April, April! – Gemeinden schnüren „Heizöl-Hilfspaket“

<p>Heizölkunden im Norden der DG erhalten einen Sonderzuschuss, wenn sie ihre</p>
Heizölkunden im Norden der DG erhalten einen Sonderzuschuss, wenn sie ihre

In den vergangenen Wochen verging kaum ein Tag, an dem die Preise für Öl und Gas nicht weiter noch oben kletterten. Kostete Ende Februar 2026 ein Liter Heizöl in Belgien noch 0,81 Euro, müssen Privathaushalte aktuell stolze 1,47 Euro zahlen. Ein sattes Plus von 81 Prozent, das nicht wenigen Bürgern Kopfschmerzen bereitet und ihre Haushaltsplanung durcheinanderwirbelt.

Dabei hat die Problematik mittlerweile auch die Gemeindeverantwortlichen im DG-Norden erreicht. „Ja, uns kontaktieren in den vergangenen Tagen in der Tat immer mehr Bürger, die wissen wollen, ob wir ihnen in dieser außergewöhnlichen Situation nicht finanziell helfen können“, erklärt der Kelmiser Bürgermeister Daniel Hilligsmann (Elan) dem GrenzEcho auf Nachfrage. Angesichts der schwierigen Haushaltslage in der Göhlkommune habe er sie zunächst vertrösten müssen, aber parallel dazu das Gespräch mit seinen Amtskollegen in Eupen, Raeren und Lontzen gesucht, wo sich in den Gemeindehäusern zuletzt ein ähnliches Bild abzeichnete. „Es waren keine einfachen Gespräche, aber letztlich konnten wir uns zu einem Schulterschluss durchringen“, zeigt sich Daniel Hilligsmann mit der gefundenen Lösung zufrieden.

Diese sieht vor, dass Einwohner der vier Nordgemeinden eine finanzielle Unterstützung zur Begleichung ihrer Heizölrechnung beantragen können. Vorgesehen ist ein Pauschalbetrag von 250 Euro pro Haushalt. „Zentrale Bedingung hierfür ist allerdings ein Heizölankauf nach dem 1. März“, erklärt Raerens Bürgermeister Mario Pitz (CSL). Damit wolle man verhindern, dass „Frühtanker“, die sich bereits vor dem Ausbruch des Irankriegs mit dem „schwarzen Heiz-Gold“ eingedeckt haben, ebenfalls in den Genuss dieses Sonderzuschusses kommen. Obligatorisch wird aus diesem Grund die Vorlage des Rechnungsbelegs der erfolgten Heizöllieferung sein.

„Das Ganze ist sprichwörtlich ein Schnellschuss gewesen. Ein Schuss in den Ofen soll es aber keineswegs werden – ganz im Gegenteil“, betont Eupens Stadtoberhaupt Thomas Lennertz (CSP). Weil aktuell noch nicht absehbar ist, wie hoch die Nachfrage seitens der Bevölkerung auf diese Maßnahme tatsächlich sein wird, hat man die zur Verfügung stehende Summe in einer ersten Phase auf 100.000 Euro begrenzt. Heißt konkret: Zunächst können 400 Antragssteller berücksichtigt werden. Sollte dieser Betrag nicht ausreichen, könne nach einer umfangreichen Evaluierung über eine zweite Auflage verhandelt werden, heißt es.

„Vielleicht wählen wir in dieser zweiten Runde dann aber auch ein anderes Verteilungsmodell. Ein bisschen Abwechslung schadet ja nicht“, blickt Lontzens Bürgermeister Patrick Thevissen voraus, dessen Liste Energie angeblich Feuer und Flamme für eine „Tombolavariante“ ist. Demnach könnte per Losverfahren entschieden werden, wer letztlich zu den glücklichen Gewinnern des Heizölzuschusses avanciert. „Rein rechtlich ist das völlig unproblematisch“, ist der Jurist überzeugt.

Dass alle vier Bürgermeister der Aktion so schnell ihren Segen gegeben haben, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass keiner von ihnen das Geld aus dem eigenen kommunalen Haushalt abzweigen muss. „Manchmal ist es dann doch gut, wenn man Bürgermeister und Sonderberater des Ministerpräsidenten in Personalunion ist“, gesteht Daniel Hilligsmann mit einem Augenzwinkern. Der Kelmiser hat seine guten Kontakte zu DG-Regierungschef Oliver Paasch (ProDG) spielen lassen und auf dem kurzen Dienstweg eine Lösung erwirken können. Demnach stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft den vier Kommunen die einmalige Summe von 100.000 Euro zur Verfügung, die sie wiederum aus dem Energie- und Klimaplan entnimmt.

Oliver Paasch: „Wichtig ist, dass die Gelder auch tatsächlich direkt bei den Bürgern ankommen.“

Ein durchaus bemerkenswerter Schritt, wenn man bedenkt, dass die Fördermittel des Energie- und Klimaplans „eigentlich“ auf Nachhaltigkeit Wert legen und auf die Erreichung der Klimaziele ausgerichtet sind. „Diesen Widerspruch kann man so sehen, muss man aber nicht“, äußert sich Oliver Paasch diplomatisch. Denn: „Wichtiger ist doch, dass die Gelder auch tatsächlich direkt bei den Bürgern ankommen – was ja häufig genug nicht der Fall ist.“

Auch bei der Bearbeitung der Zuschussanträge kommt die Deutschsprachige Gemeinschaft den Nordgemeinden entgegen. Alle Formalien werden zentral über das Ministerium in Eupen abgewickelt. Die genaue Vorgehensweise soll in den kommenden Tagen online auf ostbelgienlive.be mitgeteilt werden.

Kommentare

  • Wenn es denn so ist und es kein Aprilscherz ist, wie geht das wenn man Mieter ist und mehrere Parteien in dem Haus wohnen? Die Heizkosten tragen ja wie Mieter , zahlen ja auch wie andere mehr?

  • Ich hoffe für euch, dass das bei diesem sensiblen Thema, kein Aprilscherz ist. Das wäre meiner Meinung in der jetzigen Situation, wo der Geldbeutel so oder so schon strapaziert wird, nicht wirklich feinfühlig. Die Kommentarfunktion auf Facebook wurde bei diesen Artikel schon eingeschränkt.

  • April, April

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