Preissturz bei Industriekartoffeln in Belgien – Bauern geben Ernte gratis ab

<p>Die Bauern im Land verkaufen ihre Kartoffeln aktuell zum Nulltarif.</p>
Die Bauern im Land verkaufen ihre Kartoffeln aktuell zum Nulltarif. | Foto: picture alliance/dpa

Bereits seit Monaten standen die Preise unter Druck. Im März lag der Preis noch bei rund zehn Euro pro Tonne – nun ist er vollständig eingebrochen. Hauptursache ist die fehlende Nachfrage.

Betroffen sind vor allem sogenannte Lagerkartoffeln, die für die industrielle Verarbeitung – etwa zu Tiefkühlfritten – bestimmt sind. Rund 70 bis 80 Prozent der Ernte sind bereits frühzeitig über Verträge zu festen, höheren Preisen verkauft worden. Der restliche Teil gelangt auf den freien Markt – und genau dort zeigt sich die Krise nun besonders deutlich.

Wo zuletzt kaum noch Handel stattfand, kommt es inzwischen zwar wieder zu einzelnen Transaktionen, allerdings zu einem symbolischen Preis von null Euro. „Die Bauern sind ihre Kartoffeln losgeworden, aber zu null Euro. Alles ist besser, als sie unterzupflügen oder zu vernichten“, erklärt Belgapom-CEO Christophe Vermeulen.

Viele Erzeuger sitzen derzeit auf erheblichen Überschüssen. Schätzungen zufolge beläuft sich der Kartoffelberg auf mehrere hunderttausend Tonnen – und das, obwohl die Saison für Lagerkartoffeln noch einige Monate andauert. Die großen Fritten-Produzenten verfügen bereits über ausreichende Vorräte, während zugleich der internationale Wettbewerb zunimmt und zusätzliche Absatzmärkte wegbrechen.

Alternativen wie die Verarbeitung zu Tierfutter oder Biokraftstoffen sind nur begrenzt möglich und können die Mengen kaum auffangen. Für die Landwirte bedeutet das: hohe Kosten, aber kaum Einnahmen.

Für Verbraucher hat die Entwicklung hingegen nur begrenzte Auswirkungen. Die niedrigen Preise betreffen vor allem Industriekartoffeln. Für Speisekartoffeln – etwa Bintje oder andere Sorten für den direkten Verzehr – werden weiterhin deutlich höhere Preise erzielt. (belga/calü)

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