Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Neueinsteiger deutlich zurückgegangen: Zwischen 2013 und 2022 sank sie von mehr als 94.000 auf knapp 47.000 Patienten – ein Rückgang um 51 Prozent. Dennoch steigt der Gesamtverbrauch weiter an. Grund dafür ist die Dauer der Behandlungen: Rund ein Drittel der Patienten nimmt Antidepressiva 15 Monate oder länger ein.
Tatsächlich erreichte die Gesamtzahl der Nutzer im Jahr 2021 sogar einen Höchststand. Viele Therapien dauern länger, als es die medizinischen Leitlinien eigentlich vorsehen.
Gleichzeitig sehen die Forscher aber auch positive Entwicklungen. Wer in den vergangenen Jahren mit Antidepressiva begonnen hat, setzt die Medikamente tendenziell schneller wieder ab. Das deutet auf ein verändertes Verschreibungsverhalten und ein wachsendes Bewusstsein für die Risiken einer langfristigen Einnahme hin.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Hausärzte, die in rund vier von fünf Fällen die Medikamente verschreiben. Auffällig ist jedoch: Patienten, die häufig ihren Hausarzt aufsuchen, nehmen Antidepressiva eher langfristig ein. Wird die Behandlung hingegen von einem Spezialisten begleitet, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Einnahme.
Für CKK-Chef Luc Van Gorp ist klar, dass hier angesetzt werden muss. „Es braucht mehr Instrumente, um einen langfristigen Gebrauch von Antidepressiva zu vermeiden und regelmäßig zu hinterfragen“, betont er. Gleichzeitig unterstreicht er die Bedeutung psychologischer Betreuung im ersten Versorgungsbereich – gegebenenfalls in Kombination mit Medikamenten.
Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. Menschen mit geringem Einkommen greifen häufiger und länger zu Antidepressiva. Für sie ist die medikamentöse Behandlung oft leichter zugänglich als eine psychologische Therapie – nicht zuletzt wegen der geringeren Eigenkosten.
Die Krankenkasse fordert deshalb zusätzliche Investitionen in die psychologische Versorgung sowie mehr Unterstützung für Hausärzte beim schrittweisen Absetzen der Medikamente. Ziel sei es, insbesondere für vulnerable Gruppen den Zugang zu Therapieangeboten zu verbessern.
„Viele Patienten erwarten von ihrem Arzt eine schnelle Lösung und sehen in einer Tablette den einfachsten Weg“, sagt Van Gorp. „Bei Angst und Depression wird daher oft zuerst zu Medikamenten gegriffen – aber das ist nicht die einzige Antwort.“
Für die Studie wurden Abrechnungsdaten von mehr als 700.000 CKK-Mitgliedern im Alter von 18 bis 85 Jahren aus dem Zeitraum 2013 bis 2023 ausgewertet. (belga/calü)

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