Lange sah es danach aus, als würde Anderlecht nach der Enttäuschung im Pokalfinale gegen Union auch im Kampf um ein europäisches Ticket den nächsten Rückschlag kassieren. Die „Veilchen“ lagen gegen Mechelen bis tief in die Nachspielzeit mit 1:2 zurück. Erst in der 91. Minute sorgte Ilay Camara mit einem eher harmlosen Schuss doch noch für den Ausgleich.
Durch das Remis bleibt Anderlecht mit 30 Punkten auf Rang vier der Champions Play-offs. KV Mechelen folgt mit 28 Punkten auf Platz fünf. AA Gent, das am Samstag bei STVV 1:1 gespielt hatte, liegt ebenfalls bei 28 Punkten, bleibt aber Sechster. STVV steht mit 40 Punkten weiter auf Rang drei.

Dabei hatte Anderlecht einen denkbar schlechten Start erwischt. Nach einer Viertelstunde leistete sich César Huerta, der nach langer Verletzungspause erstmals seit Anfang Oktober wieder in der Startelf stand, einen folgenschweren Ballverlust. Myron van Brederode nutzte den Fehler eiskalt aus, lief allein auf Colin Coosemans zu und traf überlegt zum 0:1.
Huerta durfte allerdings schnell aufatmen. Keine Minute später war der Rückstand bereits wieder egalisiert. Nathan Saliba schaltete sich in einen Angriff ein, den Danylo Sikan auf der linken Seite stark vorbereitet hatte. Der ukrainische Stürmer brachte den Ball in die Mitte, Saliba vollendete zum 1:1.
Nach dem Ausgleich übernahm Anderlecht mehr und mehr die Kontrolle und kam zu mehreren guten Möglichkeiten. Sikan und Ilay Camara scheiterten jedoch am starken Mechelner Torhüter Nacho Miras, der seine Mannschaft mit mehreren Paraden im Spiel hielt. Kurz vor der Pause hatte Miras zudem Glück, als er am Rand des Strafraums unsanft mit Enric Llansana zusammenprallte. Schiedsrichter Jan Boterberg entschied jedoch nicht auf Elfmeter.

In der zweiten Halbzeit schlug Mechelen mit der ersten wirklich gefährlichen Aktion erneut zu. Therence Koudou zog in der 60. Minute von der rechten Seite nach innen und traf mit links sehenswert zum 1:2. Coosemans war bei dem Schuss des französischen Flügelspielers machtlos.
Anderlecht wirkte danach lange angeschlagen. Die Hausherren fanden kaum noch Lösungen, während Mechelen dem Auswärtssieg und dem Sprung auf Platz vier immer näher kam. Tristan Degreef sorgte mit einem Kopfball an den Pfosten noch einmal für Gefahr, stand dabei allerdings im Abseits. Erst in der Nachspielzeit fiel doch noch der Ausgleich: Camara brachte den Ball in der 91. Minute im Tor unter und bewahrte Anderlecht vor einer empfindlichen Niederlage.
Der Punkt könnte im Kampf um Europa noch wichtig werden. Nach dem Pokalfinale wurden die Karten bei der Verteilung der Europapokal-Tickets neu gemischt. Weil Union den Croky Cup gewann und nicht Anderlecht, profitiert nun auch die Konkurrenz in den Champions Play-offs: Ein zusätzliches Europapokal-Ticket rückt nach unten – mit guten Nachrichten für STVV, Anderlecht, KV Mechelen und Co.

Die aktuelle Verteilung der europäischen Startplätze sieht damit wie folgt aus: Der Meister qualifiziert sich direkt für die Ligaphase der Champions League. Der Tabellenzweite steigt in der dritten Qualifikationsrunde der Champions League ein. Der Dritte erreicht die Play-offs der Europa League, der Vierte die zweite Qualifikationsrunde der Europa League. Der Fünfte beziehungsweise der Sieger der Europe Play-offs startet in der zweiten Qualifikationsrunde der Conference League.
Für Anderlecht bedeutet das: Platz vier wäre weiterhin ein Ticket für die Europa League, wenn auch nur für die zweite Qualifikationsrunde. Ein Sieg im Pokalfinale hätte die Ausgangslage dagegen deutlich verändert. Wäre Anderlecht Pokalsieger geworden, hätte sich der Rekordmeister direkt für die Play-offs der Europa League qualifiziert. Der Meister wäre weiterhin direkt in die Ligaphase der Champions League eingezogen, der Zweite in die dritte Qualifikationsrunde der Champions League und der Dritte in die zweite Qualifikationsrunde der Europa League. Der Vierte beziehungsweise der Sieger der Europe Play-offs hätte dann noch ein Entscheidungsspiel um ein Ticket für die zweite Qualifikationsrunde der Conference League bestreiten müssen.
So aber bleibt der vierte Platz für Anderlecht besonders wertvoll – und das späte 2:2 gegen KV Mechelen könnte in der Endabrechnung noch entscheidend sein.
RSCA-Fans boykottierten das Match
Die Stimmung im Lotto Park war am Sonntag übrigens unterkühlt. Für Atmosphäre sorgten über weite Strecken fast ausschließlich die mitgereisten Fans aus Mechelen. Die Anderlechter Ultras hatten das Spiel aus Protest boykottiert und ihren Support eingestellt. Hintergrund ist die anhaltende sportliche Durststrecke des Rekordmeisters: Seit neun Spielzeiten wartet Anderlecht auf einen Titel. Der Stimmungsboykott soll nach Angaben der Fans auch in den beiden letzten Saisonspielen der „Veilchen“ fortgesetzt werden. Die Ultras fordern die Klubverantwortlichen zum Handeln auf – notfalls auch mit personellen Konsequenzen bis hin zu Rücktritten.

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