Sehnsuchtsziel Sanremo: Tadej Pogacar will Lücke in der Vita schließen

<p>Tadej Pogacar vor dem Gewinner des Frühjahrs-Klassikers 2025, Mathieu van der Poel.</p>
Tadej Pogacar vor dem Gewinner des Frühjahrs-Klassikers 2025, Mathieu van der Poel. | Foto: dpa

Bei der Tour de France ist Tadej Pogacar der Top-Favorit auf Gelb, das WM-Trikot trägt er seit fast zwei Jahren, das letzte Sensations-Solo bei einem Klassiker ist keine zwei Wochen her. Doch wenn der alles dominierende Radsport-Superstar an Mailand-Sanremo denkt, schrumpft der „Außerirdische“ plötzlich auf menschliches Maß. „In gewisser Weise ist Mailand–Sanremo ein beängstigendes Rennen“, sagte Pogacar.

Explosivität, Taktik

und Rennintelligenz

„La Primavera“, die Fahrt in den Frühling, ist eines der unberechenbarsten Rennen im gesamten Kalender. Das erste Monument des Jahres, so lautet eine alte Radsport-Weisheit, ist leicht zu beenden, aber schwierig zu gewinnen. Pogacar, dekoriert mit 109 Profisiegen, vier Tour-Titeln und zehn Erfolgen bei den fünf Monumenten, hat es noch nie für sich entschieden.

Die Lücke in seiner Vita kratzt am Ego. Das Rennen, sagte der Slowene einmal, werde ihn noch ins Grab bringen. „Es ist kein Geheimnis, dass Mailand–Sanremo ein Rennen ist, das ich gerne gewinnen würde.“ Vier Mal hat Pogacar Mailand-Sanremo unter den Top 5 beendet. Doch selbst in seiner Fabelsaison 2024, in der er unter anderem die seltene „Dreifach-Krone“ aus Giro d'Italia, Tour de France und Straßen-WM gewann, klappte es nicht mit dem Sanremo-Sieg. „Das Rennen liegt mir gut, passt aber auch vielen anderen Topfahrern. Ich sehe das als eine gute Herausforderung“, sagte Pogacar.

Anders als bei der Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich oder Paris-Roubaix fehlen in Norditalien die markanten Hügel oder Kopfsteinpflaster-Passagen. Mailand-Sanremo wird über Explosivität, Taktik und Rennintelligenz entschieden - und bietet Klassikerjägern wie Sprintern gleichermaßen realistische Siegchancen. Die enorme Länge - am Samstag führt der Kurs bei der 117. Ausgabe über 298 km von Pavia nach Sanremo - ist eine weitere Hürde.

Traditionell wird das Finale an den beiden Anstiegen Cipressa und Poggio eingeleitet. Pogacar wird hier aller Voraussicht nach wie im Vorjahr die Entscheidung erzwingen wollen, um einen Zielsprint auf der Via Roma zu verhindern. 2025 ließen sich der Italiener Filippo Ganna und der zweimalige Sanremo-Champion Mathieu van der Poel nicht abschütteln. Pogacar wurde Dritter im Zielsprint.

Die Form jedenfalls ist herausragend gut. Vor knapp zwei Wochen gewann Pogacar seinen Saisoneinstand beim spektakulären Schotterrennen Strade Bianche mit einem 80-km-Solo. An der Schlüsselstelle Cipressa stellte Pogacar Anfang März laut Strava-Datenbank einen inoffiziellen Rekord (8:51 Minuten) auf.

Die Rivalen, allen voran van der Poel, sind gewarnt. „Wenn mir nur ein Prozent Leistung fehlt, ist Tadej auf der Cipressa schon weg“, sagte der Niederländer, der seine bestechende Verfassung mit zwei Etappensiegen bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico unter Beweis gestellt hat. Am Samstag treffen die Giganten erstmals in der laufenden Saison aufeinander. Ex-Weltmeister van der Poel, im April auch der große Rivale bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, will Pogacars Premierensieg noch einmal verhindern. Ewig, da ist sich van der Poel sicher, wird ihm das nicht gelingen: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Tadej dieses Rennen gewinnt.“ (sid/kupo)

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