Zahl der Gewaltakte gegen Kinder erreicht Rekordniveau

<p>Organisationen warnen vor der weltweit zunehmenden Gewalt gegen Kinder in bewaffneten Konflikten.</p>
Organisationen warnen vor der weltweit zunehmenden Gewalt gegen Kinder in bewaffneten Konflikten. | Illustrationsbild: picture alliance / dpa

Nach jüngsten Zahlen der Vereinten Nationen ist die Zahl der Gewaltakte gegen Kinder in bewaffneten Konflikten im Jahr 2024 um 25 Prozent gestiegen. Die Vereinten Nationen sprechen von einem „beispiellosen Niveau“.

Auch der Einsatz von Kindersoldaten bleibt ein gravierendes Problem. Besonders dramatisch ist die Lage im Kongo, wo 2024 insgesamt 2.365 bestätigte Fälle von Kinderrekrutierung registriert wurden. Auch im russisch-ukrainischen Krieg wurden Kinder eingesetzt. Nach UN-Angaben wurden zwei Jungen von russischer Seite für Sabotageeinsätze genutzt, zudem wurden acht Kinder auf ukrainischem Gebiet festgenommen.

Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch deutlich höher liegen. „In Wirklichkeit müsste man die Zahlen in jedem Land mindestens verzehnfachen“, sagt Solveig Vinamont von der WAPA. Die UN-Statistiken erfassten nur bestätigte Fälle, während ein Großteil der Verstöße nie gemeldet werde. Nach Angaben der Organisation sollen derzeit mehr als 18.000 Kinder im Kongo zwangsweise in bewaffneten Gruppen eingesetzt werden.

Anlässlich des internationalen Gedenktages organisiert die WAPA eine Reihe von Vorträgen an Universitäten, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Am Montag berichtete an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) Junior Nzita Nsuami vor einem voll besetzten Hörsaal von seinen eigenen Erfahrungen. Er war 1996 im Alter von zwölf Jahren im Kongo aus seiner Schule entführt und zwangsweise als Kindersoldat rekrutiert worden.

Fünf Jahre nach seinem Ausstieg gründete Nzita Nsuami die Friedensorganisation „Paix pour l’Enfance International“. Heute ist er als Botschafter bei den Vereinten Nationen tätig und hat seine Erlebnisse in einem Buch verarbeitet. Kinder würden in Konflikten weiterhin gezielt an vorderster Front eingesetzt, erklärte er. Sie dienten häufig als menschliche Schutzschilde, Ablenkung oder Köder, um gegnerische Stellungen aufzudecken.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Die internationale Kinderrechtskonvention und ihre Zusatzprotokolle verbieten die Rekrutierung von Minderjährigen unter 18 Jahren. „Fast alle Staaten haben diese Regeln ratifiziert, doch sie werden kaum eingehalten“, kritisiert Vinamont. Seit mehr als 13 Jahren engagiert sich die WAPA für die Freilassung von Kindersoldaten, unter anderem im Kongo, in Myanmar und in Kolumbien. Die jüngsten UN-Zahlen geben jedoch wenig Anlass zur Hoffnung.

Die Durchsetzung internationaler Regeln bleibt schwierig. Junior Nzita Nsuami sieht die Hauptverantwortung vor allem bei den lokalen Behörden, auch wenn einzelne Staaten das Problem nicht allein lösen könnten. Zugleich würdigte er die Bemühungen Belgiens in den vergangenen Jahren, zur Verbesserung der Situation im Kongo beizutragen. (belga/rt)

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