Minister Vandenbroucke kündigt Studie zu Geschlechterunterschieden bei Medikamenten an

<p>Minister Frank Vandenbroucke</p>
Minister Frank Vandenbroucke | Foto: belga

Untersucht werden soll, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es in Belgien bereits zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Medikamenten gibt – und wo noch Wissenslücken bestehen. Der Minister kündigte die Initiative am Montagabend an, als er eine Kampagne der Frauenorganisation Rebelle abschloss.

Symbolischer Protest

Die Organisation überreichte dem Minister eine offene Petition mit 3.542 Unterschriften sowie eine überdimensionale Verpackung eines fiktiven Medikaments namens „Rebelline“. Hinter dem Namen verbarg sich eine symbolische Protestaktion: Tatsächlich enthielt die Packung lediglich bunte Fruchtbonbons.

Mit der Aktion wollte Rebelle darauf aufmerksam machen, dass Frauen in medizinischen Studien nach wie vor zu wenig berücksichtigt werden. Die Kampagne lief seit dem vergangenen Sommer.

In ihrem offenen Brief fordert die Organisation unter anderem mehr strukturelle Mittel für Forschung zu geschlechts- und genderspezifischen Medikamenten, eine geschlechtersensible Ausbildung im Gesundheitswesen, Behandlungsrichtlinien, die stärker auf den weiblichen Körper zugeschnitten sind, sowie eine strengere Anwendung der europäischen Regeln für klinische Studien.

Studie als erster Schritt

Minister Vandenbroucke zeigte sich offen für diese Forderungen. „Die einfache Antwort ist: ja. Aber das wird schrittweise geschehen müssen“, erklärte er.

Als ersten Schritt will er eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme in Auftrag geben. „Zunächst lasse ich durch das KCE eine Literaturstudie durchführen, um festzustellen, was wir über Geschlechterunterschiede bei Medikamenten wissen und was nicht. Daraus sollen Empfehlungen für die nächsten Schritte entstehen“, so der Minister.

Sollten daraus konkrete Maßnahmen folgen, könnte Belgien sogar eine Vorreiterrolle einnehmen. „So könnten wir auf europäischer Ebene zu Pionieren einer geschlechtsspezifischen Pharmakotherapie werden und eine innovative, patientenorientierte und qualitativ hochwertige Gesundheitspolitik verfolgen“, erklärte Vandenbroucke.

Mehr Nebenwirkungen bei Frauen

Die Forderungen nach mehr Forschung stützen sich auch auf bestehende Daten. Studien zeigen, dass Frauen zwischen 50 und 60 Prozent häufiger Nebenwirkungen von Medikamenten erleben als Männer.

Zudem würden bestimmte Krankheiten, die vor allem Frauen betreffen – etwa Endometriose oder das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) – weiterhin zu wenig erforscht.

Nach Ansicht der Organisation ist dies unter anderem auf die jahrzehntelange Unterrepräsentation von Frauen in klinischen Studien, mangelndes Wissen über spezifische Erkrankungen sowie geschlechterbedingte Vorurteile im Gesundheitssystem zurückzuführen.

Thema soll dauerhaft auf der Agenda bleiben

Für Rebelle ist die nun angekündigte Studie erst ein Anfang. „Das ist erst der Anfang. Wenn wir echte Veränderungen erreichen wollen, müssen wir diesem Thema weiterhin Aufmerksamkeit schenken“, betont Isa Verlaenen, Direktorin der Organisation. „Patienten, medizinisches Personal und politische Entscheidungsträger müssen im Gespräch bleiben“, fügt sie hinzu. Nur so könne langfristig eine medizinische Versorgung entstehen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von Frauen und Männern gerecht wird. (belga/calü)

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