Interesse der heutigen und zukünftigen Patientengenerationen.
Eine Transformation dieser Größenordnung werde Zeit, Dialog und die aktive Einbindung aller Fachkräfte erfordern, die täglich zum Funktionieren der Einrichtungen beitragen. Je nach den Entscheidungen der zuständigen Behörden soll der weitere Prozess methodisch, transparent und verantwortungsvoll gestaltet werden – in enger Abstimmung mit den medizinischen, pflegerischen und administrativen Teams, den ärztlichen Vertretungen, den Sozialpartnern sowie allen relevanten Akteuren der Region.
Gemeinsam vorauszudenken bedeute laut den Verantwortlichen der Netzwerke auch, auf die tiefgreifenden Veränderungen vorbereitet zu sein, die unter anderem im Expertenbericht „Changer pour préserver (2026–2036)“ (Deutsch: „Verändern, um zu erhalten“) hervorgehoben werden: die Alterung der Bevölkerung, der strukturelle Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sowie der zunehmende Druck auf die Krankenhausressourcen. Die vor dem Sommer geplante Interministerielle Konferenz für öffentliche Gesundheit dürfte erste konkrete Leitlinien für die zukünftige belgische Krankenhausreform festlegen.
„Die bestmögliche Gesundheitversorgung aufbauen“
Claudia Niessen, Präsidentin des Verwaltungsrates des Eupener St. Nikolaus Hospitals, spricht von einer „positiven“ Entwicklung. Man müsse wissen, dass es ein „Kuriosum“sei, dass im Raum Verviers-Lüttich zwei Netzwerke parallel die Gesundheitsversorgung koordinieren. „In dieser Zusammenarbeit soll es darum gehen, dass wir uns zwischen den Netzwerken besser absprechen, und diese Konkurrenzfrage, die in die Jahre gekommen ist, abbauen, um für die gesamte Region die bestmögliche Gesundheitsversorgung aufzubauen“, erklärt Niessen. Die Gespräche laufen laut ihr bereits „seit fast einem Jahr“ – und sind somit bereits vor Bekannwerden des Expertenberichts angelaufen.
Auch Werner Henkes, Präsident des Verwaltungsrates der Klinik St. Josef St.Vith und Bürgermeister von St.Vith, spricht von einer „auf jeden Fall positiven Mitteilung“. Die Zusammenarbeit „begüßen wir absolut“, so Henkes weiter. Zudem unterstreicht er mit Blick auf die anstehende interministerielle Konferenz, dass wir in „gut einem Monat absolut mehr wissen“
Mit der bewussten Entscheidung für Dialog und Kooperation könnten die Krankenhäuser des Bezirks gemeinsam ein neues Kapitel der Krankenhausgeschichte im Osten der Provinz Lüttich aufschlagen, heißt es in der Mitteilung der Netzwerke – ein Kapitel, das auf Ergänzung statt Konkurrenz setzt und sich konsequent an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten sowie zukünftiger Generationen orientiert.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren