Männer werden rar: Justiz sucht gezielt Nachwuchs

<p>Ungleichgewicht droht: Magistratur will mehr Männer gewinnen.</p>
Ungleichgewicht droht: Magistratur will mehr Männer gewinnen. | Foto: belga

Der Trend ist deutlich: Der Anteil weiblicher Magistrate wächst seit Jahren stark. Bereits 2013 waren Frauen erstmals in der Mehrheit. Heute stehen 1.678 Richterinnen und Staatsanwältinnen nur noch 969 männlichen Kollegen gegenüber – knapp zwei Drittel der Magistraten sind damit weiblich.

Und diese Entwicklung dürfte sich weiter verstärken. „Es beginnen mehr Frauen mit der Ausbildung, und in den kommenden Jahren gehen deutlich mehr Richter in Pension – primär Männer“, erklärt Charlotte Verhaeghe vom Hohe Justizrat .

Gerade deshalb mahnt der Rat zur Balance. Vielfalt sei entscheidend für die Qualität der Rechtsprechung. „Eine gute Abbildung der Gesellschaft sorgt für Vertrauen. Die besten Lösungen entstehen aus unterschiedlichen Perspektiven und Sichtweisen“, heißt es.

Um gegenzusteuern, will die Justiz gezielt mehr Männer für den Beruf gewinnen – ohne dabei andere Gruppen aus dem Blick zu verlieren. Ziel ist es, eine möglichst breite und diverse Bewerberbasis anzusprechen.

Ein wichtiger Schritt ist dabei die „Woche der Magistratur“, mit der derzeit insbesondere Jurastudenten für eine Laufbahn als Richter oder Staatsanwalt sensibilisiert werden sollen. Dabei erhalten sie die Möglichkeit, Praktiker im Berufsalltag zu begleiten und Einblicke in die Karrierewege zu gewinnen.

Der Bedarf ist groß: Zwischen 2029 und 2034 werden jährlich im Schnitt rund 60 neue Richter benötigt. „Wenn männliche Jurastudenten die Magistratur meiden, halbiert sich der Kreis potenzieller Kandidaten“, warnt Verhaeghe.

Die Justiz steht damit vor einer doppelten Herausforderung: ausreichend Nachwuchs zu finden – und zugleich die Vielfalt innerhalb der Institution zu sichern. (belga/calü)

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