Konkret handelt es sich um sogenannte „selektive“ Fallen. Sie bestehen aus einem Glas mit einem speziellen Deckel, dessen Öffnung so konzipiert ist, dass die kleinere Asiatische Hornisse hindurchpasst, während größere Insekten wie die Europäische Hornisse oder Hummeln ausgesperrt bleiben. „Kleinere Tiere wie Bienen, Wespen oder Fliegen können zwar hinein, finden jedoch in der Regel wieder heraus – die Asiatische Hornisse hingegen nicht“, erklärte Patrick Josten, Schriftführer des Imkervereins St.Vith und Umgebung. Die Fallen werden mit einer Mischung aus einem Drittel Süßstoff (z. B. Grenadine), einem Drittel Wein und einem Drittel Bier befüllt. Zusätzlich wird ein Schwamm oder Sägemehl hinzugefügt, damit die gefangenen Tiere nicht ertrinken.
Am 14. März wird an den Wachen St.Vith und Eupen über Verteilung und Handhabung informiert.
Insgesamt 2.000 dieser Fallen stellt die Provinz Lüttich der DG zur Verfügung. Sie werden jeweils zur Hälfte in den Feuerwehrwachen St.Vith und Eupen gelagert und von dort aus verteilt. Während in Eupen die Gemeinden gemeinsam mit der Hilfeleistungszone (HLZ) die Verteilung koordinieren, übernimmt diese Aufgabe in der Eifel der Imkerverein in Zusammenarbeit mit der HLZ. Zunächst gehen die Fallen an interessierte Imker sowie an Naturschutzorganisationen wie Natagora Ostbelgien, AVES-Ostkantone oder Rechter Weiher – vorausgesetzt, es finden sich Freiwillige für die Betreuung. Denn die Fallen müssen regelmäßig kontrolliert werden: idealerweise täglich, um Beifang freizulassen, spätestens jedoch alle zwei Tage, so Josten.
Ziel ist es, schrittweise ein Netzwerk aufzubauen, das das Vorkommen der Asiatischen Hornisse dokumentiert. Dafür sind auch Privatpersonen gefragt: Sie können Fallen übernehmen und betreuen, um bislang nicht erfasste Gebiete abzudecken. Die Fallen werden mit QR-Codes ausgestattet. Über einen ersten Code hinterlegen die Nutzer ihre Standortdaten. Kommt es zu einem Fang, wird ein zweiter Code gescannt, der zu einer kurzen Umfrage führt, in der die relevanten Angaben eingetragen werden. Diese Daten werden anschließend automatisch in eine digitale Karte übertragen. „Die Programmierung sollte in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. Am Ende wollen wir den Arbeitsaufwand für alle möglichst gering halten“, erklärt Eric Fonk, Präsident des Imkervereins.

Ohne eine konsequente Nachverfolgung der Fallen ergebe das gesamte Vorhaben keinen Sinn, betont auch Francis Cloth, Kommandant der Hilfeleistungszone DG: „Wir müssen genau feststellen können, wo die Hornissen auftreten, um anschließend gezielt die ‚schwarzen Löcher‘ auf der Karte zu schließen, indem auch dort Fallen aufgestellt werden. Das muss möglichst schnell geschehen.“
Die Verteilung der Fallen sowie Erklärungen zur Handhabung finden am Samstagnachmittag, 14. März, an den Feuerwachen in St.Vith und Eupen statt. Das Angebot richtet sich sowohl an Mitglieder von Organisationen als auch an interessierte Bürger – denn „2.000 Fallen sind eine ganze Menge“, so Francis Cloth. Die Verantwortlichen betonen jedoch, dass Verständnis gefragt ist, wenn in einzelnen Gebieten bereits genügend Fallen vergeben wurden und daher für diese Gebiete keine weiteren ausgegeben werden können.
Wird eine Asiatische Hornisse gefangen oder gesichtet, soll dies dem Imkerverein gemeldet werden. Gefangene Tiere sollen mitsamt Falle für etwa eine Stunde in den Tiefkühler gelegt werden, um sie in Kältestarre zu versetzen, und anschließend zu zertreten. Bei der Entdeckung eines Nestes ist hingegen die Hilfeleistungszone zu informieren – über die Notrufnummer 112, die Plattform 1722.be oder das Portal auf hlzdg.be, über das auch Fotos übermittelt werden können. Eine eigenständige Entfernung der Nester wird ausdrücklich nicht empfohlen.
Der ausgearbeitete Strategieplan zur Eindämmung, dessen Koordination die HLZ übernimmt, ist für das Jahr 2026 in drei Phasen gegliedert: Zunächst wird bis Ende Mai ein flächendeckendes Fallennetzwerk aufgebaut. In dieser Phase stehen das Fangen und Beobachten der Asiatischen Hornisse im Vordergrund. In der zweiten Phase, von Juni bis Mitte August, folgt die Auswertung der gesammelten Daten. Den Abschluss bildet die dritte Phase am Ende der Saison. Dann geht es um die gezielte Bekämpfung der sogenannten Sekundärnester, um die Entstehung neuer Gründerinnen im Folgejahr möglichst zu verhindern. Gleichzeitig betont die HLZ, dass es sich um einen ersten konkreten Versuch handelt, die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse einzudämmen. Die Maßnahmen sollen daher im Anschluss ausgewertet werden, um daraus Erkenntnisse und Verbesserungen für die kommenden Jahre abzuleiten.

Erstmals wurde die Asiatische Hornisse im Jahr 2004 in Europa nachgewiesen – im Raum Bordeaux. Nur zwei Jahre später, 2006, folgten die ersten Sichtungen in Belgien, konkret in Tournai. Seither hat sich die invasive Art stark ausgebreitet: 2023 wurden bereits rund 2.000 Nester allein in der Wallonie registriert, wie Patrick Josten bei der Versammlung erläuterte.
Die ersten Nachweise im Süden der DG stammen aus dem Jahr 2023. Damals wurde sie sowohl im Bienenbestand von Eric Fonk als auch im Bereich des ehemaligen Bahnhofs in Lommersweiler festgestellt. 2024 blieb die Region zunächst von weiteren Sichtungen verschont, ehe vergangenes Jahr das erste Nest einer Gründerin entdeckt wurde. In der Folge nahm die Zahl der Funde deutlich zu: In zahlreichen Dörfern aller fünf Eifelgemeinden wurden weitere Nester gemeldet. Das Ausbreitungspotenzial ist erheblich. „Man geht davon aus, dass im Herbst aus einem Volk 400 bis 500 neue Königinnen entstehen, von denen etwa 50 bis 100 den Winter überleben“, erklärte Patrick Josten. Zudem könnten sich theoretisch bis zu 15 Nester pro Quadratkilometer ansiedeln. Hochgerechnet auf das Gebiet der fünf Eifelgemeinden ergäbe das ein Potenzial von rund 3.000 Nestern – auch wenn aktuell von etwa 150 Nestern ausgegangen wird.
Im Eupener Land ist die Entwicklung bereits weiter fortgeschritten. Als Gründe gelten die niedrigere Lage mit milderen Winterbedingungen sowie die höhere Bevölkerungsdichte, die der Asiatischen Hornisse offenbar günstigere Lebensbedingungen bietet.
Hintergrund
Erkennungsmerkmale der Asiatischen Hornisse und Problematik in Europa

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