Viele LGBTQIA+-Personen fühlen sich beim Arzt nicht sicher

<p>Die Föderation Prisme fordert einen inklusiveren Zugang zur Gesundheitsversorgung für LGBTQIA+-Personen in Belgien.</p>
Die Föderation Prisme fordert einen inklusiveren Zugang zur Gesundheitsversorgung für LGBTQIA+-Personen in Belgien. | Foto: dpa

Die wallonische Dachorganisation, die Vereinigungen für die Rechte und das Wohlbefinden von LGBTQIA+-Personen vertritt, stellt die Frage, welchen Platz diese Menschen tatsächlich im Gesundheitssystem einnehmen – obwohl sie häufiger von strukturellen Ungleichheiten und prekären Lebenssituationen betroffen seien.

Gestützt auf verschiedene Gesundheitsstudien kommt Prisme zu dem Schluss, dass LGBTQIA+-Personen im Durchschnitt einen schlechteren physischen und psychischen Gesundheitszustand aufweisen als die Allgemeinbevölkerung. Zudem würden sie seltener medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und seien häufiger unzufrieden mit ihrer Behandlung.

Laut der Analyse fühlen sich lediglich fünf Prozent der Befragten bei Arztbesuchen „immer“ sicher. Genannt werden unter anderem unangemessene Bemerkungen, falsche Anreden, mangelnde Sichtbarkeit, aufdringliche Fragen sowie Fälle verweigerter Behandlungen.

Die von Prisme befragten Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich sehen ebenfalls strukturelle Probleme beim Zugang zur Versorgung. 89 Prozent bezeichneten diese Schwierigkeiten als häufig, elf Prozent als gelegentlich.

Nach Angaben des Brüsseler Gesundheitszentrums Épicentre vermeidet in Belgien etwa jede vierte trans Person möglichst jeden Kontakt mit dem Gesundheitssystem.

Als Ursache nennt Prisme unter anderem mangelnde Kenntnisse vieler Fachkräfte über die spezifischen Herausforderungen und Bedürfnisse von LGBTQIA+-Personen. Gefordert werden deshalb ein besseres Verständnis von Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen sowie ein nicht wertender und nicht stereotypisierender Umgang.

Zudem sind laut der Studie 86 Prozent der befragten Fachkräfte der Ansicht, dass die soziale Sicherheit spezifische Behandlungen für LGBTQIA+-Personen nicht ausreichend abdeckt. Probleme gebe es insbesondere dort, wo administrative Kategorien nicht mit der medizinischen oder physischen Realität der Betroffenen übereinstimmen.

Prisme fordert daher ein Gesundheitssystem, das sich stärker an die Bedürfnisse der Betroffenen anpasst. Dazu gehörten offenere Ansätze, mehr Dialog sowie eine verpflichtende und kontinuierliche Ausbildung zu LGBTQIA+-Themen in allen Gesundheitsberufen.

Außerdem spricht sich die Föderation dafür aus, die Expertise von Vereinigungen und Betroffenen stärker in die öffentliche Gesundheitspolitik einzubinden. (belga/rt)

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