Viele Belgier fürchten Brände – doch Vorsorge bleibt lückenhaft

<p>Rauchmelder funktionieren auch immer nur dann einwandfrei, wenn sie an einer passenden Stelle im Raum montiert sind.</p>
Rauchmelder funktionieren auch immer nur dann einwandfrei, wenn sie an einer passenden Stelle im Raum montiert sind. | Foto: picture alliance/dpa

Demnach nennen 56 Prozent der Belgier ein Feuer im eigenen Zuhause als größte Sorge. Trotzdem fehlt es häufig an grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen. So verfügen 17 Prozent der Haushalte über keinen Rauchmelder – obwohl dieser gesetzlich vorgeschrieben ist. In Brüssel liegt dieser Anteil sogar bei 30 Prozent.

Noch alarmierender: Elf Prozent der Befragten geben an, überhaupt keine Sicherheitsausrüstung zu besitzen – weder Rauchmelder noch Feuerlöscher oder Löschdecke. Auch die Vorbereitung im Ernstfall ist vielfach unzureichend. 86 Prozent der Belgier haben keinen klaren Evakuierungsplan für den Brandfall, in der Wallonie sind es sogar 90 Prozent.

Zudem herrscht Unsicherheit bei Notfällen: 22 Prozent wissen nicht, welche Nummer sie im Ernstfall wählen müssen. Bei den 18- bis 35-Jährigen steigt dieser Anteil sogar auf 27,5 Prozent.

Dabei ist das Risiko keineswegs abstrakt. Rund elf Prozent der Befragten berichten, bereits selbst einen Brand erlebt zu haben – in Brüssel sogar jeder Fünfte. Häufig entstehen Brände im Alltag: durch Kochgeräte (31 Prozent), Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Trockner (14 Prozent) oder offene Flammen (13 Prozent).

Dennoch bleiben riskante Gewohnheiten verbreitet. Fast drei Viertel der Belgier räumen ein, potenziell gefährliche Verhaltensweisen an den Tag zu legen – etwa Ladegeräte dauerhaft eingesteckt zu lassen (45 Prozent) oder laufende Geräte unbeaufsichtigt zu betreiben (42 Prozent). Knapp ein Drittel trifft vor dem Verlassen der Wohnung keinerlei Vorsichtsmaßnahmen.

Ein weiteres Problem: das unterschätzte Tempo eines Brandes. Nur etwa die Hälfte der Befragten weiß, dass bereits drei Minuten ausreichen, um einen Raum in eine lebensgefährliche Situation zu verwandeln.

Experten mahnen daher zu mehr Aufmerksamkeit. „Wenn ein Brand ausbricht, zählt jede Sekunde. Eine schnelle Erkennung kann entscheidend sein und den Bewohnern ermöglichen, rechtzeitig zu fliehen“, erklärt Vincent Rousseau, Managing Director vom Sicherheitsunternehmen Verisure, gegenüber der Zeitung „La Meuse“.

Zwar verfügen mittlerweile 83 Prozent der Haushalte über Rauchmelder, doch meist handelt es sich um einfache Modelle. Vernetzte Systeme, die auch aus der Ferne Alarm schlagen können, sind noch wenig verbreitet.

Dabei zeigen Erfahrungen, wie wichtig frühe Warnung ist. „Der Rückgang der Opferzahlen in Brüssel seit Einführung der Rauchmelderpflicht zeigt, dass eine frühzeitige Erkennung Leben retten kann“, betont Peter Van Rossum von der gemeinnützigen Organisation Oscare, die Menschen mit Verbrennungen und Narben durch Brandwunden unterstützt. Gleichzeitig warnt er gegenüber „La Meuse“: „Wenn ein Feuer ausbricht, wird die Gefahr oft zu spät erkannt. Vernetzte Rauchmelder, die direkt eine Leitstelle alarmieren, können hier entscheidend sein.“

Die Studie macht deutlich: Zwischen Angst und tatsächlicher Vorsorge klafft in vielen belgischen Haushalten noch immer eine gefährliche Lücke. (calü)

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