Baugenehmigungen auf Tiefstand: Belgien droht Wohnungsnot

<p>Ein Rohbau mit Baugerüst: Die Zahl der Baugenehmigungen in Belgien ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen.</p>
Ein Rohbau mit Baugerüst: Die Zahl der Baugenehmigungen in Belgien ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen. | Foto: picture alliance/dpa

Damit setzt sich ein klarer Abwärtstrend fort: Bereits das vierte Jahr in Folge sinkt die Zahl der Genehmigungen deutlich. Zum Vergleich: 2021 waren es noch rund 62.000.

Die genehmigten Bauprojekte verteilen sich auf 23.165 Wohnungen und 19.113 Häuser. Besonders stark ist der Einbruch in der Wallonie: Dort wurden nur noch 8.400 Genehmigungen erteilt – ein Rückgang um rund ein Sechstel gegenüber dem Vorjahr. Erstmals seit Beginn der Erhebungen fiel die Zahl damit unter die Marke von 10.000.

Auch in Flandern ging die Zahl leicht zurück (31.532 Genehmigungen, minus zwei Prozent). Einzig in Brüssel zeigt sich ein gegenläufiger Trend: Dort stieg die Zahl auf 2.350 Genehmigungen.

Nicht nur der Neubau schwächelt: Auch die Zahl der Genehmigungen für Renovierungsarbeiten ist gesunken. Mit 25.270 erteilten Genehmigungen wurde hier der niedrigste Stand seit 2017 erreicht.

Branche schlägt Alarm

Für die Bauwirtschaft sind diese Zahlen ein Warnsignal. Der Branchenverband Embuild sieht die Gefahr einer sich zuspitzenden Wohnungsproblematik. „Wir riskieren, rasch mit einer schweren Wohnungskrise konfrontiert zu werden“, erklärt CEO Niko Demeester. Der Bedarf sei enorm: Bis 2050 würden in Belgien rund 900.000 zusätzliche Wohnungen benötigt – unter anderem wegen des Bevölkerungswachstums, kleinerer Haushalte und einer alternden Gesellschaft.

Hohe Kosten bremsen Bauprojekte

Als Gründe für die Entwicklung nennt die Branche vorwiegend steigende Unsicherheiten und Kosten. Die internationale Lage – insbesondere der Konflikt im Nahen Osten – treibe Zinsen und Baupreise weiter nach oben. Gleichzeitig schrecken hohe Steuern viele Familien von Investitionen in Neubauten ab.

„Der Neubau ist für viele Haushalte finanziell kaum noch erreichbar geworden“, warnt Demeester. Um gegenzusteuern, fordert Embuild konkrete Maßnahmen: So soll unter anderem der Mehrwertsteuersatz für den Bau oder Kauf von Hauptwohnsitzen sowie für langfristig vermietete Wohnungen auf sechs Prozent gesenkt werden. (belga/calü)

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