Jährlich erleiden in Belgien rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall. Besonders kritisch sind die ersten Stunden nach dem Auftreten der Symptome – die sogenannte hyperakute Phase. In dieser Zeit zählt jede Minute: Ohne Sauerstoff sterben pro Minute etwa zwei Millionen Gehirnzellen ab.
In dieser frühen Phase kommen vor allem zwei medizinische Verfahren zum Einsatz. Bei der Thrombolyse wird ein Medikament über die Vene verabreicht, das das Blutgerinnsel auflösen soll, das eine Arterie im Gehirn blockiert.
Die Thrombektomie ist ein komplexerer Eingriff: Dabei entfernt ein spezialisierter Radiologe das Gerinnsel direkt aus dem betroffenen Blutgefäß im Gehirn. Für diese Behandlung braucht es ein speziell ausgestattetes Team, einen Angiografieraum und eine spezialisierte Stroke-Unit.
Mehr Behandlungen als früher
Der Bericht zeigt, dass diese Therapien inzwischen häufiger angewendet werden. Im Jahr 2024 boten 94 von 96 befragten Krankenhäusern rund um die Uhr Thrombolysen an. Gleichzeitig sank die Zahl der Kliniken, die Thrombektomien durchführen, von 32 in den Jahren 2021–2022 auf 20 im Jahr 2024.
Insgesamt verfügen 79 Krankenhäuser über eine sogenannte Stroke-Unit, was die Überlebens- und Genesungschancen der Patienten deutlich verbessert. In 52 dieser Einrichtungen sind bei jeder Schicht speziell ausgebildete Pflegekräfte im Einsatz.
Belgien nähert sich europäischen Spitzenwerten
Auch die Zahl der durchgeführten Behandlungen steigt. Der Anteil der Patienten, die in der hyperakuten Phase eine Thrombolyse erhalten, stieg von 17 Prozent auf 18,8 Prozent. Damit nähert sich Belgien den besten europäischen Ergebnissen an, etwa in Norwegen, den Niederlanden oder der Schweiz.
Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während in Flandern durchschnittlich 18,9 Prozent der Patienten diese Behandlung erhalten, liegt der Anteil in Brüssel bei 16,8 Prozent und in der Wallonie bei 13,4 Prozent. Auch zwischen einzelnen Krankenhäusern schwankt der Wert stark – zwischen 5 und 26 Prozent.
Unterschiede auch bei komplexeren Eingriffen
Der Anteil der Patienten, die eine Thrombektomie erhalten, stieg ebenfalls – von 7,2 auf 9,5 Prozent. Auch hier nähert sich Belgien europäischen Spitzenwerten an.
Zwischen den Regionen gibt es dabei keine großen Unterschiede, wohl aber zwischen einzelnen Krankenhäusern. Dort schwankt der Anteil der Eingriffe zwischen 1 und 13 Prozent.
Soziale Unterschiede bei der Behandlung
Der Bericht weist zudem auf soziale Ungleichheiten hin. Patienten mit erhöhter Kostenübernahme im Gesundheitssystem – also meist Menschen mit geringem Einkommen – haben statistisch geringere Chancen, eine Thrombolyse oder Thrombektomie zu erhalten. Auch bildgebende Untersuchungen werden bei ihnen seltener durchgeführt. Wer hingegen mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht wird, hat deutlich bessere Chancen auf eine schnelle Diagnose und Behandlung.
Kritik an Organisation der Versorgung
Die Autoren des Berichts sehen deshalb Verbesserungsbedarf bei der Organisation der Schlaganfallversorgung in Belgien. Derzeit würden wichtige Indikatoren nicht in allen Krankenhäusern systematisch erfasst. Um einen gleichberechtigten Zugang zu hochwertiger Behandlung sicherzustellen, müssten diese Daten landesweit einheitlich gesammelt werden.
Der Bericht formuliert 15 Empfehlungen an die Krankenhäuser sowie mehrere Prioritäten für die Behörden, um die Versorgung künftig weiter zu verbessern. (belga/calü)

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