Für Betroffene bedeutet das eine längere Leidenszeit. Denn derzeit überlagern sich mehrere Pollenphasen: Hasel und Erle sind noch in der Luft, während die Birke – einer der stärksten Allergieauslöser in Belgien – bereits dazukommt. Die Folge ist eine deutlich verlängerte Belastung durch Allergene.
Die Auswirkungen sind erheblich. Mindestens jeder fünfte Belgier leidet unter Allergien, etwa jeder zehnte reagiert speziell auf Birkenpollen. In den vergangenen Tagen wurden zudem bereits kritische Konzentrationen gemessen: Ab etwa 80 Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft entwickeln die meisten Betroffenen Symptome wie Niesen, gereizte Augen oder sogar Atembeschwerden. Bei trockenem und windigem Wetter könnten die Werte weiter steigen.
Doch das frühe Auftreten ist kein Einzelfall. Es ist Teil einer langfristigen Entwicklung. „Wir beobachten seit mehreren Jahren eine Verschiebung der Pollensaisonen: Sie beginnen früher, dauern länger und werden intensiver. Der Klimawandel spielt dabei eine zentrale Rolle“, erklärt Nicolas Bruffaerts, Aerobiologe und Leiter der Pollenüberwachung beim Gesundheitsinstitut Sciensano, gegenüber der Zeitung „La Dernière Heure“. „Höhere Temperaturen und mehr CO₂ fördern die Pollenproduktion. Hinzu kommen Faktoren wie Umweltverschmutzung oder Urbanisierung, die die Bäume unter Stress setzen und dazu führen, dass sie mehr Pollen produzieren.“
Die Folge: Immer mehr Menschen sind betroffen. Rund 30 Prozent der Belgier leiden bereits an Allergien. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte bis 2050 jeder Zweite betroffen sein – mit zunehmend stärkeren und länger anhaltenden Symptomen.
Experten raten daher zu frühzeitigem Handeln. Allergiker sollten rechtzeitig mit einer Behandlung beginnen und sich regelmäßig über die aktuelle Pollensituation informieren. Auch eine frühzeitige Diagnose sowie langfristige Therapien wie eine Desensibilisierung gewinnen an Bedeutung.
Denn was oft als saisonales Ärgernis abgetan wird, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem. (calü)

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