Die Befragung ist Teil einer Masterarbeit im Studiengang Journalismus am Institut des Hautes Études des Communications Sociales (IHECS) in Brüssel. Initiiert wurde die Umfrage von Studentin Anne Mettlen. Im Zentrum steht die Frage, wer das GrenzEcho nutzt, wie intensiv es gelesen wird und ob sich daraus ein Zugehörigkeitsgefühl zur Deutschsprachigen Gemeinschaft ableiten lässt. Teilnehmen können alle Personen, „die Deutsch sprechen oder sich dieser Sprachgemeinschaft zugehörig fühlen, unabhängig davon, ob sie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft leben oder nicht“. Neben soziodemografischen Angaben wie Alter, Geschlecht und Wohnort geht es inhaltlich vor allem um Mediennutzung und persönliche Einschätzungen zur Bedeutung der Tageszeitung. Der Ausgangspunkt für die Arbeit war eine Beobachtung während des Studiums. „Eine Statistik der Rossel-Gruppe hat meine Aufmerksamkeit geweckt“, sagt Anne Mettlen, die auch als freie Mitarbeiterin des GrenzEcho beschäftigt ist. Demnach gehe die Printauflage der Tageszeitung weniger stark zurück als bei anderen Zeitungen. „Das hat mich neugierig gemacht: Was unterscheidet das GrenzEcho von anderen, meist französischsprachigen Medien? Und welche Rolle spielt es für die deutschsprachigen Belgier?“

Die Fragestellung ist für die junge Ostbelgierin auch biografisch geprägt. Denn Anne Mettlen stammt selbst aus der Region, ist hier zur Schule gegangen und weiterhin eng mit der DG verbunden. „Ich denke, das GrenzEcho ist tief in der Region verankert“, sagt sie. Viele Vereine und Gewerbetreibende nutzten die Zeitung, um ihre Aktivitäten sichtbar zu machen. „Als einzige deutschsprachige Zeitung Belgiens hat sie einen besonderen Stellenwert und spielt eine wichtige Rolle im Alltag der Gemeinschaft.“ In ihrer Untersuchung richtet sie den Blick nicht nur auf die DG selbst, sondern auch auf angrenzende Regionen. Dort werde ebenfalls Deutsch gesprochen, was die Frage aufwerfe, ob das GrenzEcho auch außerhalb seines Kerngebiets genutzt wird und ob sich dort ähnliche Formen von Zugehörigkeit zeigen. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Zusammenhang zwischen Sprache, Medien und Identität. „Für Sprachminderheiten spielen Medien in der eigenen Sprache eine wichtige Rolle, da sie Zusammenhalt fördern und ein Gefühl von Gemeinschaft vermitteln“, erläutert die 22-Jährige.
Gleichzeitig interessiert sie, ob sich Unterschiede zwischen einsprachigen und mehrsprachigen Haushalten feststellen lassen. Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine Kombination aus Literaturrecherche und quantitativer Erhebung. Anne Mettlen hat sich unter anderem mit der Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft sowie mit Minderheitenmedien und Identitätsforschung beschäftigt. Die Umfrage soll nun verschiedene Perspektiven erfassen und vergleichbar machen. Was konkrete Erwartungen angeht, gibt sie sich zurückhaltend: „Bei wissenschaftlicher Arbeit sind Erwartungen immer mit Vorsicht zu genießen.“ Sie gehe jedoch davon aus, dass viele Menschen zumindest eine gewisse Verbindung zum GrenzEcho haben – auch wenn sie es nicht regelmäßig lesen. „Überraschen würde mich beispielsweise, wenn die Muttersprache oder der Wohnort der Teilnehmenden keine Rolle spielen würden.“ Während der Recherche habe sich auch ihr Blick auf Belgien verändert. Besonders die historische Entwicklung der Sprachenpolitik – von den 1920er Jahren über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den Staatsreformen – habe sie beschäftigt. Auch Fragen der Repräsentation von Sprachgemeinschaften auf föderaler Ebene seien dabei relevant geworden.
Die Umfrage ist noch bis kommenden Montag freigeschaltet. Rückfragen an anne.mettlen@student.ihecs.be möglich. Die Umfrage kann zudem weiter geteilt werden. Hier geht es zum Link: https://forms.gle/gDcC51ihf24kPVim7

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