Alkohol-Verkauf an Minderjährige in Belgien: Supermärkte planen Einsatz von KI

<p>Ein Mitarbeiter räumt in einem Delhaize-Supermarkt in Neerpede (Brüssel) Spirituosen ins Regal ein: Der Handel prüft derzeit technische Lösungen, um den Verkauf von Alkohol an Minderjährige besser zu kontrollieren.</p>
Ein Mitarbeiter räumt in einem Delhaize-Supermarkt in Neerpede (Brüssel) Spirituosen ins Regal ein: Der Handel prüft derzeit technische Lösungen, um den Verkauf von Alkohol an Minderjährige besser zu kontrollieren. | Foto: belga

Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Bei acht von zehn Kontrollen zur Einhaltung der Altersvorschriften beim Alkoholverkauf wurden Verstöße festgestellt. In den vergangenen drei Jahren gab es landesweit mehr als 2.000 solcher Überprüfungen. Die Bilanz ist ernüchternd.

Der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) erklärte in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Steven Coenegrachts (Anders), dass Verkäufer häufig nicht konsequent genug nach einem Altersnachweis fragen würden. Die bestehenden Regeln würden damit zwar auf dem Papier gelten, in der Praxis aber zu oft missachtet.

Kamera schlägt Alarm

Die Handelsbranche räumt das Problem ein – und sucht nach technischen Lösungen. Konkret geht es um Kameras mit KI an den Kassen. Sie sollen anhand von Gesichtserkennung einschätzen, ob eine Person möglicherweise minderjährig ist. Wird ein entsprechender Verdacht festgestellt, gibt das System ein Signal – und fordert eine Alterskontrolle.

„Das macht es für Kassamitarbeiter auch etwas ‚sicherer‘, jemanden nach dem Ausweis zu fragen. Denn dann ist es die Kamera, die Alarm schlägt und eine Alterskontrolle verlangt“, sagt Luc Ardies, Direktor von der flämischen Organistation Buurtsuper.be.

Gerade für junge oder unerfahrene Mitarbeitende an der Kasse könne das eine Entlastung sein. Die Verantwortung, jemanden auf sein Alter anzusprechen, liege dann nicht mehr allein bei ihnen.

Erste Tests laufen

Ganz neu ist das System nicht: Einige Dutzend Zeitungsgeschäfte in Belgien haben seit Mitte vergangenen Jahres bereits entsprechende Kameras installiert. Nun überlegen auch größere Supermarktketten, nachzuziehen.

Ob und wann die Technologie flächendeckend eingeführt wird, ist noch offen. Klar ist jedoch: Der Druck auf den Handel wächst. Angesichts der hohen Quote an Verstößen dürften Politik und Behörden künftig genauer hinschauen. (calü)

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