In seiner Antwort macht Franssen zunächst deutlich, dass die DG gar nicht direkt für den Führerscheinerwerb zuständig ist: „Die Zuständigkeit liegt im Verantwortungsbereich der Wallonischen Region. Dazu zählt auch der Unterricht zum theoretischen Führerschein, der von Fahrschulen angeboten wird.“
Dennoch habe die DG in den vergangenen Jahren eigene Initiativen entwickelt, um die Bevölkerung zu unterstützen. Dazu zählen unter anderem geförderte Theorieangebote an Schulen, die Einberufung einer Arbeitsgruppe zur „korrekten Anwendung der deutschen Sprache in der Führerscheinprüfung“, die bisher allerdings noch nicht getagt hat, sowie spezifische Vorbereitungskurse in „leichter Sprache“ für Menschen mit Lern- oder Sprachbarrieren.
Positive Impulse
aus der Wallonie
Das wallonische Pilotprojekt, auf das sich Stiel bezieht, setzt vor allem bei der Prüfungsform an. Es unterscheidet zwischen sogenannten Sonder- und angepassten Sitzungen, „deren Zielgruppen genau definiert und streng voneinander getrennt sind“. Angepasste Sitzungen sind Kandidaten vorbehalten, „deren Alphabetisierungsniveau die normale Teilnahme nicht zulässt und/oder deren Muttersprache keine Prüfungssprache ist“. Sondersitzungen sind hingegen Kandidaten „mit kognitiven Hemmnissen“ vorbehalten. „Für beide Prüfungssitzungen bedarf es einer Bescheinigung, die in Ostbelgien vom ZFP, von Kaleido, von Info Integration oder von der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben ausgestellt werden kann“, fügt Franssen hinzu.
Die erste Bilanz fällt laut Franssen positiv aus: „Das Pilotprojekt, so der Lenkungsausschuss, gehe angemessen auf die Bedürfnisse von Prüfungsteilnehmern mit besonderen Herausforderungen ein, sei es aufgrund von geistigen Einschränkungen, Lernstörungen, Lese- und Schreibschwächen oder mangelnden Kenntnissen der Prüfungssprachen. Zudem seien auch die Rückmeldungen der Prüfungszentren, der zugelassenen Stellen, der Verwaltung und auch der Kandidaten selbst insgesamt positiv. Es werde als echte Verbesserung der Verwaltung der theoretischen Prüfungen in Sonder- und angepassten Prüfungsrunden durch die Prüfungszentren wahrgenommen.“
Der Minister verweist darauf, dass lokale Anbieter „frei sind, ihre Angebote an die Maßnahmen des Pilotprojekts der Wallonischen Region anzupassen“. Schon heute richteten sich die bestehenden Angebote in Ostbelgien an eine vergleichsweise breite Zielgruppe. Dazu gehören unter anderem Menschen mit Beeinträchtigungen, Personen mit Migrationshintergrund oder Lernschwierigkeiten sowie Menschen mit „großen Ängsten und Hemmschwellen“.
Organisationen wie die Alteo VoG oder das Viertelhaus Cardijn spielten dabei eine zentrale Rolle. Sie bieten Vorbereitungskurse in einfacher Sprache an und sollen so den Zugang zur Theorieprüfung erleichtern.
„Führerschein für alle“: 46 Teilnehmer seit Herbst 2024
Konkrete Zahlen liefert etwa das Projekt „Führerschein für alle“ von Alteo. Seit Herbst 2024 wurden vier Kurse organisiert. Die Bilanz zeigt, dass von insgesamt 46 Teilnehmern 40 den Kurs erfolgreich abgeschlossen haben. Von den 37 Kandidaten, die anschließend zur Prüfung antraten, haben bislang 12 die theoretische Prüfung bestanden. Eine umfassendere Auswertung soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Ein weiteres Element ist das Theorieangebot an Schulen, etwa am RSI Eupen. Dort ist das Interesse groß: Die verfügbaren Plätze – in diesem Jahr sind es 24 – seien „erfahrungsgemäß bereits innerhalb eines Tages vergeben“. Geschätzt werde das kompakte Format, wie einzelne Rückmeldungen zeigten: „Durch die Möglichkeit, die Unterrichtseinheiten in kompakten Blöcken zu organisieren, entsteht für die Schüler eine konzentrierte und gut planbare Lernphase, die sie als großen Vorteil wahrnehmen.“ (nico)

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