Regenbogenflaggen, bunte Perücken und Glitzer haben am Samstag Farbe in einen grauen Brüsseler Nachmittag gebracht. Die 30. Ausgabe der Brussels Pride lockte eine große und ausgelassene Menschenmenge ins Zentrum der Hauptstadt. Trotz trüben Wetters und leichten Regens feierten Menschen aller Altersgruppen Vielfalt, Sichtbarkeit und gleiche Rechte.
Unter den Teilnehmern waren auch viele Familien. Einige kamen verkleidet als Einhörner, andere liefen trotz Nieselregen mit freiem Oberkörper mit, wieder andere verzichteten ganz auf auffällige Kostüme. „Wir sind hier, um die Vielfalt in Brüssel und Europa zu feiern“, sagten mehrere Teilnehmer entlang der Strecke. Andere betonten, dass die Pride nicht nur ein Fest, sondern auch ein Protest sei. „Die Menschen kommen mit Freunden, Aktivisten oder der Familie. Wirklich alle Schichten der Bevölkerung sind vertreten“, hieß es von Teilnehmern am Rand des Umzugs.

Die Pride March startete kurz nach 14.30 Uhr am Mont des Arts und zog anschließend durch das Stadtzentrum. Gegen 18 Uhr kam der Tross am Boulevard de l’Empereur an. Die Organisatoren hatten vorab mit rund 200.000 Teilnehmern gerechnet. Nach Angaben vom Tourismusamt Visit.Brussels kamen am Samstag schließlich 216.000 Menschen zur 30. Ausgabe der Brussels Pride. Im vergangenen Jahr waren es rund 70.000 gewesen.
Das Motto der Jubiläumsausgabe lautet „When Times Get Darker, We Shine Brighter“ (auf Deutsch: „Wenn die Zeiten dunkler werden, leuchten wir heller“). Damit will die Organisation der LGBTQIA+-Gemeinschaft den Rücken stärken – gerade in einer Zeit, in der die Rechte queerer Menschen in vielen Ländern wieder stärker unter Druck geraten.

Ganz ohne Zwischenfälle verlief die Veranstaltung allerdings nicht. Nach Angaben der zuständigen Polizeizone wurden am Samstag 29 Personen festgenommen. Polizeisprecherin Ilse Van de Keere erklärte, die Veranstaltung habe insgesamt in einer „generell festlichen und friedlichen“ Atmosphäre stattgefunden.
Während des Umzugs blockierte jedoch eine Gruppe von Demonstranten den Marsch an mehreren Stellen und störte zeitweise den Ablauf. Besonders am Palais des Beaux-Arts, auch bekannt unter dem Markennamen Bozar, versperrten rund 30 schwarz gekleidete Demonstranten den Weg und skandierten antifaschistische Parolen. Ihr Protest richtete sich gegen die Teilnahme der N-VA an der Parade. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich die Partei bei einer jüngsten Abstimmung im Europäischen Parlament über ein Verbot sogenannter Konversionspraktiken enthalten hatte. Gemeint sind Versuche, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von Menschen zu verändern – ausgehend von der falschen Annahme, LGBTIQ+-Personen seien krank oder müssten „geheilt“ werden.
Die Polizei griff in der Rue Baron Horta ein, um die Blockade aufzulösen. Einsatzkräfte zu Fuß und auf Fahrrädern räumten den Bereich. „Insgesamt wurden 29 Personen wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. Sie wurden zur Identifizierung und weiteren Bearbeitung des Dossiers auf die Wache gebracht“, sagte die Polizeisprecherin.
Bei dem Einsatz kam es kurzzeitig zu Rangeleien. Danach konnte der Wagen der N-VA ebenso wie die Wagen der anderen anwesenden politischen Parteien die Parade fortsetzen. (belga/calü)

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