König Albert I. und seine Leidenschaft fürs Klettern – Neue Biografie enthüllt Details

<p>Vitale Bramani (l.), König Albert I. und Paula Wiesinger 1931 auf der Grigna</p>
Vitale Bramani (l.), König Albert I. und Paula Wiesinger 1931 auf der Grigna | Foto: Archiv des Königlichen Palastes, Brüssel.

Das Buch „Paula Wiesinger. Die legendäre Bergführerin und der König“ des belgischen Journalisten Mark Sebille zeichnet erstmals detailliert nach, wie eng die Verbindung zwischen dem belgischen Königshaus und der außergewöhnlichen Alpinistin war.

In den 1930er-Jahren galt der sechste Schwierigkeitsgrad als äußerste Grenze des Machbaren. Wiesinger gehörte zu den ersten Frauen, die diese Marke souverän durchstiegen – häufig im Vorstieg. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans Steger führte sie renommierte Alpinisten durch die anspruchsvollsten Wände der Dolomiten. Zu ihren prominentesten Seilpartnern zählten Albert I. und später König Leopold III. Sebille konnte für sein Buch auf bislang unveröffentlichte Dokumente und Fotografien aus den königlichen Archiven in Brüssel zurückgreifen. Sie zeigen nicht nur sportliche Ambitionen, sondern auch persönliche Nähe. Aus gemeinsamen Touren entwickelte sich eine langjährige Freundschaft – getragen von Respekt und der gemeinsamen Leidenschaft für das Hochgebirge. Albert I. war für seine Liebe zum Alpinismus bekannt. Dass er sich dabei von einer Frau führen ließ, war in jener Zeit keineswegs selbstverständlich. Wiesinger galt als technisch brillant, entschlossen und physisch außergewöhnlich stark – Eigenschaften, die sie zur idealen Partnerin für ambitionierte Routen machten. Die Archivbilder dokumentieren Momente fernab des höfischen Protokolls: der König im Klettergurt, am Hanfseil gesichert, konzentriert am Fels. Es sind Aufnahmen, die ein weniger offizielles Porträt des Monarchen zeigen.

Wiesinger war jedoch weit mehr als königliche Seilpartnerin. Sie war eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen Italiens ihrer Zeit, gewann 1932 WM-Gold in der Abfahrt und nahm 1936 an den Olympischen Winterspielen teil. Zudem arbeitete sie als Stuntfrau für Leni Riefenstahl. Nach ihrer aktiven Karriere führte sie mit ihrem Mann einen Gasthof auf der Seiser Alm, den sie zu einem renommierten Hotel ausbaute. Dass ein belgischer Autor diese Geschichte erzählt, ist kein Zufall. Mark Sebille wurde 1982 nach einer Himalaya-Expedition von König Baudouin empfangen. In dem Gespräch erinnerte der Monarch an die Klettertouren seines Vaters Leopold. Jahrzehnte später stieß Sebille in Brüssel auf Fotografien, die Albert und Leopold am Berg zeigen – an der Seite von Hans Steger. Die Spur führte ihn zu Paula Wiesinger. (red/sc)


Mark Sebille: Paula Wiesinger. Die legendäre Bergführerin und der König. Kletterpartien in den Dolomiten; ISBN 978-88-7283-979-9

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