Soziale Netzwerke haben laut dem Verkehrssicherheitsinstitut Vias einen spürbaren Einfluss auf das Fahrverhalten junger Menschen. „Je häufiger junge Erwachsene Videos mit riskantem Verhalten im Straßenverkehr sehen, desto eher übernehmen sie dieses Verhalten selbst und riskieren Bußgelder“, teilte das Institut am Freitag mit.
Grundlage ist eine Studie mit zwei Teilen: einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 jungen Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren sowie einer Analyse von 80 Videos, die riskantes Verhalten im Straßenverkehr zeigen.
Regelmäßige Konfrontation mit riskanten Inhalten
13 Prozent der Befragten gaben an, nahezu täglich entsprechende Videos in sozialen Netzwerken zu sehen. 24 Prozent stoßen wöchentlich auf solche Inhalte. Junge Männer sind häufiger betroffen als junge Frauen. Verbreitet werden die Videos vor allem über TikTok und Instagram.
Zudem verstärken Algorithmen die Sichtbarkeit ähnlicher Inhalte, sobald Nutzer mit entsprechenden Videos interagieren. Dadurch entsteht laut Vias eine erhöhte Exposition gegenüber riskanten Darstellungen.
Zusammenhang mit Verkehrsverstößen
Die Studie zeigt nach Angaben des Instituts einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit solcher Inhalte und selbstberichteten Verkehrsverstößen. Junge Erwachsene, die häufiger entsprechende Videos sehen, erklärten demnach auch öfter, Bußgelder erhalten zu haben.
So seien Personen, die im vergangenen Jahr mehr als fünf Verkehrsverstöße begangen haben, an mehr als zehn Tagen pro Monat mit Videos konfrontiert gewesen, die gefährliches Verhalten am Steuer zeigen.
Ein ähnlicher Zusammenhang wurde bei weiteren riskanten Verhaltensweisen festgestellt, etwa beim Überfahren roter Ampeln, dem Umfahren geschlossener Bahnübergänge oder bei illegalen Straßenrennen.
Kein eindeutiger Kausalnachweis
Einen direkten Kausalzusammenhang könne die Studie allerdings nicht belegen. Es sei möglich, dass gerade jene jungen Menschen, die ohnehin zu riskantem Verhalten neigen, gezielt nach entsprechenden Inhalten suchen.
Dennoch deuten die Ergebnisse laut Vias darauf hin, dass solche Videos die Einstellung gegenüber riskantem Verhalten verändern und dieses gesellschaftlich akzeptabler erscheinen lassen.
Politik kündigt Maßnahmen an
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, schlägt Vias zwei Ansatzpunkte vor: Anpassungen auf Plattformebene – etwa das Entfernen problematischer Inhalte oder Warnhinweise – sowie eine Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen.
Der föderale Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés) kündigte an, mehrere Hebel in Bewegung zu setzen. Ziel sei es, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 zu halbieren und bis 2050 auf null zu senken. Neben verstärkter Prävention in Zusammenarbeit mit den Regionen sollen auch soziale Netzwerke selbst stärker zur Sensibilisierung genutzt werden. Zudem soll konsequenter gegen Wiederholungstäter vorgegangen werden. (belga/rt)

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