Zwei Jobs statt einem: Belgien unter Europas Spitzenreitern

<p>Immer mehr Arbeitnehmer in Belgien gehen neben ihrem Hauptberuf einer zweiten Tätigkeit nach – der Anteil der Zweitjobber erreicht ein Rekordniveau.</p>
Immer mehr Arbeitnehmer in Belgien gehen neben ihrem Hauptberuf einer zweiten Tätigkeit nach – der Anteil der Zweitjobber erreicht ein Rekordniveau. | Foto: picture alliance/dpa

Im Jahr 2025 hatten demnach 6,1 Prozent der belgischen Beschäftigten zwei Arbeitsstellen. Das entspricht einem Anstieg von fast elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch deutlicher fällt der Blick in die Vergangenheit aus: Vor zehn Jahren lag der Anteil beinahe um die Hälfte niedriger. Belgien gehört damit inzwischen zu den fünf Ländern in Europa mit dem höchsten Anteil an Zweitjobbern. Nur Estland, Finnland, die Niederlande und Dänemark weisen noch höhere Werte auf.

Frauen holen auf

Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei den Frauen. Erstmals haben genauso viele Frauen wie Männer zwei Jobs. Während der Anteil der Männer mit Nebenbeschäftigung in den vergangenen zehn Jahren um knapp 39 Prozent gestiegen ist, legte er bei den Frauen um mehr als 56 Prozent zu.

Dabei zeigen sich auch Unterschiede bei der Art des Zweitjobs: Frauen entscheiden sich häufiger für eine zusätzliche Anstellung im Rahmen eines Arbeitsvertrags – oft in Form eines sogenannten Flexi-Jobs. Männer hingegen wählen eher eine selbstständige Tätigkeit im Nebenerwerb.

Mehr Geld, neue Talente – oder Abwechslung

Die Gründe für einen zweiten Job sind vielfältig. „Viele möchten sich finanziell mehr Spielraum verschaffen“, erklärt Tom Dirix, Experte für Flexi-Jobs bei Acerta. Andere wollten Talente nutzen, die sie in ihrem Hauptberuf nicht einbringen können. Wieder andere suchten ganz bewusst einen Ausgleich – etwa indem sie körperlich anstrengende Arbeit mit einer sitzenden Tätigkeit kombinieren.

Der Trend dürfte sich weiter verstärken. Ab dem 1. Juli sollen Flexi-Jobs auf alle Branchen ausgeweitet werden. Experten rechnen deshalb damit, dass der Anteil der Zweitjobber auch 2026 weiter steigen wird.

Die Analyse basiert auf Daten der sogenannten Labour Force Survey (LFS), einer europaweiten Haushaltsbefragung, die in Belgien von Statbel durchgeführt wird. (belga/calü)

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