Während sich 2025 noch 57,3 Prozent der Befragten als fair bezahlt betrachteten, sind es 2026 nur noch 51,8 Prozent – ein deutlicher Rückgang binnen eines Jahres.
Auffällig ist jedoch: Die Zahl jener, die sich klar unfair bezahlt fühlen, bleibt nahezu stabil. 2025 lag dieser Anteil bei 15,4 Prozent, 2026 bei 15,7 Prozent. Die eigentliche Verschiebung findet in der „neutralen“ Gruppe statt. Immer mehr Arbeitnehmer sind unschlüssig: Der Anteil derjenigen, die weder zustimmen noch widersprechen, steigt von 27,3 auf 32,5 Prozent.
Wachsende Zweifel statt offener Protest
„Wir sehen keinen offenen Lohnprotest, aber ein klares Warnsignal“, betont Yves Stox, Managing Consultant bei Partena Professional. Immer mehr Beschäftigte zweifelten an der Fairness ihres Gehalts.
Dabei gehe es nicht nur um nackte Zahlen. „Lohn ist weit mehr als eine Rechenoperation“, so Yves Stox. „Die empfundene Gerechtigkeit entscheidet darüber, wie ein Gehalt wahrgenommen wird. Und genau hier besteht noch Handlungsbedarf für Unternehmen.“
Deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Besonders auffällig ist die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen den Geschlechtern. Männer geben deutlich häufiger an, sich fair bezahlt zu fühlen. Frauen hingegen äußern häufiger Zweifel oder Unzufriedenheit.
Der Anteil der Frauen, die sich unfair entlohnt fühlen, steigt 2026 auf 18,1 Prozent – nach 16,2 Prozent im Vorjahr. Damit liegt er deutlich über dem Durchschnitt.
Für Stox liegt hier ein entscheidender Hebel: „Wer die negative Entwicklung umkehren will, muss das Lohnsystem vergleichbarer und transparenter machen. Gerade Frauen haben seltener das Gefühl, im Verhältnis zu Kollegen gerecht bezahlt zu werden.“
Transparenz wird Pflicht
Auch Arbeitsökonom Stijn Baert sieht die Entwicklung kritisch. Der Rückgang sei bemerkenswert – vor allem mit Blick auf die kommende europäische Gesetzgebung.
Bis Mitte 2026 müssen belgische Unternehmen die neuen EU-Regeln zur Lohntransparenz umsetzen. Arbeitgeber werden dann verpflichtet sein, klar darzulegen, wie Gehälter zustande kommen – mit dem Ziel, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu verringern.
Ob diese Transparenz das Vertrauen der Arbeitnehmer tatsächlich stärken kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht: Das Gefühl fairer Bezahlung bröckelt – und mit ihm womöglich auch die Motivation. (belga/calü)

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