Flugzeug beschleunigt irrtümlich auf Rollbahn bis 235 km/h

<p>Ein Airbus der Fluggesellschaft SAS beschleunigte am Brussels Airport irrtümlich auf einer Rollbahn und stoppte erst bei rund 235 km/h – wenige Meter vor einem Zaun.</p>
Ein Airbus der Fluggesellschaft SAS beschleunigte am Brussels Airport irrtümlich auf einer Rollbahn und stoppte erst bei rund 235 km/h – wenige Meter vor einem Zaun. | Archivbild: belga

Laut dem vorläufigen Bericht der belgischen Air Accident Investigation Unit (AAIU) ereignete sich der Vorfall am Abend des 5. Februar. Das Flugzeug mit 158 Personen an Bord sollte nach Kopenhagen fliegen und hatte die Freigabe zum Start auf der Bahn 07R erhalten. Um Zeit zu sparen, schlug die Flugsicherung eine kürzere Route über die Kreuzung C6 vor.

Im Dunkeln und bei nasser Fahrbahn gingen die Piloten davon aus, die entsprechende Stelle erreicht zu haben. Tatsächlich befanden sie sich jedoch noch auf der parallel verlaufenden Rollbahn E1.

Die Verwechslung könnte laut Bericht dadurch verstärkt worden sein, dass die Flugsicherung die rote Stopp-Leuchte an der eigentlichen Kreuzung C6 löschte, während sich das Flugzeug der falschen Abzweigung näherte. Zudem war ein wichtiges beleuchtetes Hinweisschild zu diesem Zeitpunkt defekt.

Während der Beschleunigung bemerkte der Kapitän, dass das Sichtfeld nach vorne „immer enger“ wurde. Schließlich erkannte der Copilot den Fehler und rief „Stop, stop, stop“. Daraufhin wurden Bremsen und Schubumkehr sofort aktiviert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Flugzeug bereits 127 Knoten (etwa 235 km/h) erreicht. Die sogenannte Entscheidungsgeschwindigkeit, bis zu der ein Start noch sicher abgebrochen werden kann, lag bei 132 Knoten.

Das Flugzeug kam schließlich wenige Meter vor einem Zaun und einer öffentlichen Straße zum Stillstand. Die Passagiere verließen das Flugzeug über mobile Treppen und wurden mit Bussen zum Terminal gebracht. Verletzt wurde niemand.

Die Ermittler weisen darauf hin, dass die betreffende Stelle auf dem Flughafen als sogenannter „Hot Spot“ gilt – ein komplexer Bereich, der besondere Aufmerksamkeit erfordert. Zum Zeitpunkt des Vorfalls betreute ein einziger Fluglotse sowohl den Boden- als auch den Startbahnverkehr und war für sieben Flugbewegungen gleichzeitig zuständig. Ein zweiter Lotse befand sich in der Pause.

Der Bericht stellt außerdem fest, dass das Flugzeug zwar über grundlegende Startüberwachungssysteme verfügte, jedoch nicht über neuere Software wie TOS2 oder ein Runway Awareness and Advisory System (RAAS), das vor Starts auf einer falschen Bahn warnen kann. Die Fluggesellschaft SAS kündigte inzwischen an, ihre Flugzeuge schneller mit einer digitalen „Airport Moving Map“ zur besseren Orientierung am Boden auszurüsten.

Die vollständige Untersuchung, insbesondere zu menschlichen Faktoren und den Abläufen in der Flugsicherung, könnte noch rund ein Jahr dauern. (belga/rt)

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