Drei Tage lang stand die Region rund ums Hohe Venn im Zeichen von Sport, Begegnung und Inklusion. Rund 3.500 Athletinnen und Athleten waren in 19 Sportarten im Einsatz. Für den Begleitenden SportClub Ostbelgien (BSC) wurde die Veranstaltung vor der eigenen Haustür mit drei Gold-, fünf Silber- und acht Bronzemedaillen sowie dem zweiten Fairplay-Pokal in Folge für die Netballmannschaft zu einem besonderen Saisonhöhepunkt – und für Special Olympics Belgium offenbar zu einem organisatorischen Erfolg.
„Es ist geschafft“, sagte Dominique Dehaene, National-Direktor von Special Olympics Belgium, kurz vor der Abschlussfeier. Zwar würden die Abbauarbeiten noch mehrere Tage dauern, sportlich aber sei die Ausgabe erfolgreich über die Bühne gegangen. „Es ist sehr gut gelaufen. Es gibt immer kleine Dinge hier und da, aber wirklich: Es war eine sehr schöne Ausgabe“, bilanziert Dehaene. Auch die dezentrale Struktur mit Wettkampforten in Malmedy, Spa, Eupen, Bütgenbach, Elsenborn und Theux habe funktioniert, auch wenn sie logistisch anspruchsvoll gewesen sei. „Man hätte es vielleicht anders gewünscht, aber es sind trotzdem viele Menschen nach Malmedy ins Olympische Dorf gekommen. Man hat sich sehr verbunden gefühlt. Es war wirklich eine sehr herzliche Gemeinschaft.“

Diese Nähe war auch für Alex Langer, den langjährigen Sportverantwortlichen des BSC Ostbelgien, einer der prägenden Eindrücke. Er habe mit vielen Bekannten und Verwandten gerechnet, sagte er nach den letzten Wettbewerben. „Aber dass so viele jetzt hier waren, die man gekannt hat und die einen angesprochen haben, das war schon überwältigend.“ Die kürzeren Wege hätten es auch Menschen aus beschützten Werkstätten und Tagesstätten ermöglicht, dabei zu sein.
Der BSC war in Leichtathletik, Bocce, Badminton und Netball vertreten. Die Netballmannschaft belegte in ihrer Gruppe den vierten Platz und wurde zum zweiten Mal in Folge mit dem Fair-Play-Preis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung werde von Schiedsrichtern und Betreuern aller Mannschaften vergeben, erklärt Langer. Ein Beobachter habe ihm gesagt, selbst bei Niederlagen sehe man, „dass sie es gerne machen, dass sie es von Herzen machen“. Langers Antwort darauf fasst vieles zusammen, was diese Spiele für den BSC bedeuteten: „Wir haben eben die Sonne im Herzen, auch wenn sie nicht immer draußen scheint.“

Für Langer ist der Fair-Play-Preis deshalb mehr als eine Nebenbemerkung in der Bilanz. Er zeige auch die Arbeit der Trainer, Coaches und Betreuer. „Man muss genauso gut einmal verlieren können als auch gewinnen.“ Genau darin liege ein wesentlicher Teil der Entwicklung, die viele Athleten durch den Sport machten: nicht nur sportlich, sondern auch menschlich, im Umgang miteinander und im Auftreten nach außen.
Auch Dehaene hob nach den Spielen hervor, dass Athleten, Coaches und Freiwillige zufrieden gewesen seien, dieses große Ereignis erneut erlebt zu haben. „Ich denke, wir hatten sehr schöne Spiele, und alles ist gut gelaufen“, sagte er. Besonders lobte er die Reaktionsfähigkeit vor Ort. Wegen des schlechten Wetters seien kurzfristig zwei Außensportarten nach innen verlegt worden. „Die Menschen haben uns auf fantastische Weise geholfen. Das freut uns sehr.“
Von den ofizieller Seite habe auch der BSC viel Anerkennung gehört, berichtete Langer. „Die Organisatoren von Special Olympics waren voll des Lobes.“ Immer wieder sei ihm gesagt worden: „Das ist toll gelaufen.“ Aus seiner Sicht hatte das auch mit der besonderen Struktur der Region zu tun. In einer großen Stadt bleibe das Interesse oft auf den unmittelbaren Kernbereich einer Halle beschränkt. Rund ums Hohe Venn sei das anders gewesen: „Hier sind die Wege vielleicht weiter, aber die Informationswege sind kürzer.“
Sportlich sieht Langer ohnehin seit Jahren eine deutliche Entwicklung. „Was ich im Laufe der Jahre festgestellt habe, ist, dass die Leistungen der Athleten, die an den verschiedenen Wettbewerben teilnehmen, immer besser werden.“ Gleichzeitig will der BSC an seiner Linie festhalten, möglichst vielen Sportlern regelmäßig eine Teilnahme zu ermöglichen. Manche Clubs kämen zu den Special Olympics mit ihrer „Elite“, sagte Langer. „Wir hängen sehr an der Philosophie von Special Olympics, dass alle mitmachen sollen, und das werden wir auch weiter so handhaben.“
Gerade diese Philosophie war in Malmedy, Spa und an den anderen Standorten immer wieder sichtbar. Es ging um Medaillen und Platzierungen, aber ebenso um Begegnungen, Applaus, Unterstützung und gemeinsames Erleben. Alex Langer sprach von einer immer größer werdenden „Special-Olympics-Familie“. Viele Beteiligte sähen sich seit Jahren wieder. Nicht immer kenne man alle mit Namen, aber man erkenne sich. „Ob man jetzt Französisch, Flämisch oder Deutsch spricht, das spielt da gar keine Rolle.“
Dass eine Rückkehr der Nationalen Spiele in die Region grundsätzlich möglich ist, schloss Dehaene nicht aus. „Warum nicht?“, sagte er. Man habe gesehen, dass es die nötigen Infrastrukturen gebe, und sei von Städten, Gemeinden, Einwohnern und Freiwilligen sehr herzlich empfangen worden. Auch die Idee einer Ausgabe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bleibe für die Zukunft „auf dem Tisch“. Einen Zeitpunkt nannte Dehaene nicht. „Für die Zukunft ist nichts ausgeschlossen.“
Zum Abschluss wollte Langer den Blick nicht nur auf Ergebnisse richten. Wichtig sei ihm ein „großes Lob an alle Betreuer“ sowie ein Dank an die Unterstützer, an die Vereine, die Material oder Anlagen zur Verfügung stellten, und an die Deutschsprachige Gemeinschaft. Außerdem richtete er im Namen der Athleten und Betreuer Genesungswünsche an BSC-Präsident Dirk Alt, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte.
Mit der Abschlusszeremonie endeten die Special Olympics in Malmedy offiziell. Für den BSC Ostbelgien bleiben ein weiterer Fair-Play-Preis, sportliche Erfolge, viele Begegnungen und das Gefühl, dass diese Spiele in der Region nicht nur ausgetragen, sondern mitgetragen wurden. Für Langer war es vor allem eines: überwältigend.

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