Der Wolf sei vermutlich aus Richtung der Felder ins Dorf gekommen. Dort lief er zunächst an einer Privatperson vorbei, die ihn beobachtete. Anschließend habe das Tier im Ortszentrum offenbar kehrtgemacht und sei zurückgelaufen. „Wahrscheinlich ist er durch irgendetwas erschrocken. Vermutlich wollte er einfach schnell wieder aus dem Dorf heraus“, sagt Dahmen. Das Verhalten wirke eher fluchtartig als bedrohlich: „Man sieht, dass der Wolf verängstigt ist und aus dem Dorf heraus will.“
Nach Einschätzung des Forstamtsleiters könnte es sich um einen Jungwolf aus dem vergangenen Jahr handeln. Ein Teil der Jungtiere aus dem Rudel im Hohen Venn sei vermutlich bereits abgewandert, andere hielten sich wohl noch in der Region auf: „Jungwölfe müssen irgendwann abwandern. Sie verlassen ihr bisheriges Gebiet, erkunden die Umgebung und kommen dabei auch an Dörfern vorbei. Sie kennen diese Strukturen nicht und wissen auf ihrem Weg nicht immer, wo sie sich gerade befinden“, erklärt René Dahmen.
Dass ein Wolf durch ein Dorf läuft, sei selten, aber nicht ohne Beispiel. In den vergangenen Jahren gab es in Ostbelgien bereits ähnliche Beobachtungen, etwa in Raeren oder Mürringen. „Andere Wildtiere sieht man auch schon einmal in Dörfern, etwa Füchse oder Wildkatzen. Aber ein Wolf fällt stärker auf, weil er seltener ist“, so Dahmen. Entscheidend sei aus Sicht des Forstamts vor allem, dass der Wolf in der Aufnahme nicht die Nähe zum Menschen gesucht habe. Auch die Biologen der zuständigen Forschungsstelle hätten das Video gesehen und kein problematisches Verhalten festgestellt. Wer einem Wolf begegnet, sollte ruhig bleiben, Abstand halten und dem Tier nicht folgen. Problematisch werde es vor allem dann, wenn Wölfe an Menschen gewöhnt oder angefüttert würden. Solche Fälle habe es etwa in den Niederlanden gegeben, in Ostbelgien bislang jedoch nicht.
Seit 2018 ist der Wolf im Hohen Venn wieder präsent. Später bildete sich dort ein Paar, 2023 wurden nach Angaben Dahmens erstmals sechs Jungwölfe geboren. Das Rudel nutzt ein großes Gebiet, das sich von Büllingen und Bütgenbach bis nach Vogelsang erstreckt. Vor allem Schafhalter seien frühzeitig sensibilisiert worden. Schutzmaßnahmen blieben wichtig, denn Schafe seien oft die ersten Nutztiere, die betroffen seien, wenn sich Wölfe in einer Region etablieren. Zugleich zeigt sich Dahmen bislang überrascht über die geringe Zahl an Zwischenfällen. „In Dörfern wie Elsenborn, Wirtzfeld oder Rocherath gibt es noch etliche Schafe, die nicht speziell geschützt sind. Trotzdem hat es dort bisher keinen Zwischenfall gegeben.“
Eine allgemeine Versammlung für die Bevölkerung sei derzeit nicht geplant. Aus Sicht des Forstamtes gebe es dafür keinen Anlass. René Dahmen weiß dennoch, dass jede Wolfssichtung Emotionen auslöst: „Es ist und bleibt ein polarisierendes Thema. Es gibt Menschen, die für den Wolf sind, und andere, die ihn vehement ablehnen.“

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