Überbelegung und Gewalt: Landesweiter Streik in belgischen Gefängnissen

<p>Gewerkschaftsvertreter vor dem Gefängnis von Lantin: Im Rahmen eines landesweiten Streiks protestiert das belgische Gefängnispersonal gegen Überbelegung, hohe Arbeitsbelastung und zunehmende Gewalt in den Haftanstalten.</p>
Gewerkschaftsvertreter vor dem Gefängnis von Lantin: Im Rahmen eines landesweiten Streiks protestiert das belgische Gefängnispersonal gegen Überbelegung, hohe Arbeitsbelastung und zunehmende Gewalt in den Haftanstalten. | Foto: belga

Die Generaldirektorin der Strafvollzugsanstalten, Mathilde Steenbergen, wollte sich am Montag persönlich zum Streikposten vor dem Gefängnis von Lantin begeben, um den Mitarbeitern ihre Unterstützung auszusprechen.

Die Zahlen verdeutlichen die angespannte Lage: Nach den jüngsten Angaben saßen in der vergangenen Woche 13.733 Menschen in belgischen Gefängnissen ein – bei einer offiziellen Kapazität von lediglich 11.064 Plätzen. 754 Häftlinge mussten demnach auf dem Boden schlafen.

Die Gewerkschaften hatten bereits Ende April zum Streik aufgerufen, nachdem erneut Gespräche mit dem Kabinett von der föderalen Justizministerin Annelies Verlinden (CD&V) aus ihrer Sicht ohne greifbares Ergebnis geblieben waren. Weder bei der Überbelegung noch bei der Zahl der sogenannten „Bodenschläfer“ gebe es Aussicht auf Besserung, kritisieren die Arbeitnehmervertreter.

Die Folgen seien im Alltag deutlich spürbar: Mehr Gefangene bedeuteten mehr Druck auf das Personal und zugleich eine steigende Zahl schwerer Zwischenfälle. Besonders mit Blick auf die Sommermonate wächst die Sorge, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte, wenn viele Wärter ihren Jahresurlaub antreten.

Auch die Gefängnisdirektion warnte zuletzt eindringlich vor einem Kollaps des Systems. Sowohl für das Personal als auch für die Inhaftierten seien die Zustände kaum noch tragbar. Die Zahl kritischer Zwischenfälle habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, hieß es vergangene Woche. Praktisch täglich komme es inzwischen irgendwo im Land zu einem schweren Vorfall in einer Haftanstalt. Zudem seien die Arbeitsausfälle nach Aggressionen gegen Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen. (belga/calü)

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