Demnach wurden zwischen 2015 und 2024 insgesamt über 43.000 junge Menschen als sogenannte unbegleitete Minderjährige registriert – also Kinder oder Jugendliche, die ohne Eltern oder gesetzliche Vertreter nach Belgien kommen. Die große Mehrheit von ihnen waren Jungen (86 Prozent), während 14 Prozent Mädchen waren.
Die meisten dieser Jugendlichen waren bei ihrer Registrierung bereits älter. Laut Myria gehörten 63 Prozent zur Altersgruppe der 16- bis 17-Jährigen, während 33 Prozent zwischen 11 und 15 Jahre alt waren.
Bei den Herkunftsländern tauchen in den vergangenen Jahren besonders häufig Afghanistan, Marokko und Eritrea auf. Seit 2022 ist zudem die Zahl der ukrainischen Minderjährigen gestiegen – eine Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Besorgniserregend ist laut Myria auch die Zahl der Vermisstenfälle. Im selben Zeitraum registrierte der zuständige Dienst durchschnittlich 758 verschwundene unbegleitete Minderjährige pro Jahr. In 15 Prozent der Fälle wurde das Verschwinden als besonders besorgniserregend eingestuft.
Nur wenige Asylanträge wegen Menschenhandel
Zwischen 2018 und 2024 traf das Generalkommissariat für Flüchtlinge und Staatenlose (CGRA) insgesamt 6.439 Entscheidungen zu 6.292 Asylanträgen, die von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen gestellt worden waren.
In lediglich sechs Fällen wurde Menschenhandel als Hauptgrund für den Antrag angegeben – weniger als 0,1 Prozent der behandelten Dossiers.
Zunehmende Fälle sexueller Ausbeutung
Parallel dazu verzeichnete die Kinderschutzorganisation Child Focus zwischen 2022 und 2024 insgesamt 228 Meldungen über sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen in der Prostitution.
Mehr als die Hälfte dieser Fälle betraf Jugendliche, die zum Zeitpunkt der Ereignisse in Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht waren. Die Zahl der Meldungen stieg von 61 Fällen im Jahr 2022 auf 73 im Jahr 2023 und 94 im Jahr 2024.
„In der großen Mehrheit dieser Meldungen gab es konkrete Hinweise auf die Beteiligung eines Zuhälters an der sexuellen Ausbeutung der minderjährigen Opfer“, erklärt Myria. Das traf auf 159 Fälle – also rund 70 Prozent – zu. (belga/calü)

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